Dubai wird versteigert!

[Architektur]

Das Bastakiya Quartier ist beinahe wieder aufgebaut. Fünfzehn der 55 Häuser warten noch auf ihren letzten kosmetischen Eingriff. Dann ist das Ensemble komplett und bereit für die vielen Touristen – zurzeit etwa 800 Leute am Tag. Sobald die Metro durch Dubai kurven wird, solle sich die Zahl verdoppeln, sagen die Verantwortlichen. Damit diesen Leuten auch etwas geboten wird, buhlen Restaurants, Kaffeehäuser, Galerien und Gasthäuser um die Gunst der Laufkundschaft. Bald soll ein 4star Hotel im Dubai-Rustica Stil der 20er Jahre den Touristen ein weiteres authentisches Erlebnis mit in die Reistetasche geben. Wird Bastakiya zum Disneyland?

Das Urteil der Disnifikation kommt meist etwas voreilig in solchen Fällen. Die Problematik der nachhaltigen Reaktivierung historischer Stadtteile ist, eine Balance zu finden zwischen dem Erhalten des ursprünglichen Flairs und dem Anpassen an die gegenwärtigen Bedürfnisse der Gesellschaft. Nur wenn die Anlage sich selbst finanzieren kann, ist sie überlebensfähig.

Die ursprünglichen Häuser der Bastakiya bestanden aus Korallenblöcken. Dieses poröse Material ist leicht und belastbar. Der Wärmedämmwert ist hoch, was sowohl in den kühlen Winternächten als auch in den heissen Sommertagen geschätzt wird. Leider sind nicht mehr viele dieser Strukturen erhalten. Einige wenige kann man noch in Richtung Ras Al Khaimah entlang der Küste entdecken. Die Gebäude im Bastakiya Quartier wurden allesamt aus Beton nachgebaut. Die Authentizität beschränkt sich somit auf die Gebäudevolumen und die entstehenden Zwischenräume.

Einige der Häuser im Bastakiya warten immer noch auf einen neuen Besitzer. Und das brachte die zuständige Behörde auf folgende Idee: In den nächsten Tagen wird eine Auktion stattfinden; die meist bietenden werden die neuen Mieter erkoren. Dieser clevere Schachzug garantiert den finanziellen Erfolg des Bastakiya Projektes – die Mieteinahmen werden für die Eigentümer (die Behörde?) noch lukrativer ausfallen als sie dies ohnehin täten. Do in Dubai as the Dubaian do!

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Jumeirah Beach Residence

[Architektur]

Nun ist es also soweit: Die ersten Wohnungen in Jumeirah Beach Residence werden heute bezogen – ein halbes Jahr später als angekündigt. Andere Eigentümer haben weniger glück und müssen noch drei weitere Monate warten. Der entstandene Verlust an entgangener Miete muss von den neuen Besitzern getragen werden. Der Generalunternehmer meinte, er hätte als Gegenleistung für die verspätete Übergabe die Qualität der Innenarchitektur erhöht und erwähnte Türgriffe und Mosaike.

Wie dem auch sei, ich glaube, Jumeirah Beach Residence (JLT) ist das Paradebeispiel für Dubais Bauboom. Mit seinen 7.9 Mio. m² gebauter Fläche, 36 Hochhäuser, vier Strandclubs und vier Hotels ist es weltweit das grösste Wohnungsbauprojekt, welches in einer einzigen Phase verwirklicht wurde. Nicht zu vergessen die 400 Läden, welche im Podium um Kundschaft hecheln. In den 6900 Wohnungen sollen einmal 30'000 Leute leben. (Schau’ ich auf das existierende Verkehrsnetz, prognostiziere ich eine urbane Embolie, welche zu einem logistischen Schlaganfall führt. Einziger Ausweg: Bypass!)

Es sind Projekte wie dieses, welche die Faszination von Dubai ausmachen – und mich bisweilen auch daran zweifeln lassen. Die Überbauung, welche sich über 1.7 km entlang dem Meer erstreckt, hätte ursprünglich nur halb so dicht bebaut werden sollen. Jetzt sind die Türme so eng nebeneinander, dass gewisse Wohnungen wohl weder Meer noch Himmel sehen können. Es hätte mich deshalb nicht erstaunen sollen, dass etwa 5% der Wohnungen immer noch nicht verkauft wurden. Die Euphorie auf dem Liegenschaftenmarkt scheint somit eher werbetechnisch generiert.

