Schnee in Dubai

[Architektur]

Es ist Winterzeit und somit Skisaison. Etliche meiner Freunde tummeln sich in den Alpen andere vergnügen sich im Libanon. Ich träume von Schnee verhangenen Bergen im Iran und drehe Däumchen in Dubai. Es wäre Zeit, sich wieder einmal in die krumme Gurke über der Mall of the Emirates, dem Ski Dubai, zu verirren.

Nicht nur ich sondern auch viele meiner Freunde wollen die Schizophrenie eines alpinen Vergnügens in der sengenden Wüstenlandschaft erleben. So sausten einmal ein Engländer und ich die Piste im fünf Minuten Takt rauf und runter, während unser Brasilianischer Kollege – er hatte noch nie Schnee gesehen in seinem Leben – binnen Kurzem als Schneemann den Idiotenhügel pflügte. Am Schluss überredeten wir ihn noch, wenigstens einmal die halbe Abfahrt mit uns mitzumachen. Es grenzt an ein Wunder, dass der Schnee an seinen Extremitäten nicht durch Gips ersetzt werden musste!

Das Abenteuer mit dem arabischen Kunstschnee auf die Spitze treiben heisst allerdings, im Juli bei 50 Grad erst am Strand aufheizen und im lauwarmen Meerwasser planschen und dann, keine fünf Minuten später, im befahrbaren Eisschrank abkühlen. So lange möchte ich aber nicht mehr warten.

Auf halber Pistenstrecke befindet sich übrigens eine Skihütte. Nur das erste Mal wollten wir uns eine Portion authentisches Alpenglück zu Leibe führen. Es blieb beim Schwärmen vom Kafi Lutz. Weder wird Alkohol verkauft noch werden Kreditkarten akzeptiert. Beides – und auch ein ausgezeichnetes Käsefondue – gibt’s dafür im Après, dem Restaurant / Bar gleich am Ende der Piste.

Sollten sich echte Skiprofis auf die Piste wagen, so sei folgendes vermerkt: Nach etwa einer halben Stunde kennt man den Hang. Ergeben sich keine guten Gespräche, verlässt man die Kühltonne bereits einiges vor Ablauf der erlaubten zwei Stunden, um sich gemütlich unter einer Palme zu räkeln und an einem Limonen-Minze-Soda (ein traditionelles und erfrischendes Getränk) zu schlürfen. Es ist eben einfach so: Das Skifahren ist in der Schweiz am besten und das Limonen-Minze-Soda in Dubai.

Dubai Ski 1 Dubai Ski 2

Art Avenue in Dubai

[Architektur]

Eine Galerie bat mich, eines meiner Projekte an der Art Avenue auszustellen. Da vieles dann auf die arabische Art ablief, blieb mir in den letzten paar Tagen keine Zeit, einen Text aufs Netz zu stellen.

Wie jeden Januar findet das Dubai Shopping Festival statt. Neben den Megawettbewerben und Super-Preisreduktionen gibt’s etliche Unterhaltungsaktivitäten in der ganzen Stadt. Am Dubai Creek, zwischen Bastakiya und Maktoum Brücke, wird dem Publikum einiges geboten: Eine Chilbi, ein Nachtsouq, Bühnenvorführungen und die Art Avenue. Letztere wurde vom Dubai Cultural Council organisiert und soll der Bevölkerung Kunst und Kultur näher bringen. Die Mischung ist bunt. Es reihen sich bekanntere Galerien neben Hobbykünstlern und Heimatwerk-Ausstellern. In manchen Kabäuschen kann man dem Künstler bei der Arbeit über die Schulter schauen, anderswo darf man selbst Hand anlegen.

