Dubai erkunden

[Architektur]

Wieder einmal mit Gästen unterwegs… Besonders angetan hat’s mir diesmal die Jumeirah Beach Residence in der Dubai Marina. Einige der Wohnungen sind nun bezogen, und die Leute quillen auf den Strand. Die fleischige Auslage vor der Palm Jumeirah Baustelle und hinten die türmende Flutwelle aus Beton, welche jeden Moment über einem zusammenbrechen droht… Der visuelle Inbegriff für das boomende Dubai!

Wozu dieses Umfeld Meister Hitchcock inspiriert hätte – Die Vögel 2? Vertigo 3? Psycho 4?

JBR beach JBR buildings

Das Kleine Ein mal Eins für Autofahrer in Dubai

[Kultur]

Immer wieder werden Witze über Dubai's chaotische Verkehrszustände gemacht. Hier eine Kostprobe.


 1.     Strassenkarten, welche ein paar Wochen alt sind, sollten ersetzt werden
2.     Für das Rashidiya Quartier gilt: Die Strassenkarte von gestern ist veraltet
3.     Strassenregeln anderer Ländern haben in Dubai keine Gültigkeit. Das lokale Regelwerk kann auf folgenden Nenner gebracht werden: Augen zu und beten!
4.     Möchte man dringend die Strasse überqueren, hilft nur eins: Abwarten und Tee trinken
5.     Gefährliche Manöver mit überholter Geschwindigkeit gibt es nicht in Dubai – jeder fährt so.
6.     Wichtigstes Kriterium beim Kauf eines neuen Autos: Beschleunigung von 80 auf 160km/h (empfohlen wird 3 Sekunden). Dies ist sehr empfehlenswert vor allem bei häufigem Befahren der Emirates Road.
7.     Alle Wege beginnen an der Sheikh Zayed Road … welche kein Anfang und kein Ende hat.
8.     Morgen-Stossverkehr: fünf Uhr morgens bis ein Uhr nachmittags. Abend-Hauptverkehrszeiten: ein Uhr nachmittags bis zehn Uhr nachts.
9.     Stosszeiten für Donnerstag (das ist der letzte Arbeitstag vor dem Wochenende) ist der Mittwoch abend.
10.  Fällt die Ampel auf gelb und man bremst ab, wird man von hinten angefahren.
11.  Ist man der erste an einer geregelten Kreuzung und die Ampel wechselt auf grün, sollte man das drängende hupen von hinten missachten und ruhig auf fünf zählen. So beugt man der Gefahr vor, von einem Auto erwischt zu werden, welches noch schnell bei rot über die Kreuzung braust.
12.  Bauarbeiten an allen Hauptverkehrsadern gehört zum täglichen Leben und ist eine Art permanenter Unterhaltung.
13.  Sollte man als Beifahrer einmal den Ausspruch „ich glaube, wir befinden uns in Sharjah“ hören, hat der Fahrer die keine Ahnung mehr, wo er sich befindet.
14.  Autohupen sind Spielzeuge für die Erwachsenen
15.  Jeder in einem Land Cruiser, Armada, Tahoe, Dodge, BMW oder Mercedes mit einer dreistelligen Autonummer oder tiefer und getönten Scheiben hat den Vortritt – unabhängig von der Situation.
16.  Sollte man einen Corolla, Sunny oder anderen asiatischen Kleinwagen fahren, empfiehlt es sich, die Spur ganz rechts nicht zu verlassen.
17.  Viele Strassen ändern grundlos ihren Namen unter Brücken und Überführungen
18.  Richtungsanweisungen werden besser verstanden, wenn solide Kenntnisse in Hindi und Malayalam vorhanden sind
19.  Es dauert mindestens vier Stunden, die Stadt zu durchqueren und dies obwohl die nicht angezeigte Maximalgeschwindigkeit auf der Sheikh Zayed Road 150km/h ist.
20.  Es ist ernüchternd festzustellen, dass die Einheimischen von Malaysiern Fahrstunden erhalten.
21.  9achsige Lastwagen gehören zu den schnellsten Autos in Dubai – locker rasen sie voll beladen mit 120 km/h auf der Hatta-Oman Road.
22.  Die Rennstecke Dubai Autodrome hat eine neue Erweiterung: Die Emirates Road

