Big 5

[Architektur]
Wie immer bin ich etwas spaet dran, ohne wirklich verspaetet zu sein...

Vom 28 Oktober bis 1 November findet in Dubai die internationale Baugewerbemesse Big 5 statt. - Die Info ist also immernoch aktuell.

Ich habe mich gestern in die Ausstellungshallen gekaempft (der Verkehr zum Gelaende war zaeh und das Gedraenge auf der Messe enorm). Meine Begeisterung hielt sich dementsprechend in Grenzen. Wahrscheinlich bin ich auch mehr der Gestalter, denn ich bin den Reizen der Lueftungsanlagen, Betonzusaetze und Dichtungsringen nicht wirklich erlegen. Es waere mir jedoch besser bekommen, wenn ich dem ueblichen Dubai Hype verfallen waere: Am naechsten Tag erzaehlte ich einer Arbeitskollegin am Kaffeeautomaten, dass mich die Ausstellung nicht aus den Socken gehaut hat, worauf sie antwortet: "Ich werde heute gehen. Mein Vater hat dort einen Stand."

Modernes, Arabisches Design in Dubai

[Design]
Wie gesagt, habe ich Besuch aus der Schweiz und bin wieder einmal meinen Touristenpfad abgeschritten. Einer der „Pit-stops“ führte uns in ein historisches Hofhaus im Bastakya Quartier von Bur Dubai. Das Gebäude wird als Hotel, Cafe und Galerie genutzt. Ich staunte nicht schlecht, als ich die ausgestellten Möbel betrachtete: äusserst innovatives Arabisches Design, welches gewandt mit dem kulturellen Reichtum der Region umgeht und es mit den heutigen kosmopolitischen Chic verbindet. Die Designerin heisst Nada Debs und ist Libanesin. Sie ist in Japan aufgewachsen, hat in Amerika studiert, lebte danach in England und wohnt nun in Beirut.

Hier das Hofhaus und einige von Nada Debs Arbeiten:

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Es kann an meiner Ignoranz liegen, aber ich habe das Gefühl, dass sich das Arabische Design schwer tut, wirklich innovativ und modern zu sein. Dies gilt für alle Gebiete: Malerei, Plastik, Produktedesign und Architektur. Bitte nicht falsch verstehen, ich glaube, es gibt exzellente Kunst in diesem Teil der Welt, aber sie ist eher traditionell als zeitgenössisch. Woran das liegen mag, weiss ich nicht. Hier jedoch zwei Gedankenansätze:

1) Die Religion hierzulande basiert auf dem Koran. Das Schriftstück darf als Quelle des Glaubens nicht verändert werden und keine Anpassungen erfahren. Das Sprichwort „Tempora mutantur et nos mutamur in illis.“ (Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen.) gilt folglich im Islam nicht. Die Religion, als zentrales Element im Leben eines Arabers (ob nun gläubig oder nicht), hindert vielleicht die Leute, allzu innovativ zu gestalten und allzu viele Änderungen in der Kunst vorzunehmen. Dies könnte verständlich sein, da die Religion häufig als Inspiration und Mäzen der Kunst auftritt.

2) Die Arabische Kultur ist eine Kultur der Nomaden. Dieser ziehende Lebensstil beinhaltet es, dass mobile und immobile Güter nur in begrenztem Masse hergestellt wurden (man musste ja alle paar Wochen den ganzen Hausrat wieder einpacken und auf die Kamele laden). Die Kultur fand demnach mehr ihren Niederschlag in sozialen Umgangsformen als in haptischen Gütern. Dieser Fakt an sich ist weder gut noch schlecht (ich persönlich finde ihn sogar sehr interessant). Wird eine solche immaterielle Kultur jedoch in ein grösseres System eingefügt, welches äusserst materiell ausgerichtet ist – wie unsere globale (Wirtschafts-)Kultur – dann ergeben sich Schwierigkeiten: Werte in der immateriellen Kultur können nicht als Wert in die materielle Kultur eingebracht, sprich verkauft, werden. Zudem ist eine materielle Kultur auf die Haptik, Taktilität und Visualität seiner Güter und Werte angewiesen, wohingegen dies in der immateriellen Kultur nicht notwendig ist. Es entsteht eine Wahrnehmungs- und Werteschere. Zudem ist es nicht ganz einfach, gestalterische Prinzipien aus einem immateriellen Gut abzuleiten. Dies ist aber nötig, will man kulturspezifische Formen, welche auch in einer materiellen Welt (zeitgenössisch und) wertrelevant sind, aus einer immateriellen Kultur generieren.

