Zwischenkritik an der Amerikanischen Universität in Sharjah
Es fällt mir bisweilen schwer, im Dubai-Blog mit meinem Leben Schritt zu halten (nicht, dass ich einen so rasanten Lebensstil hätte... aber ich schreibe eben nicht arg schnell). So berichtet dieser Beitrag von einem Ereignis der letzten Woche. Die Architekturabteilung der American University in Sharjah riefen zur Zwischenkritik – und ich ging hin. Die Arbeiten zeigten durchweg ein hohes Niveau. Theoretische Überlegungen wurden mit zum Teil beeindruckenden Modellen getestet; Computer generierte Animationen und räumliche Konstruktionen belegten das intensive Arbeiten der Studenten.
Nicht weniger interessant war, wie die Studenten mit kulturellen Eigenheiten umgingen – dabei beziehe ich mich mehr auf soziale Aspekte als auf formalistische. Dialoge entstanden während meines Besuches äusserst selten. Ich erkläre dies damit, dass die Arabische Kultur zwar eine ausgeprägte Gesprächskultur kennt, Konfrontationen jedoch scheut. Die Gesellschaft ist hierarchisch aufgebaut und nicht egalitär, wie ich es aus der Schweiz kenne. Gespräche im Arabischen Raum loten die Position der Person mit dem höheren Rang aus; im Schweizer Kontext sehe ich Diskussionen prinzipiell als Findung des Mittelweges. Radikale Positionen wurden nicht präsentiert. Zum einen mag das mit dem Alter der Studenten zusammen hängen, zum anderen damit, dass das Thema der freien Meinungsäusserung etwas heikel ist in dieser Gegend. Sich im öffentlichen Leben zu exponieren kann unter Umständen schwerwiegende Folgen haben. Dass dies Auswirkungen auf studentische Arbeiten hat, kann ich mir gut vorstellen. Ansonsten machte die ganze Angelegenheit enormen Spass und ich freue mich auf die Schlusspräsentationen Mitte Dezember.
PS: Die obigen Beschreibungen entbehren jeglicher wissenschaftlicher Grundlage und sind lediglich mein kläglicher Versuch bestimmte Beobachtungen in meine Weltvorstellung einzuordnen.