23.  Willkommen in Dubai

Und hier noch eine weitere:

dubai traffic

Das Holi Fest

[Kultur]

Etwas unvorbereitet bin ich in den Genuss des Holi-Festes gekommen. Aber einmal auf den Geschmack gekommen, schmiss ich mich ins Getümmel 'rein. Kein bisschen Haut blieb von Farbpigmenten unbedeckt... Meine Klamotten entsorgte ich gleich. Mit meinem Körper konnte ich leider nicht so verfahren und schruppte in endloser Kleinstarbeit das Farbpulver aus den Poren - vergeblich.

Das Holi Fest ist ein hinduistisches Fest der Farben und des Frühlings. Es wird auch in Dubai gefeiert. Die Bilder könnten ebensogut von hier sein.

holi beobachter  holi gang member

holi farben  holi zuschauer

Art Dubai

[Kunst]

Dieses Wochenende findet in Medina Jumeirah eine weitere Kunstausstellung statt, die Art Dubai. Mehr als den Link im Internet kann ich allerdings nicht bieten. Ein langes Wochenende steht bevor (dies haben wir mehr Prophet Mohammed zu verdanken als dem Osterhasen). Ich nutze dies und verlasse die Stadt. Ich verpasse somit die Chance, den Anlass zu besuchen und meine Leserschaft die Chance, einen Bericht davon zu lese

art dubain.

Creek Art Fair in Dubai

[Kunst]

Gestern abend besuchte ich mit ein paar Freunden die Creek Art Fair im Bastakiya Quartier.

Ich war zwar etwas müde und nutzte jede nur erdenkliche Möglichkeit, mich zu setzen. Auch faszinierten mich die Häppchen und Säfte mehr als die Kunstwerke – auf jeden Fall so lange bis ich meinen knurrenden Magen besänftigt hatte. Hätte mein Besuch aus England sich nicht etwas intensiver mit der Kunst auseinandersetzen wollen, ich wär‘ wohl den ganzen Abend nicht vom Diwan neben der Futterkrippe weggekommen.

Aber lassen wir einmal meine kleinen Unzulänglichkeiten beiseite. Der Anlass, ich muss es gestehen, ist absolut gelungen. Das Bastakiya Ensemble erwacht regelrecht zu Leben mit all den Leuten, welche gemütliche durch die Gassen schlendern. Überall stehen die Türen offen. Eintreten ist erwünscht. Innenhöfe und Räume zeigen wohl arrangierte Kunstwerke. Möchte man sich darauf einlassen, findet man etliche Künstler und Kunstliebhaber für Gespräche. Filmvorführungen und Musikdarbietungen reichern das Programm an. Besonders gefallen haben mir die weniger etablierten Kunstschaffenden, welche sich mit ihren Arbeiten zum ersten mal dem grösseren Publikum zeigen.

Nicht verpassen, kann ich da nur sagen!

still creek art fair 1

creek art fair 2 creek art fair 3

Blue Communities - für nachhaltige Küstenentwicklung

[Sonstiges]

Blue Communities wurde mit Donner und Getöse Anfang Jahr angepriesen. Wie immer bei solch grossen Vorhaben wurde der Auftritt sensationell orchestriert und perfekt inszeniert. Worum handelt es sich? Nakheel gründete eine Institution zwecks Förderung nachhaltiger Nutzung der Küstenregionen. Das Unternehmen verpflichtete sich, in den nächsten drei Jahren 500 Millionen Dirhams einzuspeisen. Eine überaus grosszügige Geste, würde ich sagen.

