|  2006-11-29
Von André Meyerhans @ 06:41 Lust sich in den UAE zu verlieren? Den Leuten hier in Dubai rate ich, ohne GPS in der Wüste des Empty Quarter herumzukurven (einfach von der Liwa Oase her Richtung Mekka fahren). Den Leuten in Europa rate ich, ins Dubaischen Datenmeer einzutauchen. Ob untenstehende Angaben Schwimmhilfen sind oder virtuelle Kaps der Guten Hoffnung, muss man selbst entscheiden. Viel Spass!
Sammelsurium an Diskussionsforen über Bauprojekte in Dubai
Fotos von Dubai
Blog aus Dubai mit spitzer Zunge in Englisch – absolut lesenswert!
Etwas weniger scharfer Blog – auch in Englisch
Ein Lokaler, der kein Blatt vor den Mund nimmt! (in Englisch)
Auch nicht schlecht2006-11-25
Von André Meyerhans @ 15:09 Es sei zuerst vermerkt, dass die Nummerierung im Titel nur auf die Berichte im Blog anspielt und nicht auf die eigentliche Zahl meiner Besuche in Muscat oder gar Oman.
Wieder einmal mache ich eine Stippvisite bei Freunden, welche sich zurzeit im Oman aufhalten. Sie logieren im Chedi, einem Hotel, das häufig als Referenz für moderne Arabische Architektur herhalten muss. Die Formensprache ist reduziert – für Arabische Verhältnisse vielleicht sogar minimiert. Eine Asiatische Note hat sich hier und dort eingeschlichen – aber das darf ja so sein, im „global village.“ Ein wirklich harmonisches Ambiente, das einem im Chedi umgibt. Die verschiedenen Gebäudetrakte sind grosszügig verteilt, Wasserbecken mit Kaskaden kühlen die Nischen und sorgen für ein beruhigendes Plätschern als Hintergrundsmusik. Am interessantesten finde ich die Palmen, welche einem rigiden, orthogonalen Muster folgend, das ganze Gelände überdecken.
Al Bustan Palace International ist ein anderes 5sterne Hotel in Muskat. Alle Räume gliedern sich hier um einen imposanten Innenhof, der über alle Stockwerke geht. Die Aussenfassade nimmt Prinzipien der traditionellen Verschattung auf und setzt sie in einer Art und Weise um, die mich an Persische Architektur erinnert. Die Grösse der Überbauung und das kompakte Hauptvolumen lassen den Bau eher massig erscheinen. Trotzdem finde ich die Architektur authentischer und von einem theoretischen Hintergrund interessanter als das Chedi.
Ein drittes Beispiel möchte ich auch noch vorstellen: das Shangri-La. Ebenfalls ein Luxus-Ressort mit allen Annehmlichkeiten, die man sich vorstellen kann: Privatstrand, Temperatur kontrollierte Pools und eine Auswahl an Alkohol lizenzierten Restaurants. Die Anlage gliedert sich in drei Hauptgebäude, die alle miteinander verbunden sind. Hier findet man die absolut typischen Elemente der Arabischen Architektur: Mashrabias, Spitzbogen, Wasserspiele, Innenhöfe, axiale Ausrichtungen, geometrische Graphiken, ... Trotz aller Schönheit empfinde ich einen schalen Geschmack. Es würde mich nicht wundern, wenn ein „Commercial Architect“ auf der anderen Seite des Erdballs von den Betreibern eine Definition von Omanischer Architektur erhalten und gemäss dieser in eklektizistischer Manier seinen Entwurf zusammengeschustert hat.
Gleich neben dem Shangri-La werden zurzeit Felsen gesprengt. Unser Sheikh aus Dubai gedenkt in einer der nächsten Lagunen ein Hotel zu errichten. Nun braucht er eine Strasse. Obwohl dieses Projekt dem Burj Al Arab in keiner Weise nachstehen soll, kann ich mir kaum vorstellen, dass dessen Sterne heller leuchten werden als jene am Omanischen Nachthimmel. 2006-11-23
Von André Meyerhans @ 23:42 Soeben habe ich mein Email aufgemacht und einen Kommentar gesehen, den ich gerne als Blogeintrag beantworten möchte.