Interessant fand ich auch die Bemerkung, dass sich kleinere Einheiten besser verkauften als die grösseren, sprich 4 und 5zimmer Wohnungen. Ich selbst zolle dem JLT Projekt in Bezug auf die Grösse und auf die Realisierungszeit meine Achtung. Architektonisch betrachtet, glaube ich, dass es ebenfalls ein riesiges Potential aufweist: trotz der prominenten Lage ist es ein Moloch, in welchem ich nicht zu wohnen wünsche. Ich kann mir auch vorstellen, dass vor allem schattige Wohnungen mit keiner Aussicht bald zu tieferen Mieten angeboten werden müssen. Dies könnte zu einer Erodierung der sozialen Bewohnerstruktur führen und schliesslich – vor allem wenn das harsche Klima der Gebäudehülle zugesetzt hat – JLT zum Slum werden lassen. Hoffen wir, dass dem nicht so wird.

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Dubai - Shanghai - Nanjing - Suzhou

[Architektur]

Suzhou liegt zwischen Nanjing und Shanghai. Die Stadt ist bekannt für seine klassisch, Chinesischen Gärten. Auf diese soll hier auch ein wenig eingegangen werden.
Sieht man einmal von den typisch Chinesischen Verzierungen ab, fällt auf, dass der Raum anders konzipiert ist als bei uns in Europa – und in Dubai. Normalerweise ist das Grundstück wie in der Arabischen Welt mit einer Mauer umgeben. Das Raumprogramm wird dann aber auf individuelle Einraumvolumen verteilt, welche versetzt zueinander das Grundstück in Höfe und Zwischenräume aufteilen. (Im Gegensatz dazu das Arabische Haus, bei dem die Räume kompakt zusammengefasst sind, in der traditionellen Form nur einen Innenhof aussparend.) In den so entstandenen Aussenräumen fehlen offene Grünflächen. Sollten doch einmal flächig gestaltet worden sein, sind dies Wasser und Plätze. Dominant ist aber der Weg. Irgendwie scheint der ganze Garten aus Wegen und deren Unterteilung zu bestehen. Die Wege bewegen sich dabei frei im Raum, was das Abschreiten ebendieser spannend macht: ´Mal geht’s nach rechts, dann etwas runter, sachte nach links und schliesslich steil hoch. Etwas Frappierendes, das ich aber auch nicht einzuordnen weiss, ist, dass man neben dem eigenen auch andere Wege (andere Möglichkeiten) sieht. Ob es nur interessant ist, dass man den Garten auch auf einer anderen Tour mit einer anderen Perspektive erleben kann oder dass man „die anderen Möglichkeiten“ philosophischer verstehen sollte, habe ich für mich offen gelassen.


Viele der Gärten verfügten wie gesagt nicht über riesige offene Flächen. Dass dem Raum dennoch eine Grosszügigkeit innewohnt, führe ich auf die Begrenzungen zurück, die entweder tiefer als Sitzhöhe oder Höher als Augenhöhe sind. Die Brüstungshöhe scheint unbekannt. Ob sie nicht verwendet wird, weil sie wie eine Barriere wirkt, weiss ich nicht.
Die letzte Bemerkung zu den Gärten gebührt den Oberflächen. Kontraste zwischen rau und glatt erfreuen das Auge auf Schritt und Tritt. Die künstlichen Berge, die trotz meiner kritischen Betrachtung natürlich ausschauen, stehen in Harmonie mit den „künstlichen“ Bauten, deren Natur es ja gerade ist, glatte und geometrische Oberflächen zu haben. Eine harmonische Vereinigung von Gegensätzen.


So, dies war’s nun also aus dem Fernen Osten. Gesehen habe ich noch die Wasserstadt Tongli – absolut faszinierend und definitiv ein Besuch wert, sollte man in der Gegend sein – und Hangzhou. In der letztgenannten Stadt befindet sich der bekannte West Lake. Auch hier kann ich nur bestätigen: Lohnenswerter Abstecher.

 

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Dubai - Shanghai - Nanjing

[Architektur]

Die Reiseberichte sind etwas ins stocken geraten, da mir der Zugang zum Internet oder der Webseite nicht immer gewaehrt wurde.

Nanjing liegt nur knapp drei Zugstunden landeinwaerts von Shanghai. Ich freute mich recht, diesen Flecken endlich enttecken zu koennen, wollte ich doch knapp zehn Jahre frueher dort ein Austauschsemester absolvieren.