blue communities

Was mir hingegen ein Rätsel ist: Wie soll ausgerechnet jene Organisation, Nakheel nämlich, mit Rat und Tat einer Institution vorstehen können, welche die Küstenregion Dubais in einen biologischen Gau verwandelt hat? Alle Aufschüttungen im Arabischen Golf – die Palmen und die Welt – bestehen aus Sedimenten und abgebauten Gesteinen vom Meeresboden. Korallenbänke gibt es keine mehr, Fische sind selten und Wasserströmungen wurden umgelenkt. Otto Normalverbraucher sieht davon nicht viel. Mit aufwändigen Gegenmassnahmen wird der Schein der heilen Welt beibehalten. Und doch, ganz vermeiden lässt sich der visuelle Zerfall nicht: Bisweilen wird der Sand vom Strand abgetragen. Dann kommt das steinige Bett zum Vorschein und Unterhaltsarbeiten müssen vorgenommen werden…

strand

strand dubai

Firmen, welche am Anfang auf die zerstörerische Wirkung dieser Projekte hingewiesen haben, wurden auf die Schwarze Liste gesetzt und erhielten Jahrelang keine Aufträge mehr – so hört man. Auch heute wird Kritik nur von Aussenstehenden vorgebracht – keiner will sich von den lukrativen Arbeiten ausschliessen.

Andererseits, grosse Ideen können nur dann verwirklicht werden, wenn der innere Widerstand minimiert wird.

Jahreszeit der Kunst in Dubai

[Kunst]

War heute noch schnell an zwei Ausstellungen. Dies tönt nun gewaltig, ist es aber nicht. Beide Schauen befinden sich im Dubai International Financial Center (DIFC) und sind eher klein, dafür fein.

Bei der ersten handelt es sich um die „Word into Art“ organisiert mit dem Britischen Museum. Sie zeigt einen guten Querschnitt durch die Kalligraphischen Arbeiten mit arabischem Hintergrund. Zu sehen sind historische und moderne Texte, eher dekonstruktivistische und eher figürliche Ansätze. Das Thema der Identität, der Religion und der Politik wurden ebenfalls aufgegriffen. Eine durchwegs schöne Ausstellung, welche man sich nicht entgehen lassen sollte.

word into art  word into art 2

Die zweite Ausstellung heisst „The Flying House“ und umfasst nur ein paar Werke. Einige dieser Arbeiten finde ich jedoch äusserst spannend und bereichernd.

flying house flying house 2

Es gibt noch weitere Aktivitäten im Zusammenhang mit „Season of Art“, so heisst der übergeordnete Titel aller Kunstaktivitäten des DIFCs. Ich empfehle den Kalender zu studieren. Bestimmt ist etwas dabei, das gefällt.

Die ausgestellten Arbeiten haben mich inspiriert und die Qualität der Arbeiten wie auch der Ausstellung mir imponiert. Was amüsant und typisch Dubaianisch ist: Die Werbepräsenz für diesen Anlass ist gigantisch und liess mich eigentlich mehr erwarten als ich vorfand. – Aber ich liebe Dubai dafür!

Von der American University in Sharjah

[Architektur]

Letzten Donnerstag war ich wieder einmal an der Amerikanischen Universität in Sharjah zu Gast. Thema der Präsentation war Process versus/and Product – The road towards Practice mit einer offenen Diskussion anschliessend.

