|  2006-12-19
Von André Meyerhans @ 21:17 2006-12-18
Von André Meyerhans @ 15:55 Dubai scheint bisweilen aus Stereotypen zu existieren. Vor allem Touristen lieben das Dubai bestehend aus sonnigem Strand, endlosem Shoppen, Wüstensafari und deftigen Drinks in einer der ultra-chicen Bars. (Ich könnte mir sogar vorstellen, dass Dubais konsequentes Erfüllen und Er- oder Bearbeiten eben dieser Stereotypen den (touristischen) Erfolg ausmacht.) Damit meine Gäste eine andere Seite der Stadt erleben, mache ich mit ihnen meistens folgende Tour:
Die Bastakiya Gegend ist der historische Kern am Dubai Creek. Die Siedlung ist zum grössten Teil renoviert, nur wenige Gebäude haben ihr Facelifting noch vor sich. Hier kann man die ursprüngliche, Arabische Formation erleben, mit gewundenen Wegen und engen Gassen, wenigen Fenster nach aussen und lauschigen Innenhöfen. Die Windtürme sind ein besonderes Markenzeichen dieser Gegend. Es sind quadratische Türme; die diagonale Unterteilung fängt auf Deckenhöhe an und reicht zum oberen Ende des Turmes. Windtürme lenken somit jedes noch so kleine Lüftchen – egal woher es kommt – in die unteren Wohnräume. Gleichzeitig entsteht auf der dem Wind abgerichteten Seite ein Unterdruck, welcher die verbrauchte Luft aus dem Raum zieht. Eine traditionelle Klimaanlage mit Null Stromverbrauch!
Wenn man so durch die Gassen schlendert, trifft man ab und zu auf eine Türe, die offen steht. Eintreten ist dort erlaubt, denn es sind Galerien und Kaffeehäuser. (Interessant ist das XVA und das Basta Art Cafe, um nur zwei zu nennen.) Die ursprüngliche Gelassenheit eines Arabischen Hofhauses geniessen und mich dazu kulinarisch verwöhnen lassen, das habe ich mir hier trotz der touristischen Preise angewöhnt.
Frisch gestärkt kann’s dann weiter gehen.
 2006-12-14
Von André Meyerhans @ 22:09 Gestern bin ich wieder einmal von Teheran zurückgekommen. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, einen der Paläste des Schahs vorzustellen.
Hier noch ein bisschen Iranische Geschichtskunde:
Reza Schah der Grosse (1925-1941)
Machtübernahme des Generals nach Putsch. Der Schah modernisiert das Land (Rechtssystem, Transport, Militär, Bildungswesen). Politische und ökonomische Interessen werden vor allem von den Briten verfolgt. 1941 marschieren die Russen, die Amerikaner und die Briten in Iran ein. Der Abzug erfolgt nur zögerlich: Die Russen machen ideologische Interessen in Norden geltend, die Briten interessiert das Öl im Süden.
Mohammad Reza Schah (1941-1979)
Weitere Ausbeute der Ölfelder durch die Briten, was zur Annäherung zwischen Iran und den USA führt. Iran verstaatlicht die Ölfelder, worauf die Briten eine Wirtschaftsblockade verhängen und den Iran an den Rand der Existenz bringen. Die Briten unterstützen die kommunistische Partei Irans zwecks Destabilisierung. Die USA leiteten (ideologisch/ökonomisch motiviert) einen Militärputsch ein, setzen die demokratisch gewählte Regierung ab und den Schah wieder ein, welcher zuvor geflohen ist. Seine Abhängigkeit den Grossmächten gegenüber und seine Machtgier liefern den Nährboden für die Revolution.
Islamische Revolution und Ajatollah Khomeini (1979-)
John Perkins hat in seinem Buch „Bekenntnisse eines Economic Hit Man – Unterwegs im Dienst der Wirtschaftsmafia“ (erschienen im Riemann Verlag) über die externen wie internen Machenschaften in Iran während der Zeit des Schahs geschrieben. Hier ein Auszug:
Der Iran besass grosse Ölvorkommen und musste – wie Saudi Arabien – keine Kredite aufnehmen, um seine ehrgeizigen Projekte zu finanzieren. Allerdings unterschied sich der Iran erheblich von Saudi Arabien, weil die zahlreichen Einwohner des Landes zwar überwiegend muslimisch, aber nicht arabisch waren. Das Land blickte ausserdem auf eine lange Geschichte politischer Unruhen zurück, sowohl intern als auch in seinen Beziehungen zu den Nachbarländern. Daher wählten wir im Iran einen anderen Ansatz: Washington und die Geschäftsleute taten sich zusammen, um aus dem Schah ein Symbol des Fortschritts zu machen. (Seite 191)
Docs Prognose erfüllte sich. MAIN verlor wie viele andere Konkurrenten Millionen Dollar im Iran. Carter wurde nicht wieder gewählt. Die Reagan-Bush-Regierung hielt in Washington Einzug und versprach, die Geiseln zu befreien, die Mullahs zu stürzen, die Demokratie im Iran wiederherzustellen und den Vertrag über den Panamakanal neu zu regeln. (Seite 207)
Es sei bemerkt, dass Persien nicht Arabien ist, es jedoch ähnliche Vorkommnisse in den Arabischen Ländern gibt. Die Auswirkungen werden uns täglich in den Medien serviert - je nach Position eben dieser in grün oder rot.