Nanjing war Chinas Hauptstadt im Sueden waehrend Bejing die Hauptstadt des Nordens war. Die imposante Stadtmauer - uebrigens die laengste, die je gebaute wurde - ist immer noch ueber weite Teile in Takt. Besonders beschreiben moechte ich hier aber zwei andere Bauwerke: Das Sun Yatsen Mausoleum und die Ming Xiaoling Grabstaette. Beide zeigen auf imposante Weise, wie eine Geschichte inszeniert werden kann. Entlang einer linearen Bewegungsachse wird eine Erwarteung aufgebaut, mit einem Ereignis entschaerft - ohne eingeloest zu werden - und wieder (oder weiter) aufgebaut. Ueber mehrere Stufen wird so ein Besucher an einen Ort gefuehrt. Die Erfuellung der Erwartung (an der Destination) wird dabei zur Nebensache. Dramatiesiert wird das ganze dadurch, dass dem Anheben der Erwartungen auch ein Ansteigen in der Hoehe einher geht. Auch die Dimensionen sind uebermenschlich und verleihen dem Ort etwas Erhabenes oder gar Goettliches.

Diese Art der Architekturfuehrung wird heutzutage in der narrativen (z.B. Bahnen in Disneyland) und der seduktuven (z.B. Flagship stores) Architektur haufig eingesetzt. Auch im repraesentativen Design (z.B. koenigliche Residenzen - ein wichtiges Thema heute in Dubai) trifft man diese Architekturform haeufig an.

Zurueck zu Nanjin: Spannend ist, wie eine Bewegungsachse unterbrochen wird: Ein Gebaeude mit einer grosszuegigen Oeffnung steht auf der Achse. Der Bau besteht meist nur aus einem Raum, ist aber ueber die gesamte Breite der Oeffnung mit einer Raumhohen Wand unterteilt. Somit hat man weder ein Blick durch das Gebaeude, noch kann das Gebaeude auf der Achse durchschritten werden. Auf der dahinterliegenden Seite der Wand oeffnet sich das Gebaeude wieder und der Besucher bricht mit neuen Erwartungen zur naechsten Station auf.

Anbei Bilder der obgenannten Bauten.

Meine Reise geht weiter ... im naechsten Bericht mehr dazu. (Und fuer all jene, die auf dem Dubaiblog lieber etwas ueber Dubai lesen wollen, ab naechster Woche schreibe ich wieder aus dem Nachen Osten.)

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Dubai – Shanghai

[Architektur]

Oft werden die beiden Städte, Dubai und Shanghai, miteinander verglichen. Da mir letztere unbekannt war, konnte ich mich an solchen Diskussionen nicht beteiligen. Dem ist nun nicht mehr so: Seit letztem Donnerstag durchstreife ich die Chinesische Metropole. Sollte ich mich jetzt schon an einen Vergleich heranwagen müssen, sähe dieser wie folgt aus:

Die Population von Shanghai ist etwa 30 Mio. verglichen mit Dubai von 1.3 Mio. (Sharjah nicht dazugerechnet). Der Yuyuan Garten datiert zurück ins Jahr 1559, die Gegend um die French Concession fand ihren Ursprung nach 1850. Als Handelsstadt blühte Shanghai dank Opium, Seide und Tee. In Dubai kann man nicht so lange zurückschauen – vor dem kommerziellen Abbau der Ölvorkommen in den 80er Jahren war Dubai ein verschlafenes Nest und lag im Schatten des wirtschaftlich florierenderen Sharjah! Man könnte hier noch weiter fahren. Interessant fand ich einige Kommentare von Leuten, die entweder von hier kommen oder seit längerer Zeit in Shanghai leben.

In Shanghai versucht man zurzeit das Wachstum zu bremsen. Da das Stadtgebiet ursprünglich ein Sumpf war, senkt sich der Grund unter der Last der Gebäude. Bis anhin angeblich bereits 30cm. Die Stadt wächst mehr in die Breite als in die Höhe.

Im Gegensatz zu Dubai wird in Shanghai alles kostenoptimiert. Lohnt es sich nicht, wird’s nicht gebaut. In Dubai wird da schon eher einmal ein Denkmal gesetzt.

Einem Chinesischen Kollegen ist in Dubai neben der enormen Bautätigkeit und dem wirtschaftlichen Wachstum vor allem die generell hohe Qualität des Services aufgefallen.