„… Da ich mich sehr für eine Arbeitsstelle in Dubai interessiere, sind Sie - so hoffe ich - die richtige Person, die mir weiterhelfen und einige Fragen beantworten kann.“
Dubai ist ein boomendes Pflaster. Es ist aufregend hier zu sein aber man muss sich auch bewusst sein, dass nicht alles Gold ist, was glänzt (und auch nicht alles Öl, was schwarz und flüssig ist). Für mich war es die richtige Entscheidung, hierher zu kommen; ich hoffe, so wird es auch für alle anderen sein, welche sich zu diesem Schritt durchringen.
Im Prinzip gibt es drei Wege, einen Job zu kriegen in Dubai
1) man kommt hierher mit Lebenslauf und Portfolio und verteilt diese dann in den Büros. Man soll sich keine Illusionen machen, das machen tausende andere auch. Als Schweizer hat man den Vorteil, dass der Personalverantwortliche wohl nicht mehr als einmal im Jahr von einem Helvetier belästigt wird. Man sticht also schon wegen der Nationalität aus dem Haufen ´raus. Trotzdem muss man unerbittlich um sein Vorstellungsgespräch kämpfen. Ich kenne Leute, die sind unvorbereitet nach Dubai gekommen und haben innerhalb von drei Wochen einen Job gefunden. Ich kenne aber auch andere Beispiele, wo die betreffende Person nach drei Monaten unverrichteter Dinge wieder nach Hause gegangen ist. Ich selbst habe schon vor meiner Abreise nach Dubai etliche Vorstellungstermine vereinbart gehabt. Ich bin dann auch wieder in die Schweiz zurückgegangen und habe gewartet, bis mein Arbeitsvisum bereit war. Andere sind einfach in Dubai geblieben, obwohl dies nicht ganz legal ist. (Sich in Grauzonen bewegen, ist nicht eines Schweizers Stärke, so denke ich.)
2) Man sendet seinen CV zu einem internationalen Stellenvermittlungsbüro und wartet bis einem etwas auf dem Tablett serviert wird. Dies ist vor allem dann eine Möglichkeit, wenn man ein bisschen mehr Erfahrung besitzt, auch schon mal im Ausland gearbeitet hat und bereit ist, auch in andere Länder zu gehen. Auch auf diesem Weg kann man mehr oder weniger Glück haben: ´mal dauert’s nur Wochen, ´mal dauert’s Monate (meistens natürlich Monate).
3) Man suche eine Firma im eigenen Land, welche eine Niederlassung in Dubai hat, klopft bei denen an und lässt sich gleich oder ein Jahr später transferieren. Dies ist wohl der sicherste, einfachste und der wirtschaftlich lukrativste Weg. Ein interessanter Kontakt könnte das Swiss Business Council sein. Viele Schweizer Firmen sind da vertreten. Das Schweizer Generalkonsulat sollte ebenfalls eine Liste der ansässigen Schweizer Betrieben haben.
Noch eine Kleinigkeit: Man soll sich vorher über die Kosten im Klaren sein, wenn man ins Ausland abrauscht. Der Bund hat Merkblätter dazu herausgebracht. Interessant kann der Lebenskostenvergleich sein, den die UBS regelmässig herausgibt (Preise und Löhne rund um die Welt). Ganz wichtig für Dubai: die Mieten sind horrend und man muss sie drei, vier, sechs oder zwölf Monate im Voraus bezahlen. Auch ist die Stadt so angelegt, dass es äusserst ratsam ist, ein Auto zu besitzen.
Ich musste am Anfang jeden Dirham umdrehen; meine Wohnung habe ich einen Monat verspätet beziehen können (drei Tage bevor meine Eltern kamen); meine Grundausstattung (von Ikea drei Stunden bevor meine Eltern in Dubai landeten geliefert) wurde dank der grosszügigen Spende meiner Eltern aufgebessert (ich glaube, sie wollten einfach nicht auf dem Boden essen und schlafen – somit war’s eher Eigen- als Nächstenliebe) und mein Auto (einen VW Golf) konnte ich mir erst nach einigen Monaten leisten. Trotzdem, hat sich alles gelohnt! Ich bin jetzt hier und glücklich!
Und die letzte Bemerkung: Die Firmenkultur sollte nicht unterschätzt werden. Es kann sein, dass man als Schweizer so seine Mühe hat, für eine Arabische oder Indische Firma zu arbeiten…
Viel Glück!