Eid Mubarak

[Kultur]
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Der Fastenmonat Ramadan wird mit einem zweitägigen Fest namens „Eid Al-Fitr“ beendet, kurz „Eid.“ Da Ramadan – und somit auch Eid – von den Mondphasen bestimmt wird, kann es zu kleineren, zeitlichen Verschiebungen kommen. Ein Gremium von Waisen beäugt den Himmel und bestimmt offiziell, ob der Neumond nun sichtbar ist und somit Ramadan endet oder nicht. Da wir über Eid frei haben, hat dies gravierende Konsequenzen für den geneigten Kurzurlauber. Dazu gehören nicht nur die Ungläubigen (Dies ist eine „offizielle“ Bezeichnung für Nicht-Muslime. Ich benutze sie mit einem Schmunzeln für mich und meines gleichen. Ich habe sie aber noch nie aus dem Munde eines Muslims gehört). Auch die Gläubigen reisen gerne – traditioneller weise würden sie über Eid ihre Familien besuchen. Dem Problem, dass die Natur den Reiseplänen ein Schnippen schlagen könnte, wird meistens entgegen gewirkt: Schulen und Regierung sind konsequent und machen eine ganze Woche dicht, die Mitarbeiter freundlicheren Firmen schliessen für drei Tage (um alle Möglichkeiten abzudecken) und die wirtschaftlich orientierten Gesellschaften lassen ihre Mitarbeiter bis am Vorabend bangen. Dann nämlich entscheidet ein Gremium weiser Kleriker, ob man den Neumond sehen kann oder nicht. Falls die Herren die Sichel sehen, ist offiziell Eid und man hat am nächsten Tag frei. Natürlich gibt’s auch noch die Sklaventreiber, bei denen die Angestellten gar keinen Urlaub kriegen – zum Beispiel in allen Einkaufszentren, Vergnügungsparks und Gastronomiebetrieben. Aber die feudalen Einheimischen und Touristen erwarten ja, dass sie auf nichts verzichten müssen. – Sollte es jemanden interessieren: Ich habe zwei Tage frei und hielt mich gestern somit in gesellschaftlicher Runde und mit einem Glas Wein bis zur Urteilsverkündung wach. Heute ging ich etwas müde und mit einem Kater zur Arbeit –wär’ wohl besser zu Hause geblieben!

Für meine Indischen Freunde hat Eid ebenfalls keine besondere Bedeutung (es sei denn, sie sind Muslime); sie feiern Diwali. Diwali ist das Fest des Lichtes (das Datum ist auch vom Erkennen des Neumondes abhängig). Im Gebäude, in welchem ich wohne, leben auch etliche Hindi. Vor ihren Türen brennen zur Zeit Öllämpchen und Kerzen. Auch zieren farbenfrohe Ornamente aus Farbpulvern den Boden vor und neben dem Eingang. Die Kinder konnten ihre Vorfreude nicht verbergen und liessen bereits gestern nacht die ersten Krachen in den Himmel. Heute wird es wohl in die nächste Runde gehen. (Bei mir auch.)

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Welche Pläne ich für Eid habe? Eigentlich wollte ich mit Freunden campen gehen. Nun hat sich noch jemand aus der Schweiz angemeldet. Gerne würde ich auch Tauchen gehen. Ich fürchte, ich werde alles machen!

Eid Mubarak! (=frohes Eidfest!)

Tschador, Burka, Abaya und Hijab

[Kultur]
Wieder einmal bin ich über einen Artikel im Tagi gestolpert, der mich zum Schreiben eines Beitrags inspiriert: Die traditionell Islamische Bekleidung der Frau in der Öffentlichkeit.