Was ich zu entdecken glaubte ist, dass die Entwicklung in Shanghai nicht so stark von der Vision einer einzigen Person abhängt. Das Stadtbild ist somit etwas vielfältiger. Auf der anderen Seite kann die Energie einer einzelnen Person nicht ganz so viel erwirken wie in Dubai – dies ist allerdings nur von Vorteil, wenn die Entwicklung in die Richtige Richtung geht…

Obwohl ich mir vorstellen kann, in Shanghai zu leben, schlägt mein Herz immer noch für Dubai. Ich finde es absolut faszinierend, wie aus dem Nichts innert so kurzer Zeit so viel entstanden ist.

Heute geht meine Reise weiter nach Nanjing. Von dort mehr.

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Des Mannes 2.-bestes Stück

[Kultur]

In gewissen Bereichen scheint es weltweit keine kulturellen Unterschiede zu geben. So zum Beispiel bei des Mannes zweitbestem Stück: dem Auto!

Als interessantes Einstiegsbeispiel soll mein Nachbar dienen. Bei ihm wächst das Auto dreimal so schnell wie die Familie, will heissen, in den zwei Jahren in denen wir nun nebeneinander wohnen, hat er sich dreimal ein neues, grösseres Auto zugelegt. Die Familie ist im gleichen Zeitraum um ein Töchterchen erweitert worden. Ich hoffe, dass die Wachstumskurven auf beiden Gebieten nicht wie bis anhin weiter verlaufen. (Er hat schon drei Kinder und lebt in einer gleichgrossen Wohnung wie ich – und ich habe keine Kinder.)

Wie erkennt man einen stolzen Neuwagenbesitzer? Die Sitze sind immer noch mit Plastik umhüllt! Es ist kein Witz. Auch nach zwei Jahren haben gewisse Leute die Schutzhülle noch nicht weggenommen. Besonders angenehm muss die PVC-Folie während der heissen Sommermonate sein, wenn die nackten Oberschenkel am Plastik kleben... Ein anderes Neuwagenphänomen ist in Dubai langsam (leider) am Aussterben: der Importkleber wird an der Frontscheibe gelassen, bis das Papierchen die gelbe Farbe eines Post-it annimmt.

Die Sheik Zayed Road verzeichnet eine der höchsten Todesraten weltweit. Dies erstaunt nicht weiter, durfte man einmal die Fahrweise der Mit-Strassenbefahrer in Dubai erleben. Einigen scheint weder das Vertrauen in die eigenen Fahrkünste noch jenes in die anderen Verkehrsteilnehmer genügend zu beruhigen – auch die Leistung irgendeiner Voll-Kasko-Versicherung scheint dieses Gefühl nicht vermitteln. Da bleiben nur noch die Höheren Mächte. Und so baumelt bisweilen vom Rückspiegel eine CD mit dem ganzen Koran drauf… (Ich hoffe, mein Kommentar hat niemanden beleidigt. Dies war überhaupt nicht meine Absicht. Meine Bemerkung rührt lediglich daher, dass es eine unbekannte Erscheinung für mich war.)

Zu guter letzt gibt es da noch die Cyan-leuchtenden Schaumstoffbändern. Diese werden an den äusseren Türkanten angeklebt, damit beim Öffnen kein Kratzer entsteht. Wie man die Dinger aber wieder abkriegt, ohne dass der Autolack am Klebstreifen bleibt, ist mir ein Rätsel. Und was, wenn die Tür des Wagens auf dem Parkplatz nebenan zu weit geöffnet wird und die Schaumstoffpolster verpasst?

Um meine Aussagen zu relativieren: Ich mache mir (fast) nichts aus Autos. Meinen VW Polo kaufte ich von einer Kollegin, welche nach Kanada auswanderte. Hätte ich nur halb soviel Stolz wie die oben erwähnten Leute, hätte ich ihn bereits eingetauscht – mein Wagen ist ein Automat, hat getönte Scheiben und ist gelb! Ich behalt ihn aber, bis er auseinander fällt. I can’t be bothered!

 

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Gulf Art Fair - Dubai

[Kunst]

Analog zur Art Basel findet hier in Dubai die Gulf Art Fair statt. Ich bin heute an die Messe gegangen. Die Installationen um das DIFC habe ich schon vor dem Wochenende gesehen.

