Little India

[Kultur]
Es mutet befremdend an, in einer Stadt einen Artikel über Little India zu schreiben in der die grösste ethnische Einwohnergruppe aus Indien stammt. Dennoch gibt es im alten Bur Dubai ein kleines Strassennetz, welches Indischer nicht sein könnte. Geht man vom Dubai Fort mit dem Dubai Museum links an der Moschee vorbei, kommt man zum Stoff Souq. Geht man nun nicht links in den Souq sondern rechts in eines der schmalen Gässchen, so taucht man in eine bunte, hinduistische Welt ein. Es gibt viel zu sehen und zu bestaunen auf engstem Raum. So zum Beispiel einen kleinen Tempel. Den habe ich jedoch noch nie besucht (ich warte, bis mich einer meiner Freunde mitnimmt). In den kleinen Läden stöberte ich hingegen schon Studnen herum, und an den Foodstalls stand ich schon oft an. Uber all dem bunten Treiben vergisst man in Dubai zu sein ... bis einen die Masse wieder an den Creek oder in den Stoffsouq spült.

Die Bezeichnung Little India ist nicht offiziell, sondern von mir erfunden.

little italy 2  little italy 4

Kunst am Bau

[Design]

... einmal anders:

Nicht entstanden aus baukulturellem Anspruch sondern aus Langeweile, Einsamkeit oder Träumerei.

Nicht finanziert durch einen Prozentsatz der Bausumme sondern von zweckentfremdeter Kreide, Spray oder Farbe.

Nicht designed von hauptberuflichen Künstlern sondern von einfachen Bauarbeitern, während einer ihrer Pausen oder während der Arbeit.

Nicht gedacht für die Öffentlichkeit sondern zum Selbstzweck, zur persönlichen Genugtuung oder für die Kollegen.

Nicht für die Ewigkeit sondern temporär, nur solange bis der Putz die Spuren verwischt.

Per Zufall entdeckte ich die Arbeiten während eines Baustellenbesuches.

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Nachmittagstee im Burj Al Arab

[Architektur]

Für ein paar hundert Dirhams (so um die CHF 150.--) kann man im Burj al Arab einen Nachmittagstee schlürfen. So wieder einmal getan in den letzten Tagen (man gönnt sich ja sonst nichts). Aufgetragen wird alles: Vom Champagner über exquisite Tees, exotische Früchte, Kanapees und mundgerechte Patisserie hin zu edlem Honig, hausgemachter Konfitüre und Früchteschäumen. Wie alle anderen Gäste, gehören auch wir nicht zu denen, die es sich wirklich leisten können. Man kommt hierher, damit man mal hier gewesen ist (und nicht den vierfachen Preis für das Essen zahlen muss oder den 20 bis 50fachen für eine Übernachtung).

Mein Verhältnis zum Burj Al Arab ist etwas zwiespältig: Architektonisch finde ich das Teil überdurchschnittlich aber nicht herausragend. Die Innenarchitektur ist mir zu überdreht, ist aber so konsequent durchgezogen, dass es schon fast wieder Stil hat. Genial finde ich hingegen, wie der Bau als Botschafter und Wahrzeichen von Dubai aufgebaut und ausgemerzt wurde.

Da meine Meinung keine Allgemeingültigkeit besitzt, hier noch der Kommentar meiner Begleitung (mit keiner Affinität zu Architektur):
Ausblick – genial, Essen – gut, Architektur – im Grossformatigen beeindruckend, im Detail erschreckend.
Been there, done that!

Interessant fand ich noch folgende Bemerkung über Dubai generell: Meistens würden die Dinge grossartiger angepriesen als sie dann wirklich seien.

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Kitsch und Kultur

[Sonstiges]

Meine Begeisterung für Kitsch ist enorm! Billig und karikaturierend ist es gleich hinter Verbrauchsgütern (alles andere setzt Staub an) das beste Souvenir. Kauf entscheidend bei Kitsch ist, ob es sich an den Kühlschrank heften lässt oder nicht.