... Mit Bedauern muss ich feststellen, dass sich mir die Zeilen nicht so locker aus den Fingern tippen, wie ich mir das erhofft habe. Jeder Ansatz zerschellte am Argument der Generalisierung. Ich werde daher Einzelbeispiele aneinander reihen, wie Perlen an eine Schnur, und hoffe, dass man am Ende die Kette erkennen kann.

Die traditionelle Abaya in den UAE besteht aus einem langen Mantel mit Armen, einem Kopftuch, welches Haare und Nacken verdeckt, und einer Gesichtsmaske aus Gold oder Leder. In Dubai sieht man nur wenige, meist ältere, Frauen in dieser Kleidung herumlaufen.

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Die modernen, jungen Frauen kann man – wie überall auf der Welt – in die etwas keckere und die etwas zurückhaltende Gruppe unterteilen. Unter den traditionelleren gibt es vor allem bei der Kopfverhüllung Unterschiede: Am witzigsten finde ich die Ninja-Binde (das Tuch, welches das Gesicht verdeckt, wird sichtbar hinten am Kopf zusammengebunden). Eleganter ist da schon die Art, bei die Verschnürung unter dem Kopftuch versteckt ist. Ganz wie aus 1001 Nacht ist das feine Tuch, welches einfach lose über den Kopf drapiert ist. Meistens fehlt das Gesichtstuch aber sowieso – nicht aber das Kopftuch.

Beim Kopftuch ist es auch so seine Sache. Eigentlich sollte es den Haaransatz verdecken und den Hals. Doch es gehört zu den hohen Künsten des Frau seins, mit der Verhüllung zu enthüllen – und manche junge Dame ist sich ihrer Verführungskünste wehr wohl bewusst: Hier eine Haarsträne die keck herunterfällt, dort ein bisschen Nacken zeigen, den Schleier elegant verrutschen lassen, ...

Die Abaya ist vorne bisweilen offen. Der Schnitt macht’s möglich, dass Körperfiguren betont werden oder bei jedem Schritt sich die Abaya öffnet und die eleganten oder frechen Kleider zeigt – natürlich völlig zufällig. Obwohl die Abaya prinzipiell schwarz ist, ist sie äusserst variantenreich in Applikationen und Webmustern. Weit verbreitet sind auch sichtbare Logos von Luxusgütermarken. So wie ich die Abaya einschätze, ist sie für die weltoffene, jüngere Generation eine kulturelle Ausdrucksweise, quasi zu sagen: „Ich bin Emirati.“ (Wenn man 80% und mehr Ausländer hat, ist das erhalten der eigenen Kultur nicht so leicht.) Für traditionellere Frauen ist sie sicher auch ein religiöses Aussage.


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Eine Situation, die ich nicht mehr einordnen kann, ist, wenn ein Arabisches Pärchen daherkommt, er ganz Amerikanisch in kurzen Hosen und engem T-Shirt und sie bis zum Augenschlitz verhüllt im schwarzen Tüll.

Und noch eine Kuriosität: Als ich einmal bei einem ehemaliger Kunde von mir mit einer lokalen Betriebskultur vorstellig wurde, sass hinter dem Empfang eine komplett verhüllte Frau – auch die Hände waren in schwarzen Handschuhen versteckt. Ich wusste im ersten Moment echt nicht, was ich vor mir hatte und wie ich mit dem Ding kommunizieren sollte.

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Zum Schluss noch dies: Alle Frauen, die ich kenne, bestimmen selbst, was sie tragen und was nicht. Bei weitem nicht jede Einheimische trägt eine Abaya. Selbstverständlich haben alle Menschen gewisse kulturelle Zwänge in Bezug auf Kleidung – auch ich.



