Ein typischer Sommertag in Dubai
Man arrangiert sich irgendwie…
…aber mit einem verschwitzten Hemd bei einem Kunden vorstellig werden, damit werde ich mich wohl nie anfreunden können.
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2006-07-31 Ein typischer Sommertag in DubaiEs ist brütend heiss hier in Dubai. Die Luftfeuchtigkeit ist enorm, vor allem abends. Geht man aus dem klimatisierten Raum `raus, kleben die Kleider innert Minuten am Körper. Man kann der Feuchtigkeit geradezu zuschauen, wie sie sich an den Härchen am Arm zu Tropfen formiert, ähnlich wie Morgentau an den Grashalmen. Auch ein Sprung ins Meer würde da nicht weiter helfen: Das Wasser ist warm wie in einer Badewanne. Legt man sich dann wieder in den Sand (selbstverständlich in den Schatten), wird das Meerwasser nahtlos mit Transpirationsflüssigkeit ersetzt. Obwohl ich eher für wärmere Gefilde geschaffen bin, und ich mir immer sicher war, dass der Storch mich versehentlich in der kalten Schweiz abgeworfen hat, geht das hier doch etwas zu weit. Der einzige Ausweg: Von der Wohnung ins Auto hechten, möglichst nahe beim Büro parken, das Büro möglichst nicht verlassen (den Sandwich Service beanspruchen, statt in die Kantine gehen, welche sich im Nachbargebäude befindet), muss man wieder ins Auto: hoffen, dass das Personal die A/C eine viertel Stunde bevor man in den Wagen steigen will eingeschaltet hat, zurück in die kühle Wohnung oder eine Mall (valet parking macht’s möglich, dass man seinen fahrbaren Untersatz beim Eingang abgeben kann – will man ihn dann beim nach Hause gehen wieder, muss man dafür fünf Minuten warten). Mein Alltag sieht doch etwas anders aus: Vom Bett ins Auto hechten, keinen Parkplatz nahe dem Büro mehr finden, da ich spät dran bin, das Büro mittags verlassen müssen, da mir die Belegten Brote schon lange zum Hals `raus hängen, muss ich wieder ins Auto, weiss ich dass a) niemand meine A/C im voraus eingeschaltet hat und b) meine A/C sowieso nicht richtig funktioniert und repariert werden müsste (I just can’t be bothered with cars!), zurück in die vom Tag aufgewärmte Wohnung und tote Fliege spielen bis die Temperatur auf 26 Grad runtergekommen ist – all meine Gäste finden das zu warm, ich finde es gerade richtig – dann sich mal überlegen, was der Abend noch bringen soll. Man arrangiert sich irgendwie… …aber mit einem verschwitzten Hemd bei einem Kunden vorstellig werden, damit werde ich mich wohl nie anfreunden können. 2006-07-27 Emirates Towers27 Juli 2006 An der Sheik Zayed Road stehen die Hochhäuser Spalier und erweisen den Autofahrern die Ehre. Dies ist ein eindrückliches Schauspiel, und es begeistert mich jedes mal, wenn ich mich durch diesen urbanen Grand Canyon zwänge. Interessant ist die Skyline: schaut man der Strasse entlang, sieht man nur einen Turm, die anderen scheinen sich ängstlich dahinter zu verstecken. Befindet man sich jedoch am Strand bei Jumeirah, sieht man die Gläsernen Paläste wie Zähne eines Krokodils aus der Stadtlandschaft emporragen. Was aus der Ferne imposant ausschaut, verliert bei näherer Betrachtung mit einem Architekten-Auge bisweilen seinem Glanz (dies gilt allerdings nur, wenn man unter Architektur die gestalterischen Aspekte versteht). Es gibt einige Hochhäuser, die ich jedoch für sehr geglückt halte. Ein Beispiel ist das Duett der Emirates Towers. Etwas zurückversetzt, tanzen sie aus der Reihe der Glassoldaten. (Die Türme sollen ein tanzendes Paar stilisieren. Der grössere ist der Büroturm, im kleineren ist ein Hotel.) Auch in der Form heben sie sich von allen anderen Gebäuden ab. Man mag sich streiten, ob die Formensprache eher zu Disneys Space