Die Viertelstunde Wartezeit auf dem Salalah Flughafen verbrachte ich im einzigen Duty-free Laden der Anlage. Irgendwo auf diesem zehn Quadratmeter grossem Tante Emma Laden entdeckte ich ein Kuriosum, dem ich nicht widerstehen konnte: einen elektrischen Weihrauchverbrenner fürs Auto! Ich bin voll begeistert von diesem überteuerten Ding!
Leider setzt es Staub an und passt auch nicht an den Kühlschrank und so darf sich jemand aus meinem Freundeskreis auf ein tolles Mitbringsel freuen.

oman kitsch  oman kitsch 2

Zur Geschichte Salalahs

[Kultur]

Das heutige Salalah ist trotz seinen 700'000 Einwohnern (eine Zahl, die ich nicht glauben kann) ein verschlafenes Nest. Dem war nicht immer so. Vor etwa 2000 Jahren befand sich eines der regensten Handelszentren der damals bekannten Welt in dieser Gegend. Dies verdankten die Leute dem Weihrauch. Dazu muss man noch folgendes wissen: Der Weihrauch aus Salalah ist der beste und wurde höher als Gold gehandelt. Der Weihrauchbaum wurde als Geschenk Gottes angesehen und durfte nicht kultiviert oder gehandelt werden. Besitzer von Land auf denen die Bäume wuchsen, wurden als glücklich und von Allah gesegnet angesehen. Bestimmt gab es schon früher Leute, deren Geschäftssinn ausgeprägter war als die Religiosität, doch da der Weihrauchbaum eine äusserst enge biologische Nische besetzt, konnte er in keiner anderen Region angebaut werden.

Oben in den Bergen befindet sich Atlantis, das alte Salalah eben. Gefunden wurde dieses historische Zentrum dank Satellitenaufnahmen auf denen man die alten Handelsrouten noch erkennen konnte. Alle Spuren führten in ein einziges Zentrum. Als man dort zu graben anfing, entdeckte man diese Stätte. Heute sieht man nicht mehr viel von der Anlage. Es geht die Sage, dass die Einwohner wegen ihrem Reichtum hochnäsig und eitel wurden. Allah liess die ganze Stadt zur Strafe in der Wüste versinken. In der Tat ist dem so, denn die Stadt war auf einer unterirdischen Höhle (Teil eines unterirdischen Flusssystems?) gebaut und diese brach ein. Das war das Ende der Oase und der Zivilisation. Der einst grösste Hafen, Khor Rouri, ging ebenfalls in Vergessenheit.

Und dann gibt’s da noch die Grabstätte Hiobs (für etwas weltlichere Leute: Hiob ist verantwortlich für ein Buch im Alten Testament). Dieser bedeutende Pilgerort wird im Arabischen An-Nabi Ayyub genannt. Der Bau selbst ist schlicht, die Fahrt dahin, die Aussicht sowie die quirligen Webervögel machen den Ausflug auch für etwas weniger religiöse Leute lohnenswert.

salala down town  salalah down town

hiobs grab  weihrauch bäume

Dubai in der Schweiz

[Architektur]

Erbärmich aber wahr - der Schweizer Hochparterre Blog weiss im Moment mehr über Dubai zu berichten als ich. Hier der Link.

Ich selbst bin etwas im Stress und auf Achse. Sorry, aber so ist das Leben in Dubai.

Gruss und bis zum nächsten mal.

Salalah, Oman

[Kultur]

Salalah liegt ganz im Süden von Oman, nahe an der Yemenitischen Grenze. Das einzigartige Klima der Region ermöglicht es, eine vielfältigen Flora und Fauna hervorzubringen. Die Regenzeit im Sommer, Khareef genannt, ist einmalig für den Mittleren Osten. Viele Araber kommen dann nach Salalah und geniessen das kühle Wetter. Im Moment hält sich die Feuchtigkeit noch in der Luft - es ist tüppig und heiss. In ein paar Wochen werden sich die Wolken an den Bergenhängen entladen und riesige Bäche werden in die Tiefen stürzen. Man sollte das nicht entgehen lassen!

