Stargate, Dubai

[Architektur]
Oder Dubai als Tor zum Universum

Jeden Morgen, wenn ich zur Arbeit fahre, sehe ich die Ankündigungstafel des Stargate Projektes. Dieser Vergnügungspark liegt im Zabeel Park in Mitten von Dubai, sieht Kinder und Jugendliche als Zielpublikum und thematisiert die Raumfahrt. Das Projekt ist für die Verhältnisse von Dubai nicht sehr gross (Fläche: 25’000m2, Kosten: CHF 70’000.--). Ende dieses Jahres sollte Stargate seine Tore öffnen.

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Zwei ähnliche Projekte sind mir in den Sinn gekommen, als ich das letzte mal wieder vor der Tafel die kostbaren Minuten am Morgen verstreichen lassen musste – bis die Ampel von Rot auf Grün wechselte: 1) Von Dänikens Mystery Park und 2) Disneys Anlagen, welche sich mit der Zukunft und der Wissenschaft befassen (EPCOT und Future Land).

Unbekanntes und Unerklärliches hat die Menschen schon immer fasziniert. Es ist wohl die Unberührtheit, welche uns in den Bann zieht und genügend Spielraum für allerlei Phantasien bietet. In unserer heutigen Welt ist aber das meiste erforscht und entzaubert. Auch die letzten Orte dieser Welt liegen vor unsrer Tür und sind jederzeit erreichbar. Ob wir dies den neuen Medien verdanken oder den modernen Verkehrsmitteln ist letztlich nebensächlich. Um uns kopflastigen Menschen etwas der seelischen Ursuppe zurückzugeben, muss eine Ratio befreite Zone geschaffen werden – selbstverständlich in Freizeitbürger gerechten Häppchen. Themen, welche sich dazu eignen sind die Mystik (um einiges weniger behaftet als die Religion) und die Zukunft – so zu sagen als zeitliche terra incognita.

Die Problematik der Mystik liegt in der Wissenschaft. Meistens gibt es zu jedem Kulturgut eine mystische Geschichte, welche von Generation zu Generation weiter getragen wird. Sobald Forscher aber die Entstehung von Kulturgütern oder Phänomenen erklären können, verliert die Mystik ihre Aura. (Die Erzählung selbst behält aber ihren sozialkulturellen Wert). Der Mystery Park ist wohl diesem Phänomen erlegen – oder wer glaubt noch daran, dass Ausserirdische die Pyramiden bauten und die Petroglyphen den grünen Männchen als Orientierung dienen?

Future Land und EPCOT lassen den Besucher die Zukunft erleben und haben somit ein ähnliches Problem, nämlich jenes der Zeit: Was, wenn einem die Zeit einholt? Zeit bleibt nie stehen. Die Zukunft wird Gegenwart und dann Vergangenheit. Die Zukunft veraltet. Als ich vor 15 Jahren das EPCOT Center in Florida besucht habe, erschienen mir gewisse Ausstellungsgegenstände, mit welchen meine Grossväter die Zukunft darstellen wollten, äusserst amüsant. Ich hatte mehr das Gefühl in einer Kuriositätensammlung zu sein, als durch ein Guckglas in die Zukunft zu schauen.

Es hat übrigens nichts mit Mystik zu tun, dass Future Land und EPCOT Center nicht das tödliche Schicksal des Mystery Park teilen, sondern damit, dass sie in einem Konglomerat von Bahnen eingebettet sind, welche kein Verfallsdatum aufweisen.

Ob Stargates Edutainment Konzept funktioniert oder nicht, wird sich zeigen. Ich werde nächsten Frühling bestimmt einmal hingehen. Erst werde ich die Anlage bei Pommes Frites und Zuckerwatte kritisch analysieren und dann mir auf einer Bahn alles nochmals durch den Kopf gehen lassen.
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Schweiz ist Nummer 1