Mountain in Future World passt als in eine Stadt. Ich für meinen Teil hab’ die beiden Toblerone Schachteln ins Herz geschlossen. Auch halte ich diesem Projekt zugute, dass ein klarer Gestaltungswille ablesbar ist. Im Inneren erscheint das Design durchdacht. Alles ist sehr geometrisch und in abgestimmten Farbentönen gehalten. Dass man den üblichen touristischen Kram (shop until you drop) auch hier mitkriegt, gibt’s eine Mall im Sockelbau. Da ich nicht so der Einkauf-Typ bin, warte ich lieber in der Bar in der zehnten Etage (eine meiner Lieblingsbars: ruhig, gediegen, zuvorkommend, … - über der Bar ist das verglaste 30stöckige Atrium des Hotels!). Die Vu’s Bar in der 53. Etage gibt einen imposanten Blick frei über Dubai. Noch interessanter ist jedoch die Atmosphäre: Araber in Dishdashes (traditionelle Kleidung), die Alkohol trinken; Touristen; Neureiche und solche, die es gerne wären; bezaubernde Mädels, bei denen man nicht sicher ist, ob sie in derselben Begleitung gehen wie sie gekommen sind… Dubai pur, eben. ![]() ![]() 2006-07-24 Doha, Arata IsozakiWieder in Doha ... warten auf den Anschluss ... Ich moechte die Zeit nutzen, einige Bilder von Arata Isozakis Campus zu zeigen, den er fuer Qatar Education Foundation geplant hat. Der Komplex wurde vor etwa zwei Jahren vollendet und zeigt meines Erachtens einen ueberaus faszinierenden Umgang mit der traditionellen, Arabischen Architektur. Seine zeitgenoessische Interpretation von geometrischen Mustern, Transparenz und raumdefinierenden Elementen zeigt, wie eine moderne Architektur in den Golfstaaten ausschauen koennte. ![]() ![]() ![]() ![]() Nicht weniger interessant finde ich das Convention Center von ihm, ebenfalls geplant in Doha. Hier haelt sich jedoch die Verbindung zur typisch Arabischen Architektursprache in Grenzen. Und nun muss ich wieder los ... Von einem anderen OrtDie Dinge laufen nicht immer wie sie laufen sollten. Meinen letzten Beitrag habe ich vor 4 Tagen geschrieben und dank meiner Geschicklichkeit im weiten World Wide Web versenkt. Dies wollte ich heute wieder gut machen und ... habe zwar einen Computer aber keine Moeglichkeit einige Bilder beizulegen. Tja, dann mal zurueck zum Anfang: Letzten Mittwoch morgen habe ich Dubai aus geschaeflichen Gruenden in Richtung Doha verlassen. Qatar gehoert zu den boomenden Staaten des Nahen Ostens. Dank dem enormen Vorrat an Erdgas kann - im Vergleich zu Dubai - getrost eine etwas konsolidiertere Entwicklung verfolgt werden. Dies und wohl auch das persoenliche Interesse der Frau des Staatsfuehrers fuehren dazu, dass Kenzo Tange, Legoreta & Legoreta, Arata Isozaki und Lab Architects Projekte in Doha realisieren. Ich werde Euch in kuerze mehr ueber Dohas Architektur schreiben. Muss jetzt allerdings den Computer verlassen -- mein Flug von Singapur geht sonst ohne mich in den Wuestenstaat zurueck. 2006-07-14 Kühlendes Nass14 Juli 2006 Soeben bin ich vom Pool zurückgekommen. War enorm erfrischend. Wie die meisten mehrstöckigen Wohnhäuser hat auch mein Gebäude ein Schwimmbecken auf dem Dach. Damit man nicht das Gefühl hat, in einem Suppentopf zu kochen, wird das Wasser gekühlt. Und das bringt mich zu einer besonderen Eigenheit dieser Gegenden, wo die Temperatur schon mal gegen die 50°C klettern kann. Möchte ich im Sommer warm duschen oder gar ein heisses Bad nehmen, drehe ich ganz einfach den Kalt-Wasserhahn auf. Die Sonne hat das Wasser in den Leitungen so aufgewärmt, dass man meinen könnte, ein heisser Geysir sprudelt einem in die Wohnung. Mit Abkühlung ist da nicht viel. Möchte ich hingegen eine erfrischende Dusche, drehe ich den Warm-Wasserhahn auf und schon rieselt das