Zur Terminologie (wobei der Link auf Wikipedia verweist und geschrieben meine zum Teil abweichende Erklärung steht):

Abaya: langer, schwarzer Umhang mit Ärmeln, vorne offen (Verbreitung: Arabische Länder)
Burka: Tuch das vom Kopf über gesamten Körper fällt (Verbreitung: Persien) oder Bezeichnung für die Gesichtsmaske - hier eine ganz spezielle Burka, welche es nur in Minab, Südiran gibt:
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Tschador: Tuch das vom Kopf über gesamten Körper fällt (Afghanistan, Pakistan)
Hijab: Kopftuch in allen Varianten

Palmen in Dubai

[Architektur]
Das städtplanerische Kapitel Palmen möchte ich noch nicht abgeschlossen wissen. Es gibt noch ein paar Anekdoten, die ich gerne loswerde:

Bevor man im grossen Stil die Topographie vor der Küste über den Haufen geworfen hat, beauftragte man Spezialisten, Umweltverträglichkeits- und Machbarkeitsstudien durchzuführen. Interessanter weise fehlten die Namen der kritischen Stimmen im weiteren Projektverlauf. Wohl haben nur die Nicker erkannt, dass es in der Studie mehr um Linientreue ging als um Wissenschaft. Ich kann aber die Auftragsgeber gut verstehen: Ist ein Projekt sehr visionär, kann beinahe jeder, der nicht an das Projekt glaubt, die Realisation verhindern (oder zumindest erheblich erschweren). Und wie man sieht, stehen die Palmen nun.

Tja, stehen sie denn wirklich, diese Palmen. Es gab einmal ein Rauschen im Blätterwald, dass sich das Gelände bis zu zwei Metern gesenkt hätte. Nachmals so viel und man kann ins Haus schwimmen! (Atlantis lässt grüssen.) Nun hört man aber nichts mehr davon – entweder wegen der effizienten Informationspolizei oder weil’s eine Zeitungsente war.

Dass beispielsweise die Jumeirah Palme schon etwas mehr als ein urbaner Scherz ist, kann man an der Russian Beach (Jumeirah) erleben: Gleich tonnenweise schaufelt die natürliche Wasserstömung den Sand weg. Eiligst wird nun ein künstlicher Damm errichtet, um Neptuns Tun entgegen zu wirken. Auf der anderen Seite der Palme Jumeirah, bei der Dubai Marina, versandet hingegen die Küstenregion. Nicht schlecht, kann man sich sagen, denn dort sollen noch einige Landgewinnungsprojekte verfolgt werden.

Der Meeresflora und –Fauna kann die ganze Bauerei nicht viel anhaben. Ich war zweimal in dieser Gegend am Tauchen. Abgesehen von leeren Plastiksäcken und Sonnenöl verschmierter Touristen schwimmt nicht viel herum – wenigstens nicht in den ersten fünfzig Zentimeter vor meinen Augen – den aufgewirbelten Sedimenten sei dank. Dies soll sich aber ändern. Wie für die Lungenkreaturen thematisierte Welten angelegt werden, kriegen auch die Kiemen-Viecher ihr Disneyland: Barrier Reef soll der Unterwasserfreizeitpark heissen. Ob die bunten Tierchen ebenso so zahlreich vorhanden sein werden wie am Originalschauplatz oder an der Ostküste von den Emiraten (Indischer Ozean), darf bezweifelt werden. Ich hoffe nur, dass ich, erst nachdem ich die Tauchflasche erhalten habe, für die Attraktionen Schlange schwimmen muss, sonst geht mir dann nicht nur die Geduld sondern auch die Luft aus!

Palmen und Welten in Dubai

[Architektur]
... oder Think BIG

Dubai scheint mit seinen Projekten eine eigene Kategorie der Dimensionen geschaffen zu haben. Heute will ich 'mal zeigen, was da so abgeht an der Küste der Arabischen Halbinsel. Ich selbst habe mir noch kein abschliessendes Urteil gebildet, und meine nachfolgenden Kommentare sind ein Sammelsurium an geistigen Sternschnuppen.