 2006-12-12
Von André Meyerhans @ 05:00 Ich traute meinen Augen nicht, als ich Anfang Monat die Sheikh Zayed Road runter fuhr: Eines meiner Lieblingsgebäude, das World Trade Center, wurde verhüllt! Wird das Gebäude renoviert? Dient das Riesenportrait zur Huldigung einer Führungspersönlichkeit zum Nationalfeiertag? Wirbt die Staatspost für eine neue Marke (würden auch besser die Tarife senken, als den Gewinn so zum Fenster ´rauszuschmeissen)?
Ich entschied, dass es sich um einen künstlerischen Akt mit sozialkritischem Hintergrund handeln müsse und dass sich das Kunstwerk mit der Frage der Kleidervorschriften im Islam auseinandersetze. Wie das? Das World Trade Center ist ein überaus schönes und selbstbewusstes Hochhaus. Es zeigt in geschickter weise, wie man gewisse klimatische Gegebenheiten mit architektonischen Mitteln lösen, wie man dank städtebaulicher Positionierung und Formensprache ein Orientierungspunkt im Stadtgewirr schaffen und wie qualitativ hochwertige Architektur aussehen kann. Die unzähligen Produkte, welche von Investoren in die Welt gesetzt werden, stehen buchstäblich im Schatten dieser Grazie (eigentlich ist es zwar eine alte Lady, denn das World Trade Center ist das erste Hochhaus Dubais und hat es deswegen auch auf die 100Dirham Note geschafft). Was also, wenn man einfach alles verfüllt, was Mann in den Schatten stellt; was den Investor vom einzigen, legitimen Fokus, dem aufs Geld, zu anderen Gedanken (ver)führen könnte; was den Mut hat, eigenständig durchs Leben zu gehen? In diesem Sinne fand ich die Aktion „Abaya für aufreizende Gebäude“ echt gelungen.
Jetzt hat das World Trade Center die Abaya wieder abgeschüttelt. Ob das auch ein Teil der Kunst ist und ein Zeichen für all jene sein soll, welche unter einem Verhüllungszwang zu leiden haben?
PS: Vielleicht haben auch die verschiedenen Botschaften im Trade Center (darunter die Schweizer und die Amerikanische) Sicherheitsbedenken geäussert… 2006-12-07
Von André Meyerhans @ 16:18 Cityscape Dubai hat seine Tore wieder geschlossen. Wie bei einem Adventskalender öffnet sich jedoch bald das nächste Türchen: Die findigen Unternehmer vermarkten nun dasselbe Konzept in Abu Dhabi, Indien, China und Asien – und alles unter dem Deckmantel von Cityscape.
Der Spuk in Dubai ist nun wie gesagt vorbei. Was nehme ich mit? Ich werde mein Augenmerk vermehrt auf Abu Dhabi und Saudi Arabien richten. Diese Regionen präsentierten jene Projekte, welche meine architektonischen Geschmacksnerven am meisten stimuliert haben (positiv wie negativ). In beiden Gegenden werden enorme Investitionen getätigt, die vielleicht nicht so laut angepriesen werden wie jene in Dubai, aber diesen in nichts nachstehen. Zudem scheint den Projekten eine gewisse gestalterische Eigenständigkeit innezuwohnen, welche denjenigen in Dubai durch allzu konsequente ökonomische Vorgehensweisen abhanden gekommen ist (sollte sie denn überhaupt je einmal vorhanden gewesen sein). Wir wollen aber keinen Illusionen verfallen, finanzielle Interessen dominieren auch in Abu Dhabi und Saudi Arabien. Vielleicht ist einfach noch mehr Geld vorhanden, und man muss die 100er Note nicht zweimal umdrehen…
Hier nochmals ein paar visuelle Eindrücke von Cityscape Dubai. Das erste Bild zeigt ein Projekt von MAD Architectural Design Studio (siehe auch Peking Blog vom Hochparterre), das dritte zeigt ein Projekt von LAB Architecture Studio. Während letztere schon beachtliche Erfolge in der Gegend erzielen konnten, sind erstere erst dabei, den Sprung in den heissen Sand des Mittleren Ostens zu wagen.