Bisweilen lockt einen rhythmische Musik zur grossen Bühne. Verschiedene Gruppen tanzen, turnen und singen. Einige Handys werden in die Höhe gestreckt, um die Darbietung zu filmen. Sinkt der Blutzuckerspiegel allzu sehr, lässt sich leicht an einem der vielen Essständen Abhilfe verschaffen – aber an welchem? Thai Früchte, indischer Tee, arabische Leckereien? Da bleibt nur zu hoffen, dass einem die nächste Generation nicht zum Burger King schleppt!

art fair dubai 1 Art Fair Dubai 5

Art Fair Dubai 3 Art Fair dubai 4

Mein Beitrag zur Art Avenue heisst übrigens Space Edition. Neun Metallrohre definieren Raum und formen Sitzgelegenheit, Sonnen- und Blickschutz. Interessanterweise versteht man die Bewegung der Struktur zwar besser am Ort, für welchen sie entworfen worden ist, die Dynamik hingegen wirkt um einiges dramatischer, wenn das Objekt frei steht.

Space Edition Art Fair 1 Space Edition Art Fair 2

Eine verkehrte Welt

[Sonstiges]

Ariel wäscht – wie alle Waschmittel – weisser.

Nun, dass nicht überall auf der Welt weisser gewaschen werden möchte, entdeckte ich letzthin beim einkaufen. Henkel hat eine Marktlücke entdeckt und bietet ein Waschmittel an, welches schwarzer wäscht! Was ein Ladenhüter in der westlichen, ist ein Kassenknüller in der nah östlichen Welt. Prominent auf Augenhöhe findet man Persil Schwarz in den Regalen hierzulande.

Die Abaya tragende Bevölkerung dankt’s.Persil Schwarz

Regenzeit in Dubai

[Sonstiges]

Es herrscht Regenzeit in der Wüste. Die letzten paar Tage war’s grau und Wolken verhangen. Viele Leute hier finden Regen toll. Ich gehöre nicht zu dieser Gattung; zu frisch (obwohl mehrere Jahre alt) sind meine Erinnerungen an die feucht-nebligen Wintertage in der Schweiz.

Allerdings bringt mir diese trübe Suppe einiges an Inspiration für Blogbeiträge:

Meine Garage steht etwa dreissig Zentimeter unter Wasser. Der Wasserspiegel ist so hoch, dass Treppenhaus und Lifteschächte überflutet werden. Dann gibt’s da noch die Kabelrinnen mit den elektrischen Leitungen, welche unter einem Wasserfall durchgehen. Den Kurzschluss erwarte ich jeden Moment und traue mich somit nicht mehr, die Pfütze drunter zu betreten. Toll finde ich auch, wie die Feuchtigkeit von der Terrasse in die Wohnung drückt und bestimmt tolle Wasserflecken zurücklassen wird – sollte der Schaden nicht noch grösser werden.

Habe ich mich dann endlich aus dem Haus gewagt, kurve ich mit meinem "Geländewagen" (VW Polo) durch die überfluteten Strassen. Das Wasser spritzt in alle Richtungen. Dieser Tage bin ich ein zuvorkommender Autofahrer: Ich lasse des öfters jemandem den Vortritt. Dies hat jedoch weniger mit Höflichkeit zu tun als mit dem Umstand, die Wassertiefe eruieren zu können. Ist’s zu tief, muss ich mit meiner Karre einen anderen Weg finden.

Endlich am Arbeitsplatz angekommen, muss ich feststellen, dass einige Kollegen erst gar nicht erschienen sind. Die Lieben müssen sich um überflutete Keller, Schlafzimmer oder Autos kümmern. Andere bleiben im Verkehrschaos stecken. Auch in unserem Bürogebäude tropft es an allen Ecken und Enden. Dutzende von knallbunten Plastikeimern versperren die Korridors und versuchen die Wasserrinnsale aufzufangen. In der Tiefgarage derweil die Putzequipe versucht die Wassermassen aufzusaugen… Und, so berichten die Medien, es soll weiter regnen.

flooded basement el & water 

 

 

 

 

 

 

office corridorflooded street

Bush in Dubai

[Sonstiges]

Die ganze Welt schaut auf Dubai – und Dubai wird gebeten wegzuschauen. Wie das?