Jeder kennt die Palme Jumeirah. In der ganzen Welt wurde schon Bericht erstattet über dieses „achte“ Weltwunder. Man soll diese Sandkastenarbeit sogar vom Mond aus sehen können (aber wer ist schon dort, um das zu bestätigen). Aus städteplanerischer Sicht finde ich dieses Projekt genial. Es ist ein Novum und hat alleine deshalb schon Existenzberechtigung (wenigstens für mich, der sich schnell für die Realisation von abgefahrenen Ideen begeistern lässt). Dass das Projekt auf mehreren Ebenen genial ist, beeindruckt mich besonders:

1) Die Städtebautechnik ins Meer hinaus zu bauen – bereits in Venedig ausprobiert – wurde neu interpretiert und mit den heutigen Mitteln (und Dimensionen) umgesetzt.

2) Die Städtestruktur ist zwar äusserst formal und scheint mehr mit den graphischen Überlegungen eines Baron Haussmanns des 19. Jahrhunderts übereinzustimmen. Die etwas triviale Formwahl hat aber einen hohen Konnotationseffekt und Bezug zu Dubai und zwar nicht nur für die deformierten Architektur Intelligenzija.

3) Der Wirtschaftwissenschaftler Fred Hirsch ist eines besseren belehrt worden: Er beschrieb in seinem Buch Die sozialen Grenzen des Wachstums „positionelle Güter“ als jene, bei denen die Wahrscheinlichkeit, dass jemand in ihren Besitz gelangt, von seiner Position in der Gesellschaft abhängt. Egal, über wie viele Mittel er verfügt, wenn jemand mindestens genauso viel hat, sind seine Chancen, in den Genuss dieser positionellen Güter zu kommen, gering. Sein Paradebeispiel für ein positionelles Gut ist der Privatstrand. Tja, und hier hat unser ehrenwerter Sheikh ihn eines besseren belehrt: Palme 1, 2 und 3 haben die Küstenlinie Dubais um den fabulösen Faktor 200 verlängert. Nun kann sich also Hinz und Kunz am Privatstrand tummeln. Und da sie dazu den Preis eines echten positionellen Gutes bezahlten, klingelt’s in der Kaffeekasse unseres Meisters.

4) Der Vision Dubais wurde ein Gesicht gegeben, eines das alle sehen können und an das alle glauben können (da sie es sehen). Dies ist ein Aufhänger, dass auch andere Phantasien realisierbar sind.

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Dass die Sheikhschen Zuflüsterer dann aber so einfältig waren, die städteplanerische Idee der Palme Jumeirah ökonomisch zu optimieren – sprich zu vergrössern – und einfach nochmals in Jebel Ali und Deira zu bauen, grenzt an unverzeihbaren Dilettantismus (allerdings von der unverzeihbaren Seite her). Die Proportionen der Jebel Ali Palme mögen noch harmonisch sein, jene der Deira Palme scheinen aber in Dolly Buster weise ausgeartet zu sein. Die Geometrie der Palme ist so verzehrt, dass sie mehr dem lebenden Fossil eines Pfeilschwanzkrebses gleicht als einer Palme. (Offen gestanden bin ich aber am meisten auf die Deira Palme gespannt: Das Verkehrschaos in Deira Dubai ist heute schon so gross, dass der klinische Tod nur noch eine Sensenlänge entfernt ist. Was für Lösungen werden die Sheikhs dagegen aus der Gutrah zaubern?)

Dass eine vierte Palme dann doch zuviel des guten wäre, hat dann auch den fantasielosesten Köpfen eingeleuchtet. Schnell hat sich die Weltkarte als ideales Sujet ergeben. Der Werbeslogan ist genial – und gefällt mir am besten am ganzen Projekt: The Palm puts Dubai on the map, the World puts the map on Dubai. Nun kann sich Hinz und Kunz auch noch eine Privatinsel kaufen! (Die Herren sollten sich aber bewusst sein, dass der tägliche Arbeitsweg einen Bootsschein und einen Bootsplatz am Festland benötigt – und die sind und bleiben positionelle Güter!)

Und hier die Übersicht über alle erwähnten Projekte im Meer. Es gibt noch einige im Landesinneren. Dazu später mehr.