belebende Nass über mich. Dies liegt daran, dass jeder Raum seinen eigenen Elektroboiler hat und das Wasser im Tank während des Tages auf die Zimmertemperatur herunter kühlt. Da ich gerne lang und warm dusche, bevorzuge ich diesbezüglich den Sommer. In den Wintermonaten wird meinem Vergnügen spätestens dann die Freude genommen, wenn der Boiler mit frischem Wasser nachgespiesen wird. In den grösseren Komplexen und Hotels mag all dies anders sein, und viele Touristen werden diese Erfahrung nicht machen. Ihnen wird auch die Eigentümlichkeit entgehen, wenn im Örtchen mit warmem Wasser gespült wird… 2006-07-10 Investment10. Juli 2006 The Cube ist ein Wohnbau in Dubais Sport City, hat 27 Stockwerke und 345 Wohnungen. Entworfen wurde der Bau vom Deutschen Architekturbüro Bothe, Richter, Teherani. Fertigstellung sollte irgendwann im Frühjahr 2008 sein. Ein Studio-Apartment mit 66m2 kostet EUR 150'000.--, vollständig eingerichtet. Als Investment werden einem 10% Return garantiert, wobei man in den ersten drei Jahren die Wohnung während 30 Tagen selbst nutzen darf, ansonsten wird sie weitervermietet. Sind die ersten drei Jahre um, kann der Vertrag neu geregelt werden. Kleiner Schritt zur Seite. In Dubai dürfen Ausländer nur in bestimmten Zonen Wohneigentum erwerben. Die Nachfrage nach Wohnungen zum Eigengebrauch sowie als Investment ist enorm. Die Mieten in Dubai sind 30% bis 60% gestiegen pro Jahr. Letztes Jahr hat die Regierung von Dubai beschlossen, dass 15% Mieterhöhung per annum das Maximum sei. In den anderen Emiraten gelten andere Gesetze. Vor ein paar Tagen wurde eine Harmonisierung mit der Begründung abgelehnt, dass die verschiedenen Emirate in unterschiedlichen Phasen der Mietentwicklung seinen. Generell wird eine Wohnung oder ein Haus anhand des Grundrisses gekauft. In den Hochglanzbroschüren werden einem die Objekte mit Perspektiven von aussen und innen schmackhaft gemacht. Es werden auch erstaunliche Filme produziert, um den Absatz zu fördern. Der Kontext wird meist komplett ausgeblendet – es sei denn, dieser gilt als Wert steigernd, wie in unserem Fall Sports City. Dies kann zur Folge haben, dass sich Leute nicht bewusst sind, dass sechs Meter vor ihrer Wohnung das nächste Hochhaus zum Himmel empor strebt oder die Orientierung anders ist oder das Umschaltwerk gleich vor der Tür steht. Über die Qualität der Oberflächen, sowie deren Verarbeitung, weiss man ebenfalls wenig und wenn, dann steht im Vertrag, dass diese nicht verbindlich sind. Ich bin froh, dass ich mir keine Gedanken machen muss bezüglich einer Investition in eine Immobilie – mir fehlt das nötige Kleingeld. Dennoch weiss ich nicht, ob ich den nötigen Goldgräbermut hätte, einen solchen Schritt zu machen, ist doch auch über den Mechanismus und die Rechtslage auf dem Wiederverkaufsmarkt nichts bekannt. Ich bin wohl etwas zu Schweizerisch, etwas zu sehr auf Sicherheit und Verbindlichkeit getrimmt. ![]() 2006-07-07 Dancing Towers07 Juli 2006 Zaha Hadid hat einige Projekte hier in den Emiraten – als einzige aus der Weltspitze der Entwurfsarchitekten. Ob sich die Investoren im Zuge der Rückbesinnung auf die eigene Kultur oder auf der Such nach Neuheiten zu Zaha Hadid geführt haben, weiss ich nicht. Es kann auch sein, dass sie – dank ihrer Arabischen Wurzeln – besser mit den lokalen Gepflogenheiten vertraut ist und somit weiss, wie man hier Geschäfte macht. Auf jeden Fall ist sie aus dem eingeladenen Wettbewerb für drei Hochhäuser in der „Business Bay“ als Gewinnerin herausgekommen. Ihr Projekt heisst „Dancing Towers“ und ist, interessanter Weise, im Rahmen Ihrer derzeitigen Ausstellung im Guggenheim Museum in