George Bush macht auf seiner Nahost Reise einen Zwischenstopp in Dubai. (Mich wundert’s, weshalb er Katar auslässt, befindet sich doch dort die grösste, amerikanische Militärbasis im Golf. Sollte jemand in der Leserschaft den Grund kennen, bitte eine Nachricht hinterlassen.) Heute war Generalprobe: Alle wichtigen Strassen Dubais wurden im Hinblick auf den hohen Besuch gesperrt. Das Verkehrschaos war perfekt, der Kollaps der Stadt nahe. Kurzerhand erliessen die Regierungsbeamten das Dekret, dass der morgige Tag frei sei. Man soll zu Hause bleiben.

Ich finde das höchst amüsant!

Der Situationskomik entsprechend das folgende Bild – allerdings aus der Schweiz (Bild nicht von mir und T-Shirt nicht in meinem Besitz).

bad bush good bush

Alles Gute zum neuen Jahr!

[Kultur]

Während für die einen das Jahr bereits begonnen hat, neigt sich eben dieses bei anderen erst dem Ende zu. Obwohl auch die islamische Welt Ende Dezember ausgelassen ins 2008 feierte, ist ihr neues Jahr noch nicht angebrochen. Al Hijri 1429 und somit das neue islamische Kalenderjahr beginnt morgen.

Im Gegensatz zum Gregorianischen Kalender basiert der muslimische Kalender auf den Mondphasen und ist somit etwa 10 Tage kürzer als „unser“ Jahr. Das Jahr Null zeichnet den Moment, in welchem Prophet Mohammed von Mekka nach Medina ging. Zur Feier des Tages wird nicht gearbeitet - dafür gefestet. Ich habe noch nicht entschieden, was ich unternehmen werde. Bestimmt werde ich mich aber in die Massen stürzen.

Ich erhielt ein schönes Neujahrsgeschenk von einem einheimischen Kunden. (Die Bilder seht Ihr unten. Zum Grössenvergleich liegt ein Mobile an der Seite.) Warum ich das zeige? Ich finde, es handelt sich um ein gutes Beispiel arabischer Kultur.

Ich wünsche allen einen guten Start im Hijri 1429 und hoffe, dass das kommende Jahr viel Erfreuliches bringt.

arab present 1 arab present 2 arab present 3

Alles Gute zum neuen Jahr!

[Kultur]

Seit nun ein paar Tagen bin ich wieder zurück in Dubai, habe auch schon an einen Eintrag gedacht, ihn dann aber doch nicht hingekriegt. Die Nachwehen des Silvesters hinderten mich an jeglicher Blogtätigkeit.

Shaikh Mohammed Bin Rashid Al Maktoum feierte dieses Wochenende sein zweites Jahr als Oberhaupt von Dubai und Vize-Oberhaupt der VAE. Die Leute gingen auf die Strasse und beglückwünschten ihn. Auch ich wollte hingehen – vor allem weil ich mir gute Fotosujets erhoffte. Da jedoch meine vier Wände ebensoviel Aufmerksamkeit von mir einforderten wie ich selbst, mussten die Feierlichkeiten ohne mich stattfinden. Bestimmt hat’s niemand gemerkt.

Für fünf hundert Emiratis brachte Shaikh Mohammeds „Thronjubiläum“ noch weitere Freuden. Er sponserte ihre Massenhochzeit. Ich finde das ganz nett, wünschte aber auf keinem Fall, dass Pascal (für alle nicht Schweizer: Pascal Couchepin ist Bundespräsident 2008) meine Hochzeit schmeisst und ich als Batteriehammel im Chor „ja“ zu schreien habe. Bedenkt man hingegen, dass eine arabische Hochzeit hierzulande locker CHF 100'000.-- kostet, sollte man vielleicht nicht so voreilig urteilen wie ich.

Ich wünsche allen einen guten Start im 2008 und hoffe, dass das kommende Jahr viel Erfreuliches bringt.

ayuthaya chiang mai Bangkok Hong Kong

PS: Die Bilder haben mehr mit meinem Urlaub als mit Dubai zu tun.