[Sonstiges]
Die Schweiz ist also die Nummer 1 – und ich bin nicht mehr dort, um bei der Preisverleihung mit aufs Podest stehen zu können. Wäre vielleicht auch nicht angebracht, da ich nichts zu diesem Erfolg beigetragen habe – oder doch? Hat meine Heidi-Heimat deshalb den Sprung aus der Masse des globalen Wirtschaftsolymps zum Most Competive Country gemacht, weil ich meine wirtschaftsfremde Fantasie nicht mehr in die andere Waagschale legen konnte? Muss so sein. Ich bin aber stolz, dass wir – oder eher Ihr Daheimgebliebenen – doch mehr wegen der weichen Faktoren das letzte Treppchen der WEF Huldigung erklommen habt. Weiche Faktoren also und das trotz harter Währung, harter Arbeit (?) und Hartkäse. Ich bin sowieso der Meinung, dass wirtschaftlicher Erfolg und hohe Lebensqualität längerfristig Hand in Hand gehen.

Na, und wie sieht es mit meiner Wahlheimat aus? Die Vereinigten Arabischen Emirate liegen auf Rang 32 der WEF Hitliste. Die Begründung liegt darin, dass sich die Investitionen der Öffentlichen Hand noch nicht in einer Verbesserung des Humankapitals bemerkbar machten. Tja, lieber Herr Schwab, ich gebe zu, dass die weichen Faktoren hier etwas vernachlässigt werden (vor allem wenn es um Kunst, Architektursprache und ÖV geht, würde ich dem zustimmen), dennoch ist zur Zeit die UAE die Nummer 1 auf meiner Hitliste. Und zwar auch wegen den weichen Faktoren: Permasonne, Dynamik und Menschlichkeit (statt Humankpital – wenigstens in meinem Freundeskreis).

Ramadan Kareem

[Kultur]
Der Fastenmonat Ramadan ist die Zeit der Besinnung in den Islamischen Ländern. Vielleicht lässt es sich am einfachsten mit der Adventszeit in den Christlichen Kulturkreisen vergleichen. Man nimmt sich mehr Zeit für Familie und Freunde, versucht sich auf innere Werte zu konzentrieren und gewichtet den Glauben im täglichen Leben mehr.

Während Ramadan essen und trinken Muslime tagsüber nichts. Man steht früh auf, um noch etwas in den Magen zu kriegen, bevor der Tag erwacht. Die Arbeitszeit ist verkürzt, Feierabend ist so zwischen zwei und drei. Man legt sich etwas aufs Ohr, damit man nicht ans Essen denkt und fit ist für die nächtlichen Aktivitäten. Nach Sonnenuntergang trifft man sich mit Familie und Freunden zum Iftar (=Frühstück – was mich in meinen Arabisch Klassen immer verwirrte). Die Gebetsstunden, fünf mal am Tag, werden selbstverständlich wie üblich eingehalten.

So, das war die Theorie (aus der Perspektive eines Ungläubigen). Nun zur Praxis (aus der Perspektive eines Realisten):

Die Globalisierung scheint auch vor der Muslimischen Religionsgemeinschaft nicht halt zu machen. Ähnlich wie in der Vorweihnachtlichen Zeit, denken die meisten Menschen mehr ans Geld machen als an die Nächstenliebe. Und da die Ladeninhaber – hier in Dubai mehr die Restaurants und Hotels – dieselbe ökonomische Einstellung haben, wird Themengerecht dekoriert und die Werbetrommel gerührt. Hier im Nachen Osten werden wie wild Iftar Zelte aufgestellt, wo man sich im vertrauten Kreis die kulinarischen Auswüchse der Feierlichkeiten zuführen kann. (Man entschuldige meine Sprache, aber bisweilen scheint es mehr einem Römischen Gelage zu gleichen, wenn Alkohol ausgeschenkt wird und Wasserpfeifen um die Wette qualmen.) Aber ehrlich gesagt, mir ist auch lieber, wenn Regeln zu Gunsten eines gemeinsamen Festes fallen als dass diese als Unterscheidungsmerkmal verteidigt werden. In diesem Sinne möchte ich mich für heute verabschieden und mich mit einigen Kollegen einem Iftar Buffet widmen.

Ramadan Kareem!

Golnaz Fathi

[Kunst]
Bin soeben zurueckgekommen von der Ausstellung in The Third Line, welche ich Euch vor ein paar Tagen vorgestellt habe. Die Werke von Golnaz Fathi haben mich echt begeistert.