PS: Die PDF Datei von "Preise und Löhne rund um die Welt" kann unter folgender Adresse heruntergeladen werden:
www.ubs.com/1/ShowMedia/ubs_ch/wealth_mgmt_ch/research?contentId=74351&name=PL_0105_d.pdf 2006-11-19
Von André Meyerhans @ 20:17 Sollte der Titel keinen Sinn ergeben, rate ich, neben diesem auch den vorangegangenen Text mit dem Titel "Big Ben" zu lesen.
Während einer Besprechung im Büro schweiften wir vom Thema ab und diskutierten über die grössten Verbrechen in Dubais Architekurlandschaft. Trotz meiner Schweizerischen Diplomatie und Neutralität – manche meiner Freunde meinen sowieso, dass mir diese völlig abhanden gekommen seien – verwies ich auf das Big Ben Projekt als das schrecklichste Gebäude das derzeit aus dem Boden schliesst. Wie üblich hätte ich meine Klappe halten sollen. Obwohl meinem Kommentar nickend aber schweigend zugestimmt wurde, machte man mich darauf aufmerksam, dass einer der bekanntesten Architekten im Arabischen Raum diesen Turm entworfen hat. Ich wusste das nicht.
Ich kannte aber seinen Namen und wusste daher wer er ist. Seine Nichte ist eine gute Freundin von mir. Sie ist ebenfalls Architektin aber mit einer städteplanerischen Ausrichtung. Sie studierte an der AA in London und hat einen Royal Academy Award für ihre Arbeit erhalten. Ihre Architekturauffassung und –Vorstellung sind sehr konzeptuell und eigenständig, einmalig und äusserst spannend. Hier zwei architektonische Interpretationen Dubais aus ihrer Hand. (Ich bin übrigens glücklicher Besitzer dieser Arbeiten.)
Um den Kreis zu schliessen um all die Bens:
Der Spruch meiner Mutter bewahrheitet sich hier: „I dä chlinschtä Gütterli steckt dä gröschti Geischt“ (In den kleinsten Flaschen steckt der grösste Geist). Obwohl Big Bens Big Ben an einer imposanten Lage in die Höhe wächst, würde ich Small Ben mit ihren Small Bens einiges mehr an architektonischem Geist zugestehen.
2006-11-15
Von André Meyerhans @ 19:02 Dank eines Emails wurde ich auf einen Artikel in Spiegel Online aufmerksam: Gastarbeiter in Dubai – Luxuswelt aus Sklavenhand. Absolut lesenswert. Nicht auslassen sollte man die Fotoserie, welche zum Text gehört.
Man merkt, dass auch die Leute hier diesem Thema gegenüber etwas sensibler werden. So konnte man in der Emirates Evening Post einen Artikel lesen, welcher den Titel trug: Arbeitgeber, welche das Gesetz brechen, müssen zur Verantwortung gezogen werden. (12 November 2006) Dabei ging es darum, dass Arbeiter auf dem Bau CHF 130.-- bis 300.-- im Monat verdienten, wobei das durchschnittliche Einkommen in den Emiraten bei umgerechnet CHF 2600.-- liegt. Meistens würden die Löhne erst Monate später ausbezahlt, wenn überhaupt. Weiter wird erwähnt, dass im Jahr 2004 880 Leichen von Bauarbeitern nach Indien, Pakistan und Bangladesh überführt wurden. Die von der örtlichen Regierung offiziell veröffentlichte Zahl an tödlichen Arbeitsunfällen ist aber 34! Ich befürchte, die Beamten im Statistischen Amt von Dubai sind noch kreativer als die Angestellten von Arthur Andersen.
Angesichts dieser erschreckenden Zustände sollte man sich fragen, was man dagegen tun kann: Sollte man nicht mehr nach Dubai gehen (Arbeits oder Ferien halber)? Sollte man die UAE boykottieren? Sollte man in Restaurants gutes Trinkgeld geben? Ich weiss es nicht. Sehr interessant finde ich hingegen den Ansatz meines Arbeitgebers: Alle unsere Bauunternehmen müssen gemäss Vertrag nachweisen, dass sie den Bauarbeitern die Löhne ausbezahlt haben, bevor wir eine Überweisung ans sie tätigen. Dass dies nichts mit sozialem oder menschlichem Denken zu tun hat sondern mit unternehmerischer Kalkulation – wir stellen dadurch sicher, dass auf unseren Baustellen keine Streiks statt finden – ist nebensächlich. Letztlich profitieren beide davon.
Hier noch die Empfehlungen, welche im Human Rights Watch Berichtes zu den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgelistet sind.