Parallel zum Cityscape Event findet noch der World Architecture Congress und ein Architecture Award statt. Da ich Dubai zwar eingestehe ein Epizentrum für Bauprojekte zu sein – und Cityscape ist sicherlich sein Sprachrohr zur Öffentlichkeit – so halte ich es doch nicht für eine Hochburg der gestalterischen Architektur. Ich bin mir deshalb nicht sicher, ob eine Architektur Auszeichnung im Rahmen eines Cityscapes wirklich passend ist – vor allem, wenn es um wegweisende konzeptuelle Architektur gehen sollte. 2006-12-06
Von André Meyerhans @ 06:30 2006-12-03
Von André Meyerhans @ 19:08 Gestern war der Nationalfeiertag der VAE. Eigentlich wollte ich an ein Volksfest im Al Shindagha Quartier gehen – mit Kamera bewaffnet damit ich auch ein paar visuelle Impressionen zeigen könnte. Daraus ist allerdings nichts geworden. Es regnete den ganzen Tag – was mich dazu verleitete, das Haus nicht zu verlassen. Wäre wohl auch nicht möglich gewesen, denn die ganze Garage stand unter Wasser! (Die Abwasserkanäle in Dubai sind wohl eher für Sonnentage ausgelegt...)
Dem Volksfest habe ich aber bereits am Tag zuvor eine kurze Stippvisite abgestattet. Ich war absolut angetan von allem, was sich mir da so bot: Überall kamen mir Düfte von unbekannten Leckerein entgegen, an jeder Ecke wurden kleinere und grössere Nippsachen feil geboten, etliche Strassenkünstler brachten die begeisterten Zuschauermassen zum Staunen und Volkloregruppen zeigten traditionelle Volkstänze. Mir hat das ganze viel Spass bereitet. Gerne wäre ich nochmals hingegangen – werde es auch noch tun – im nächsten Jahr. 2006-12-01
Von André Meyerhans @ 12:50 Man kann nicht sagen in den letzten paar Tagen, denn es waren Wochen, während denen das Dubai International Financial Center (DIFC) von einem grauen Tummelplatz für Banker zu einem schwarz-gelben Selbstbeweihräucherungsaltar für Dubaische Prominenz umgekrempelt wurde. Ein Jahr ist nun das DIFC alt und das soll gebührend gefeiert werden. Ich mag es allen gönnen, und ich finde es auch bewundernswert, was da auf die Beine gestellt wurde. Das Programm der Festivitäten ist gewaltig aber – zumindest für mich – ohne jede Bedeutung: Man muss schon jemand sein, um dabei sein zu können. Das wenige, das ich mitbekommen habe sieht so aus:
Auf der Vorderseite ist die Bühne; auf der anderen Seite des Gate Building (einem Verschnitt des Grande Arche in Paris im Kleinformat – Wer das als Kritik auffasst, dem sein gesagt, die Nebengebäude sind architektonisch äusserst interessant, bis hin zur Detaillierung) findet man einen monetären Kompass. Wie kommt es, dass auf obigem Diagramm der Euro, der Dollar, der Yen und das Pfund abgebildet sind, der Dirham aber fehlt?
Ganz Dubai scheint einer Fahnenhysterie verfallen zu sein. Auch DIFC ist von diesem Virus infiziert worden. Alle zehn Meter flackert wieder so ein Teil, jeweils mit alternieren Aufdrucken. Aufgeheitert hat mich vor allem der Slogan für die DIFC Feierlichkeiten: „Notes of Success“ (Erfolgsgeschichte). Dies ist an sich ja noch nicht amüsant, bedenkt man jedoch, dass seit geraumer Zeit die Dubaischen Aktienkurse in den Keller fallen – allen voran die des Vorzeigeunternehmen Emaar – finde ich schon, dass die Texter die Macht der Rhetorik etwas überschätzten.
Die zweite Portion an täglichem Humor habe ich am Lift gekriegt … Ich hoffe, dass dieser wieder sauber ist, wenn ich ihn das nächste Mal benutzen muss.
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