1. Foto: Tausende Sardinen wurden gefangen, Luft getrocknet und nun abgepackt. Es soll Leute geben, welche diese stinkenden Dinger mögen

2. Foto: im Süden von Salalah findet man die Blowing Holes. Die Wellen drücken Luft und Wasser durch das poröse Gestein - die Gischt zischt mehrere Meter in die Höhe.

3. Foto: Webervögel nisten überall

4. Foto: no comment

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Trauern und Arbeiten

[Kultur]

Gestern fuhr ich wie üblich mit dem Auto nach Hause. Das Radio war an – auf meiner Lieblingsstation. Vivaldi - fiel mir erst gar nicht auf, denn ich mag klassische Musik ebenso wie Techno. Doch die schlechte Tonqualität der Streicher liess mich aufhorchen und mir begann der dröhnende Bass zu fehlen. Wechseln des Senders. New Age Panflötengesäusel, klassische Musik, … Ich griff zu Mobile und rief – nicht etwa den Störungsdienst sondern – meinen arabischen Arbeitskollegen an: „Hallo Imad, hier ist André – Du, sag mal, ist ein Mitglied der Königsfamilie gestorben?“ Ja, dem war so. Der Bruder des Oberhaupts der Vereinigten Arabischen Emirate ist bei einem (Vergnügungs-)Helikopterflug in den Arabischen Golf gestürzt. Drei Tage Staatstrauer wurde angesagt – will heissen: Keine Partys und keine live Musik. Ob’s auch keinen Alkohol gibt, werde ich heute abend ‘rausfinden. Meine Hoffnung auf einen zusätzlichen, arbeitsfreien Tag wurde noch am selben Abend zerschellt.

Heute abend auf dem Heimweg: Meine Radiostation beschallt mich wieder mit dem rhythmischen Unz-Unz. Was ist los? Fertig getrauert? Bin mir nicht so sicher, aber es war auch bereits früher so, dass nicht so lange durchgehalten wurde wie angekündigt. Bei Sheikh Zayeds Tod sollte alles für drei Wochen trauern. Irgendwann befand man den wirtschaftlichen Schaden als zu gross und hob sukzessive alle Verbote auf.

in front of mosque

Unerwünschte Elemente im Elements

[Kultur]

Elements ist ein Restaurant im Wafi Einkaufszentrum. Die Wände sind übervoll mit gemeingefälligen Bildern und zwischen den Tischen und Sofas stehen Skulpturen im selben Stil. Aufgefallen ist mir dieses Lokal vor Jahren, als noch Gras unter einem Glasboden wuchs und eine Hänge-Sitz-Matte zum Entspannen einlud. Beides ist nun weg. Geblieben sind die Kunstgegenstände, welche zum Verkauf angeboten werden, und die gemütlichen, arabischen Sitzgruppen auf der Terrasse.

 

Dieses Wochenende habe ich mich wohl das letzte Mal da draussen hingeworfen – die Hitze wird so langsam zu viel für mich. Doch die Shisha mit der Spezialmischung des Hauses und die Entdeckung für meinen Blog machten die Schwitzerei wett: Erspäht habe ich eine kecke, nubische Schönheit in Bronze. Ihre Barbrüstigkeit wurde (von den Behörde?) wohl nicht als Kunst interpretiert und musste verhüllt werden. Das Resultat finde ich amüsant genug, um in diesem Blog Erwähnung zu finden.

 

Übrigens, die Meinungen über den nötigen Grad der Verhüllung gehen weit auseinander. In diesem Fall zeige ich jedoch viel Verständnis für die ultra-konservative Liga – wenn auch aus anderen Gründen...

 

 

elements