New York lanciert worden. Die „Business Bay“ ist eine Städteplanung entlang dem Dubai Creek, jenem schlanken Meeresarm, der Dubai in zwei Hälften teilt: Bur und Deira. Das 7.4 km2 grosse Gebiet (etwa 1/3 der Fläche des Walensees) wird unter der Schirmherrschaft von „Dubai Properties“ entwickelt und als neues Geschäftszentrum der Region angepriesen. Zaha Hadids Komplex soll den alt bewährten Mix aus Büro, Wohnungen und Hotel beinhalten. Das Podium verbindet die Türme und beherbergt eine Mall mit Restaurants. Der derzeitige CEO von „Dubai Properties“ pries das Projekt wie folgt an: „Die Türme verbinden eine avant-garde Definition von Funktionalität mit einer Form, welche nicht nur ein markantes Wahrzeichen in der „Business Bay“ schafft, sondern auch neue Massstäbe setzt und eine neue Phase in Dubais Architektur einleitet.“ Diese Aussage lässt für Architektur Interessierte Gutes erhoffen. Dass wir hier aber etwas weit in die Zukunft schauen könnten, und Zaha Hadid die homöopathische verträgliche Dosis an Design für die Investoren überschritten hat, lässt ein Gerücht befürchten, welches besagt, die Geldgeber hätten bereits verlauten lassen, dass man das Design der „Dancing Towers“ überdenken müsse… ![]() 2006-07-04 Burj Al Arab04 Juli 2007 Der Burj Al Arab ist wohl das bekannteste Gebäude in Dubai. Majestätisch steht das Dreieck dem Strand vorgelagert im Meer. Nachts wird das Prachtsexemplar mit einem zuckersüssen Lichtspiel beglückt. Bisweilen werden auch Figuren per Laser an die landseitige Fassade projiziert. Ein grandioses Feuerwerk, das irgendwo zwischen Arabischem Geschmack und touristischem Kitsch einzuordnen ist. Die Form des Bruj Al Arab soll von einem Segel inspiriert worden sein. Sieht man das Jumeirah Beach Hotel im Hindergrund – es gleicht einer riesigen Welle – lässt sich nicht nur diese Herleitung besser erkennen, sondern man kann die Bauten auch in eine gewisse (Gössen)Relation setzen. Ich muss einigen meinen Kollegen recht geben, der Burj Al Arab gehört – architektonisch betrachtet – zu den besseren Bauten in Dubai. Dennoch bewundere ich nicht so sehr die Architektur dieses Bauwerks, sondern die Art und Weise, wie das Gebäude ganz gezielt zur Ikone der Stadt hochstilisiert wurde und als solche Marketing technischen eloquent ausgeschlachtet worden ist. Der Bruj Al Arab wurde 1999 fertig gestellt. Bis zu diesem Jahr zierte sein Abbild die Nummernschilder der Autos von Dubai. Nun ist es – ersatzlos – weg. Hat der Burj Al Arab als Wüstenikone ausgedient? Was kommt als nächstes? ![]() 2006-07-01 Die Arabische Woche01 Juli 2007 Der erste Arbeitstag einer Woche ist wieder einmal vorbei… Obwohl ich vor etwa zweieinhalb Jahren nach Dubai gezogen bin, gibt es gewisse Dinge, an die ich mich wohl nie gewöhnen werde: Ohne zu zögern nenne ich den ersten Wochentag „Montag“ – dies obwohl in der Muslimischen Welt der Freitag unserem Sonntag entspricht, und der Donnerstag dementsprechend unser Samstag ist. Es liegt aber nicht an den verkalkten „Expatriots“ wie mir, dass sich das Wochenende in Dubai verschieben wird, sondern eher an der Unmöglichkeit effizient in der internationalen Geschäftswelt tätig zu sein. Zurzeit überlappen lediglich drei Arbeitstage und an vieren ist einer der beiden Geschäftspartner im Wochenende. Eine überaus lähmende Situation, und äusserst unerwünscht, wenn man die allgemeine Betriebsamkeit der Gegend in betracht zieht. Dies zu ändern wurde vor kurzem beschlossen, und ab September wird unser Wochenende am Freitag / Samstag sein. Für mich bleibt jedoch alles beim Alten: Wenn ich an den ersten Wochentag denke, liegt mir „Montag“ auf der Zunge. | |||