Eingetaucht ins Getümmel der internationalen Kunst-Kommerz Szene fand ich am Anfang wenig Gefallen. Zum einen, weil ich generell nicht so der Veranstaltungstyp bin, zum andern, weil soziale und kommerzielle Aspekte wichtiger zu sein schienen als die Kunst. Als ich dann aber die Umwelt diesbezüglich ausschalten konnte, labte ich mich an der geballten Schöpfungskraft, die einem hier eröffnet wurde. Ich ging durch die Messe, wie durch ein Museum – und kriegte auch Museumsqualität zu Gesicht. Mich erstaunte, dass ich bisweilen nicht nur die Künstler (er)kannte, sondern sogar einige Arbeiten fand, an die ich mich aus Publikationen erinnern konnte. (Und bei meinem mickrigen Kunstwissen will das ´was heissen!) Also eine hochkarätige Ausstellung. Neuentdeckungen gab’s für mich viele. Vor allem die Arbeiten von Fatma Charfi haben mir gefallen. (Die Künstlerin kommt aus Tunesien und lebt nun in der Schweiz.) Generell waren viele Werke von Leuten aus dem Arabischen und Subkontinentalen Gebiet zu sehen. Schön, dass man sich vermehrt auf eigene Talente besinnt und nicht immer in die Ferne kuckt.

Nach meinem Bummel auf der Meile der käuflichen Kunst, liess ich meine Beine und meine Seele am Wasserbecken des Medina Souq baumeln. Duzende von Metallfiguren lugten aus dem Wasser – eine der vielen Gulf Art Fair Kunstinterventionen im öffentlichen Raum. Mir gefielen die Arbeiten. Vielleicht, weil Kunst hier seinem Zweck näher kommt als in der Messe: Sie regt zu denken an, zeigt andere Sichtweisen auf, entfremdet Vertrautes, entzieht sich dem Kommerz. Jedoch vor allem letzt genanntes ist sehr illusorisch. Kunst konnte stets nur dank Investoren (oder Mäzenen) existieren. Und so ist vielleicht doch gerade eine Messe die Gulf Art Fair, der Antrieb zu Neuem…

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Essen mit links

[Kultur]
Jede Kultur hat so seine Benimmregeln. Ob man die nun konsequent annimmt oder deren einfach gewahr ist und sich dementsprechend verhält, ist Einstellungssache. Wie jeder richtige Schweizer versuche ich den charakterlosen Mittelweg zu gehen.

Normalerweise esse ich mit Messer und Gabel, das Messer rechts, die Gabel links, das Besteck wechselt nicht die Hand und zum Mund wird nur die Gabel geführt. Seitdem ich einmal in Äthiopien Demonstrationsgefüttert wurde, weiss ich, dass man in muslimischen Ländern mit der rechten Hand isst. Die linke lässt man am besten unter dem Tisch.

Wegen eines Unfalles kann ich meinen rechten Daumen nicht mehr biegen. Ich habe nun mehrere Möglichkeiten:

1) Ich passe mich den lokalen Gepflogenheiten an und esse mit den Händen. Mit meinem rechten Daumen drücke ich eine tiefe Spur in den Hummus und versuche in linkischer Weise die kleckernde Fladenbrotecke zum Mund zu führen. Meistens gelingt mir das unter Zuhilfenahme einer überdurchschnittlichen Menge Papierservietten.

2) Ich passe mich den lokalen Gepflogenheiten an und esse mit den Händen. Da ich jedoch die Linke Hand zu gedenken verwende, erzähle ich meinen Tafelgenossen eine halbe Stunde weshalb ich meine rechte Hand nicht gebrauchen kann. Bis ich meine Geschichte losgeworden bin, knurren alle Magen am Tisch und das Essen ist kalt.

3) Ich esse wie ich es von zu Hause kenne und tue so, als ob das die einzige adäquate Art ist zu speisen – obwohl ich dessen nicht überzeugt bin und auch der Gefahr entgegensehe, als Imperialist bezeichnet zu werden.

Ein Freund von mir meinte, ich mache mir zu viele Gedanken. Wichtig sei, dass man zusammensitze und eine gute Zeit hätte. Ich habe mir das zu Herzen genommen und esse nun Arabische und Indische Gerichte mit links. Meine Erklärung hebe ich jeweils auf, bis einer jener Momente entsteht, wenn niemand etwas zu sagen weiss. Und ergibt sich keine solche Situation, war der Abend sowieso gut und die Leute haben mich verstanden.