 2006-11-12
Von André Meyerhans @ 20:12 Schon lange wollte ich einmal über dieses Paradebeispiel an Dubaispezifischer Architektur schreiben. Bis anhin habe ich es sein lassen, da mir die Worte fehlten, über ein solches Verbrechen am guten Geschmack zu schreiben!
Big Ben ist ein Hochhaus an der Sheikh Zayed Road, welches sich formalistisch am Uhrturm des Parlaments in London anlehnt. Der Entwurf entstand wohl nach dem Konzept: Man fülle das legal, maximal erlaubte Volumen – eine kubische Form – mit rationalisierten Etagen und stülpe dann eine Fassade darüber, wie ein Mann sein Verhüterli. Das Aussen steht mit dem Innen in keinerlei Zusammenhang, und die Fassade hat weder einen ideologischen noch formalistischen Bezug zum neuen Umfeld. Zudem existiert keinerlei Verbindung zwischen Originalschauplatz und dem Ort der Kopie.
Dubai lebt ganz generell von thematisierten Lebensräumen. Dies liegt nicht alleine am Geschmack der Investoren und der Einheimischen. Es hat sich viel mehr gezeigt, dass die Endverbraucher auf solche Scheinwelten stehen. Ob sie dieses thematisierte Umfeld wirklich lieben, weil sie dadurch in einer realisierten Traumwelt leben können, oder ihr Vorstellungsvermögen nicht abstrakt genug ist, um Raum anhand eines Planes erfassen zu können, jedoch Konnotationen eines Schlagwortes zu dechiffrieren vermögen, bleibt eine offene Frage. Für die Marketingleute ist die themenspezifisches Bauen ideal: Sie können Immobilien anhand von stereotypisierten Bildern verkaufen. Der Käufer füllt die „Bildhülsen“ mit seinen ganz privaten Vorstellungen. Ein Standardprodukt wird so auf eine subjektive Art und Weise individualisiert.
Somit mag Big Ben aus verkaufstechnischer Sicht ein genialer Schachzug sein, aus der Sicht eines Architekten (ok, aus meiner ganz persönlichen Sicht) ist es ein Armutszeugnis (fast) ohne gleichen.
 2006-11-10
Von André Meyerhans @ 19:12 2006-11-08
Von André Meyerhans @ 11:57 INDEX (Interior Design Exhibition) findet vom 7. – 11. November 2006 im Exhibition Center in Dubai statt. Ich werde morgen oder übermorgen hingehen. Meine Begleitung wird diesen Besuch zu einem Erlebnis werden lassen. Sie ist eine wohl bekannte Innenarchitektin mit Referenzprojekten rund um den Globus. Wir haben eine sehr ähnliche Designvorstellung und lieben es darum, gemeinsam auf Ideenfang zu gehen. (Nicht weniger amüsant ist das Verhalten all jener Aussteller, welche einen guten Auftrag mit ihr wittern.) 2006-11-06
Von André Meyerhans @ 18:26 Vergangenes Wochenende besuchte ich Freunde aus der Schweiz in Muskat. Die Gegend um Muskat ist eine hüglig-zerklüftete Landschaft. Die Stadt mit ihren Agglomerationen ist ein weit verzweigtes, urbanes Netz, das sich wie eine kautschukartige Masse in die Niederungen der Topographie einbettet. Eine mehrspurige Autobahn, die Hauptverkehrsader, pflügt eine Schneise durch die sonst so dem menschlichen Massstab verschriebene Siedlungsstrukturen. Sie bringt das Leben von einem der taschenartig organisierten Quartiere zum nächsten. Ich liebe die Stadt!
In einer der übersichtlichen Lagunen befindet sich das historische Muskat mit dem Sultanpalast und den wichtigen Regierungsgebäuden. Ganz im Gegensatz zu mir, gefiel meinen Freunden der Palast nicht so. Ich glaube aber, das Gebäude hebt sich nicht nur städtebaulich standesgemäss von seinem Umfeld ab, sondern auch durch seine Formensprache und Organisation. Die Architektur ist einmalig in seiner Form und Komposition. Zudem ist eine eindeutige Zuordnung zur Omanischen Kultur möglich. Für mich ist der Sultanspalast ein gutes Beispiel wie die Grenzen einer kulturell definierten Formensprache ausgelotet werden.