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PS: Wer glaubt, dass nun Schluss sei, der mag sich vielleicht irren. Es gibt noch ein bisschen Wasser vor Dubais Küste – da könnte man doch …

PPS: Die Gutrah ist die traditionelle Arabische Kopfbedeckung: ein quadratisches Tuch zu einem Dreieck gefaltet.

Religiöse Karikatur

[Kultur]
Eine Karikatur oder ein Video, welches die religiösen Gefühle der Muslime missachtet – déjà-vu?

Letztes Wochenende war ich also in Teheran Freunde besuchen. Als sie mich fragten, was ich gerne unternehmen würde, erinnerte ich mich an den Holocaust Cartoon Wettbewerb, welcher als Reaktion auf die Karikatur des Propheten Mohammed ausgeschrieben wurde. Ich wollte mir das anschauen... Keiner meiner Freunde wusste aber, wo die Ausstellung war. Nach langem Herumtelefonieren wurden wir ans Aussenministerium verwiesen. Am Empfang vom Aussenministerium hatte keiner von einer solchen Ausstellung gehört. Wir wurden weiter geleitet, an eine andere Abteilung. Auch dort wusste niemand etwas von Holocaust Karikaturen. Man telefonierte herum. Endlich einer, der Auskunft geben konnte: die Ausstellung ist vorbei – seit einem Monat. Man war äusserst erstaunt, dass sich noch jemand dafür interessiert, zumal die Veranstaltung bereits vor Wochen endete. Weiter erfuhr ich, dass die Ausstellung zwar im Aussenministerium statt fand, jedoch in einem Ableger am Stadtrand. Sie wurde nicht vom Aussenministerium organisiert, sondern von einer lokalen Zeitung. Wollte ich mehr Informationen, müsste ich mich an die Zeitung wenden, hiess es. Ich beliess es. Es schien sowieso so, dass sich niemand im Iran dafür interessiert hat – und warum sollte ich mich dann dafür interessieren...

Ich mag kein Kenner der Persischen Geschichte und Politik sein, aber ich bin schon etliche male in das Land gereist. Land und Leute faszinieren mich. Die Diskrepanz zwischen dem Bild in den internationalen Medien und vor Ort ist enorm – die Diskrepanz zwischen offizieller Meinung und der Meinung der Leute in den Strassen auch. Dass erstere Diskrepanz besteht, ist dem wirtschaftlichen Grössenwahn und der populistischen Einfältigkeit / Ignoranz einiger Einflussreichen Machthaber im Westen zuzuschreiben, dass letztere Diskrepanz besteht, führe ich auf politische Machtgelüste und kulturell-religiöse Lähmung der Iranischen Regierung zurück.

Shakespeare hat es richtig erkannt: nothing is either good or bad but thinking makes it so. (Der Blickwinkel entscheidet, ob etwas gut oder schlecht ist.)

Mein Iran sieht so aus:

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Ich wünsche mir, dass sich die Menschen allgemein mehr Zeit nehmen, andere zu verstehen und zu akzeptieren, dass es auch andere Ansichten gibt – mit derselben Existenzberechtigung wie die eigene.

Teheran, Iran

[Architektur]
Mein letztes Wochenende verbrachte ich bei Freunden in Teheran. Iran hat mich wegen seinem kulturellen Reichtum, seinen warmherzigen Menschen und seiner vielfältigen Natur seit meinem ersten Besuch in seinen Bann gezogen.

Schaut man sich zum Beispiel die Architektur an – meine Existenzberechtigung auf diesem Blog beruht ja darauf – stellt man fest, wie einfallsreich die Iranische Bauweise ist – und zwar unabhängig von der Epoche. Ein innovativer Gestaltungswille ist sogar in ökonomisch wie politisch widrigen Zeiten wie der Gegenwart klar vorhanden.