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Die Künstlerin ist Jahrgang 1972 und Iranerin.

Hotelavenue Bawadi

[Architektur]
oder das Hotel Potpourri von Dubai

Das Bawadi Projekt wurde vor etwa einem halben Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt. Es handelt sich dabei um ein etwa 10 Milliarden Schweizer Franken teueres Hotel- und Gastronomiezentrum. Innerhalb der nächsten acht Jahre soll es die Bettenzahl in Dubai um beinahe 30’000 auf 60’000 verdoppeln. Das grösste Hotel, entworfen von demselben Architekten wie die Petronas Towers (Cesar Pelli), beherbergt alleine 6500 Zimmer. Wer dabei an Grössenwahn glaubt, ist weit gefehlt. Die ganze Anlage basiert auf intensiven Studien zur touristischen Entwicklung Dubais und hat folgende Gestalt angenommen:

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Mir sei dabei der Kommentar erlaubt, dass ich diesbezüglich froh bin, kein Tourist in Dubai zu sein…

Transskriptionen der Architektur

[Architektur]
Übrigens, vom 9. bis 28. September ist an der Alliance Francaise eine Ausstellung zum Thema "Transskriptionen der Architektur" zu sehen. Ich werde in den nächsten Tagen sicherlich einmal vorbeischauen.

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Europäische Kulturförderung in Dubai

[Kultur]
Letzthin habe ich eine Rückmeldung eines Lesers erhalten mit der Frage, warum die Europaeischen Länder (in besagtem Email ging’s konkret um Deutschland) keine bessere Kulturförderung in Dubai betrieben.

In Dubai herrscht eine Art Goldgräberstimmung – ist übrigens auch das, was mich hier so fasziniert. Das Leben ist geschäftig und ohne Wurzeln (durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Dubai soll zwei bis drei Jahre sein). Die Leute arbeiten hart und feiern gebührend. Man lebt in der Gegenwart, ohne viel Ballast. Wohl nicht das Publikum, in welchem Kunst gedeiht. Dubai hat 1.4 Millionen Einwohner (offizielle Schätzung 2005) aber kein Kunstmuseum! - Das Interesse und das Publikum scheinen zu fehlen...

Kunst braucht aber auch einen gewissen Freiraum, dessen Grenzen immer wieder ausgelotet werden. Die konstitutionelle Monarchie “Vereinigten Arabischen Emirate” scheint für Non-Konformität wenig empfänglich zu sein. Die Sheikhs haben das 2004 der Schweiz abgeschaut, als Thomas Hirschhorn von Pro Helvetia unterstützt seine Installation in Paris präsentierte.

Ein Land, das in Dubai sehr aktiv ist bezüglich Kunst, ist Frankreich. Alliance Francaise ist sehr bemüht um Kultur und kulturellem Austausch. Jede Woche werden französische Filme vorgeführt, fast jede zweite Ausstellungen organisiert, Vorlesungen gehalten und Kleintheatervorführungen gezeigt. Daneben betreiben sie eine Bibliothek und bieten Sprachkurse an (Französisch und Arabisch). Ich habe schon etliche Veranstaltungen besucht und kann nur Positives berichten.

Soweit mir bekannt ist, haben die deutschsprachigen Länder nur im Rahmen ihres Business Clubs Kultur fördernde Massnahmen. Bei den Schweizern heisst das: Schokolade testen und Käseklötzchen knabbern.

PS: Die Vorträge, die ich bis anhin gehört habe, waren interessant, jedoch nicht unter der Rubrik Kultur einzuordnen. Dies dürfte auch nicht die Aufgabe eines Business Council sein.