Der Anlass brachte Leute aus verschiedenen Berufssparten zusammen. Die Gespräche verliefen dementsprechend vielfältig. Am augenfälligsten fand ich die generelle Konsensliebe und die Kritikscheue. Traut man sich als Ausländer gewisse Dinge hervorzuheben – egal ob ernst gemeint oder eingeflochten, um der Diskussion etwas Salz beizufügen – wird gesagtes als Angriff auf die hiesige Kultur verstanden. Es mag sein, dass die Diskussionskultur in einer auf Monarchie beruhenden Staatsstruktur nicht sehr ausgeprägt ist. Ich lasse auch gelten, dass Leute einer jüngeren Kultur (hiermit beziehe ich mich auf die Staatsbildung) etwas sensibler reagieren auf Kommentare als Leute aus einer älteren, bereits gefestigten Kultur. Sicherlich reagiere auch ich anders, wenn ein Schweizer etwas an der Schweiz auszusetzen hat, als wenn dies ein Ausländer tut. Was ich jedoch von einer Universität erhoffe, ist dass sie es schafft, Leute zum eigenständigen denkenden zu bewegen und einen Rahmen bietet, diese Gedanken auch zu äussern.

Nun, ganz so untätig ist die American University in Sharjah nicht. Die Arbeiten, welche ich vor dem Auditorium gesehen habe, sind vielversprechend und zeugen von unabhängigem Erforschen der eigenen Kultur.

 

arabic pattern 1 2d  arabic pattern 1 3d

arabic pattern 2 2d  arabic pattern 2 3d

Am allerbesten gefiel mir jedoch eine bestimmt nicht autorisierte Installation vor dem Eingang der Architekturfakultät. Es lebe die Freiheit!

 

installation at aus

Leben unter dem Halbmond

[Architektur]

Vielen Dank an Ariana Pradal, welche die Ausstellung "Leben unter dem Halbmond" besucht hat und folgendes darüber zu berichten weiss:

Leben unter dem Halbmond
von Ariana Pradal
Die täglichen Schlagzeilen vermitteln ein einseitiges Bild der arabischen Welt. Darüber vergessen wir die reiche und alte Kultur der verschiedenen Völker von Marokko bis Syrien. Das Vitra Designmuseum in Weil am Rhein erlaubt nun mit der Ausstellung «Leben unter dem Halbmond – Die Wohnkulturen der arabischen Welt» einen anderen Blick  auf diese Region. Vier Schwerpunkte geben Auskunft über Objekte und Architekturen dieser Länder: Nomadisches Leben, ländliche Umgebung, städtische Umgebung und der Einfluss der Moderne. Gelungen an der Ausstellung ist, dass sie sowohl die traditionellen Wohn- und Bauformen dokumentiert, wie auch die Situation heute. Fotos und Filme zeigen zum Beispiel, dass sich unter die hölzernen Behälter der Nomaden vermehrt Plastikeimer verirren oder ein Stamm heute nicht nur mit dem Kamel, sondern auch mit dem Auto weiter zieht. Weiter geben Modelle, Pläne und Fotos einen guten Überblick über die länderspezifischen Häusertypen, von den turmartigen Steinhäusern in den Bergen von Jemen bis zu den Kuppelhäusern am Rande der syrischen Wüste. Auch hier sind die neusten Einflüsse dokumentiert: Die Lehmhäuser in Saudi-Arabien bemalen ihre Besitzer heute mit wasserfesten, grellen Farben und verändern so das traditionelle Dorfbild in eine disneyartige Kulisse. Was der Ausstellung fehlt: die Besucherin wünscht sich zu Beginn einen Plan oder eine Einführung mit den Schwerpunkten, um im verwinkelten Frank Gehry Bau die Übersicht zu erlangen.
Leben unter dem Halbmond – Die Wohnkulturen der arabischen Welt 23.02.2008 - 31.08.2008 Vitra Design Museum, Weil am Rhein
Öffnungszeiten: Mo-So 10-18h; Mi 10-20h

www.design-museum.com

Leben unter dem Halbmond

Bilder aus Dubai

[Sonstiges]

Ich habe immer noch Besuch und möchte mich lieber um diesen kümmern als um den Blog. Deshalb wieder einmal "nur" ein paar Bilder aus Dubai. Viel Spass und bis dann.

verkehrsschilder  Burj al arab

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