Dubai Creek Golf Club

[Architektur]
Ich wage zu behaupten, dass Touristen nur drei Gebäude in Dubai als Wahrzeichen der Stadt erkennen können: Das bekannteste ist der Burj Al Arab (wegen den intensiven Marketingmassnahmen), dann kommen die Emirates Towers und am Schluss der Dubai Creek Golf Club. Alles andere verschwindet in der Masse. (Dies mag aus der Sicht eines Architekten bisweilen Gutes haben.) Es sei hier noch vermerkt, dass der Rangierung jeglicher empirische Hintergrund fehlt und somit rein zufällig ist. Dass zu diesem Zeitpunkt nur das letztgenannte Projekt beschrieben wird, hängt damit zusammen, dass die anderen früher einmal Thema eines Beitrages waren.

Das Design des Dubai Creek Golf Club ist an die Idee der Zeltstruktur angelehnt. Das Gebäude besteht aus drei Segeln oder einfach gefalteten Flächen. Ihre Zuordnung ist harmonisch im Sinne eines Ikebana. Die Form mag etwas expressiv sein, aber sie ist einmalig und beeindruckt. Die architektonischen Details sind clever und schon mal ein Foto wert. Die Inneneinrichtung würde ich als typisch Arabisch beschreiben: etwas zu bunt, zu mondän und zu flauschig für meinen Schweizer Geschmack. Obwohl das Clubhaus solitär im Grünen der Golfanlage steht, nimmt man es von der Stadt kaum wahr – Stadt und Vegetation sind dicht verwachsen und geben kaum einen Blick frei auf das Dornröschenschloss.

Damit nicht nur das Auge sondern auch der Gaumen nicht zu kurz kommt, sorgt ein Restaurant und ein Café für das kulinarische Wohl des Gastes. Fazit: der Dubai Creek Golf Club ist ein Besuch wert.

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Bab Al Shams

[Architektur]
Man soll’s nicht glauben, aber es gibt Leute, die gehen in die Wüste zur Erholung! Es sind nicht nur Wüstensöhne, sondern auch gestresste Dubai-Expats und „Abenteuer“ hungrige Luxustouristen, welche sich hinter die Sanddüne zurückziehen. Bab El Shams und Al Maha heissen die beiden bekanntesten Seelenoasen. Ich selbst kenne nur das erste – nicht, weil ich meine Stadtneurose kurieren musste, sondern weil ich meinem nicht enden wollenden Besucherstrom immer mehr bieten muss.

Das Bab El Shams ist wie eine kleine Stadt aufgebaut mit drei voneinander getrennten Komplexen: dem Hotel, dem Restaurant und den Personalwohnungen. Die Architektur ist klar und „typisch“ Arabisch. Die ocker-braunen Farbtöne der Gebäude passen gut zum rötlichen Wüstensand und dem blauen Himmel. Interessante Wasserspiele in den Innenhöfen erfrischen das Auge und kühlen die Luft.

Ich gehe normalerweise ins Hotel – nicht zur Übernachtung, aber um mit meinen Gästen in einem der Hotelrestaurants einen Kaffee zu trinken und Shisha zu rauchen. Das leichte Lüftchen, die niedrigere Luftfeuchtigkeit und ein traumhaftschöner Sonnenuntergang machen einen Besuch auch im Sommer wert.

Den separaten Restaurantblock habe ich nur einmal besucht. Die Tische sind in einem riesigen Innenhof zu Gruppen arrangiert. Dazwischen gibt es imposante Feuerstellen. Von jedem Sitzplatz hat man einen guten Blick auf die Bühne. Das Buffet ist reichhaltig und die Köche verstehen ihr Handwerk. Ich muss den Organisatoren ein Kränzchen winden: Die Inszenierung ist phänomenal! Aber ob all dieser Künstlichkeit, welche dazu dient, des Touristen Herzen höher zu schlagen, dreht sich mir der Magen um. Zudem bin ich weder begeistert, von einer Bauchtänzerin, welche mich auf die Bühne zerren möchte, noch von Musik, die lauter ist als das Sprechorgan meiner Begleitung! Aber jedem Tierchen sein Pläsierchen.

PS: Apropos Tierchen: den Falkner im Restaurantkomplex habe ich genötigt, sein namenloses Federvieh „Shams“ (=Sonne) zu nennen. Die Verhandlungen vor der Namensverleihung waren härter und amüsanter als jede Feilscherei im Souq, die ich je erlebt habe. – Also doch, der Abend war ein Erfolg!

PPS: Al Maha soll eine Liga für sich sein. Ob man wirklich nur mit einer Hotelübernachtung Zugang zum Resort hat, muss ich noch herausfinden.
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