Trump Tower in Dubai

[Architektur]
Ich bin zwar schon wieder eine Zeit zurück in Dubai, aber den Ferienballast musste erst noch entrümpelt und eingeordnet werden. Dabei bin ich über ein Foto gestolpert, das ich in Zürich gemacht habe (nach Zentralasien gab’s noch einige Tage in der Schweiz). Das Kunsthaus zeigte eine Ausstellung von Aleksandra Mir über „Switzerland and Other Islands.“ Gleich beim Eingang auf der linken Seite bevor man zu Giacomettis Werken gelangt hängt die folgendes Bild:

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Zu sehen ist die Palme in Dubai. In der unteren linken Ecke ist der Trump Tower. Dieses Knospenartige Gebilde sieht noch um einiges besser aus in Farbe… Ich bin ja froh, dass die Firma, welche den Zuschlag für die Architekturplanung erhalten hat, diesen nur unter der Bedingung angenommen hat, einen Gegenentwurf zu machen. Den Gegenentwurf finde ich um einiges gelungener als das ursprüngliche Konzept, aber urteilen Sie selbst.

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Third Line Gallery in Dubai

[Kunst]
Schon seit längerem bin ich auf The Third Line Gallery aufmerksam geworden. Im Gegensatz zu anderen, eher Kommerz orientierten Galerien zeichnet sich diese Institution durch enormen Einfallsreichtum aus: Ausstellungen, Präsentationen, Filmabende. Immer steht jedoch das Arabische Schaffen im Vordergrund. Am 20. September ist der nächste Anlass.

The Third Line and Gargash Enterprises warmly invite you to the private preview for Golnaz Fathi’s new exhibition on Wednesday 20th September from 7:30 to 9:30 pm.

In contrast to the vibrant reds, blues and yellows which, alongside untamed script boldly dominated her previous works, Fathi presents us with a more minimalist approach to her unmistakable calligraphic style. Black on white, wildly erratic text is sparsely studded with scarlet, and structures reminiscent of the cypress tree evoke the traditional symbol of health and longevity.

The Third Line
PO Box 72036 Dubai United Arab Emirates
T +971 4 3411367 F + 971 4 3411369
www.thethirdline.com

Erhaltene Kommentare

[Sonstiges]
Vielen Dank für die Kommentare, welche ich von verschiedenen Leuten erhalten habe. Ich bin auch auf einige interessante Links aufmerksam gemacht worden, die ich niemandem vorenthalten möchte:
http://www.true-dubai.com
http://www.hallodubai.com

Ob ich die Projekte wie den Burj Dubai (das zum jetzigen Zeitpunkt höchste, geplante Gebäude der Welt ist), die Palme (Jumerah und Jebel Ali), The World oder die Freizeitparkanlagen in Dubailand kenne, wurde ich ebenfalls gefragt. Antwort: Ja. Aus verschiedenen Gründen habe ich aber bis jetzt nicht darüber geschrieben.
1) Die Medien sind bereits voll von diesen Projekten.
2) Ich finde die künstlichen Landschaften im Meer aus städteplanerischer Sicht enorm visionär, bin aber in anderen Aspekten nicht restlos überzeugt.
3) Damit kein Interessenskonflikt entsteht, schreibe ich über keine Projekte, an welchen mein Arbeitsgeber beteiligt ist.

Auch meine bisweilen etwas harsche Formulierung wurde erwähnt… Well, würde ich diesen Flecken Erde nicht lieben, wäre ich nicht hier. Und - sind wir mal ehrlich, nichts und niemand ist perfekt: Weder ich noch Dubai!

(Der Hinweis bezüglich scharfem Kommentar ist aber berechtigt, da in dieser Gegend schon mal der Schwarzstift in den Zeitschriften wütet, die Webseiten blockiert werden (nicht nur die Schmuddelseiten) und die Geschichten vor der eigenen Haustüre nur mit der rosaroten Brille in den journalistischen Computer eingetippt werden. Doch als ich das Wort „Zensur“ bei Wikipedia eingab, staunte ich nicht schlecht: Da wurde die Schweiz unter „Zensur International“ an erster Stelle erwähnt, noch vor China, Taiwan, Nordkorea und Singapur. Da hat doch unsere Weisse Weste wieder einen Spritzer abgekriegt!

In diesem Sinne gedenke ich Ihnen weiterhin meine ganz persönlichen Geschichten aufzutischen. Bitte beachten Sie aber, liebe Leser(innen), dass Sie alles nur halb so heiss essen sollten, wie ich es gekocht habe.
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