In der übernächsten Lagune befindet sich Mutrah. Mutrah ist ein Hafenstädtchen mit einer kontinuierlichen Fassade entlang der gesamten Corniche. Einige der Häuser haben Balkone, andere gar Terrassen – trotz der Vielfalt bleibt die Einheit erhalten. Auch die Moschee mit der Koranschule gliedert sich in die Reihe ein. Neben dem Minarett gräbt sich der Souq wie eine Wurzel quer zur Wasserfront in die Stadt hinein. Gerne lasse ich mich durch dieses Gewühl treiben, lasse mich von den Gerüchen ebenso einlullen wie vom Gesäusel der eifrigen Händler. (Die Omanis sind übrigens auch im Souq überaus freundlich und überhaupt nicht aufdringlich.) Sollten mich dann meine Kräfte verlassen, erhole ich mich auf einem der Plastickhocker in einem der Läden (meistens shoppen meine Gäste ausdauernder als ich) oder in einem der kleinen Getränkestände.
Oman wird in letzter Zeit aufgerüstet für den Tourismus. Auch der Souq in Mutrah hat seine Schönheitsoperation erhalten. Die Renovation ist sehr gelungen. Trotzdem hat mit der ursprüngliche Markt besser gefallen, als Tücher über die Gassen gespannt und der festgetretene Boden bisweilen von Wasser wieder aufgeweicht wurde. Bin ich nun ein verwirrter Romantiker, welcher den idealisierten Stereotypen mit Authentizität verwechselt oder bin ich nur ein Chaot, welcher Improvisation Planung vorzieht?
 2006-11-01
Von André Meyerhans @ 21:48 Die Frauenklamotten hatten wir ja schon einmal, nun ´mal ´was zu den traditionellen Verhüllungen des starken Geschlechtes... Dishdash wird das weisse, Nachthemd artige Ding genannt womit die Wüstensöhne weniger einem Engel als Mani Matters Hippigschpaengschtli gleichen. Zu meinem Amüsement tragen dabei die Spannfalten bei, welche sich entlang des Wohlstandbäuchleins ziehen und von dessen Höhe der Stoff wie ein Tischtuch bis zu den Knöcheln fällt. Die religiösen Herren tragen übrigens eine Hochsee-Kutte, nicht etwa um mit ihren haarigen Fesseln jegliche Sexgelüste der Frauen abzutöten, sondern weil der Prophet Mohammed seine Dishdash kurz getragen haben soll. Eine lange Dishdash war damals ein Zeichen für Reichtum und Snobismus, wird behauptet.
Die Kragenform sagt einiges aus über die Herkunft des Trägers. Mir fallen die Unterschiede auf, aber zuordnen kann ich den Dresscode noch keiner Kultur. Ich interessiere mich wohl zuwenig dafür. Interessant sind hingegen die Arabischen Krawatten, welche als geflochtener Bändel aus den Kragenlosen Dishdashes hängen. Dass dies eine Krawatte sein könnte, ist mir am Anfang bei all meiner Phantasie nicht im Traum in den Sinn gekommen. Ich habe auf einen Mechanismus getippt, an dem man ziehen kann, damit die Kutte hoch geht, und Mann pinkeln kann.
Die Frauen tragen unter der Abaya Klamotten, was tragen denn die Männer drunter? Dies wusste ich lange nicht, und habe ich mich auch nicht getraut zu fragen. Nun weiss ich’s und muss den hoffnungsvollen Frauen anraten, ihr Flugticket nach Schottland nicht mit einem nach Dubai auszutauschen. Je nach Kulturkreis – vielleicht könnt’ man’s am Kragen ablesen – tragen die Herren Shorts, Pluderhosen oder ein Wickeltuch darunter.
Auf dem Kopf tragen die Herren der Schöpfung erst ein gehäkeltes Käppi (bin mir sicher, dass die St. Galler Stickereien hier einen enormen Absatz haben könnten). Drüber wird die Gutrah drapiert, ein rechteckiges Tuch, welches diagonal gefaltet wird. In dieser Gegend sind sie oft weiss, manchmal rot/weiss kartiert. Mit der Agal (nehme mal an, dass das Ding weiblich ist), dem schwarzen Strick, wird das Ganze auf dem Haupt fixiert. Die Agal ist eine Doppelschlinge und wurde ursprünglich den Kamelen während der Nacht um die Füsse gelegt, damit sie nicht wegliefen.
Dishdash und Gutrah können irgendeine Farbe haben. Üblich ist weiss. Beige und schwarz sieht man selten. Marineblau habe ich nur einmal gesehen.
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