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Was mir in Iran auch gefällt, ist jene urbane Struktur, welche Nischen bereit stellt quasi als Nistplätze für städtische Aktivitäten generierendes Leben. Man findet dieses Prinzip in allen dynamischen Kulturen, das heisst Kulturen welche nicht durch Regelwerke und Gesetze der natürlichen Dynamik beraubt wurden. Interessanterweise finden man ähnliche städteplanerischen Ansätze auch in den heutigen Theorien – wenigstens wenn sie von innovativen und sozial sensibleren Köpfen kommen.

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Inventioneering Architecture

[Architektur]
„Inventioneering Architecture“ heisst die Ausstellung der Schweizer Architekturhochschulen, welche zurzeit um die Welt geht. Momentan hält sie einen Zwischenstopp in den Vereinigten Arabischen Emiraten, an der American University in Sharjah. Anschliessend soll’s nach Shanghai und Tokyo weiter gehen, wenn ich richtig informiert bin. Dann gibt’s vielleicht von dort auch einen Blogeintrag.

Leider hatte ich noch keine Gelegenheit, an einem der Vorträge teilzunehmen. Vielleicht schaffe ich das noch. Die Ausstellung habe ich jedoch besucht und fand sie äusserst erfrischend (müssen die sonst durch Abwesenheit glänzenden Heimatgefühle sein): Die Vielfalt der Architekturansätze, das nebeneinander her und gegenseitige befruchten von Ideen kommt gut heraus. Mir gefiel auch die taktile Interaktivität, mit dem begehbaren Podium, den Büchern auf biegsamen Stelzen, einem Entwurfslaufband oder den Hörproben zu den Videoprojekten.

Mir wurde erklärt, dass die Ausstellung hätte linear angeordnet sein sollen und in er Hauptaula. Nun ist sie im Innenhof der Architekturabteilung in Z-Formierung aufgebaut. In den Bruchstellen wurden Lesemajlis oder Sofaecken eingerichtet und bieten den Studierenden gleich neben ihrem Arbeitsplatz Gelegenheit entspannend in der intellektuellen Alpenwelt zu schnüffeln.


Die anwesenden Studenten nach ihren Meinungen bezüglich der ausgestellten Arbeiten gefragt, war ein durchweg positives Echo zu entnehmen. Die meisten waren beeindruckt ob der Qualität und dem Ideenreichtum (eine Schweizer Ideenoase?). Ob die Begeisterung echt war oder nicht, weiss ich nicht. Da ich als Jurymitglied regelmässig an dieser Uni bin und auch meine Schweizer Nationalität bekannt ist, könnte so mancher Kommentar strategisch verfärbt sein. Aber im Sinne von „in dubio pro reo“, glaube ich, dass die künftige, Arabische Architekturavantgarde ebenso viel Imagineering aus dem Swiss Inventioneering mitgenommen hat wie ich. – Hut ab, gut gemacht!
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qef halik?

[Kultur]
Meine Arabisch Kenntnisse sind erbärmlich. Trotz drei Sprachkursen reicht mein Wortschatz gerade mal für eine Begrüssung, zum Wasserpfeife bestellen und zum Feilschen (wobei mir hier eher meine Gestik als meine Sprachkenntnisse helfen). Man sollte meinen, dass das schon ein kleiner Erfolg ist. Ist es auch. Nur, meine Aussprache ist meist so mangelhaft, dass mein Gegenüber nichts versteht, es sei denn ich benutze die allgegenwärtigen Floskeln oder zeige mit dem Finger noch auf die Speisekarte.

Dass ich nicht besser Arabisch spreche liegt zum einen an meinem Flair für Fremdsprachen, zum anderen, dass jeder in Dubai Englisch redet … oder Hindi! Ich kriege somit keine Gelegenheit, meine paar Brocken Arabisch auszuwerfen.

Trotzdem werde ich wieder Arabischklassen besuchen, sozusagen als kulturelle Auseinandersetzung mit der neuen Heimat (schliesslich möchte ich nicht als imperialistische Dampfwalze gelten). Ein guter Freund von mir, selbst Einheimischer, meinte jedoch, ich solle meine Zeit nicht mit Arabisch lernen vergeuden. Ob er noch jemanden sucht zum Shishah (Wasserpfeife) rauchen?

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