Arabian Courtyard Hotel

[Architektur]
Das Arabian Courtyard Hotel gehört nicht mehr zu den neuesten Übernachtungsmöglichkeiten in Dubai. Sein Standort ist aber einmalig – direkt neben dem Dubai Museum und in Blickweite der Bastakyia und dem Creek.

Ich war noch nie drinnen, bleibe aber jedes Mal fasziniert vor dem Gebäude stehen. Die Architektur ist auf den ersten Blick nicht auffällig, besticht aber dadurch, dass die Fassade auf regional-typischen Gestaltungsideen basiert, welche neu interpretiert wurden und zu einer modernen Formensprache gefunden haben.

arabian courtyard hotel

 

arabian courtyard hotel 2

Sheikh Zayed Road – Reflektionen

[Architektur]
Entlang der Sheikh Zayed Road gibt’s bessere und schlechtere Beispiele an Architektur – aber davon soll dieses Mal nicht die Rede sein sondern um das Ensemble als Ganzes.

Auf den ersten Blick scheint die Urbane Gestaltung nicht gerade durch Innovation und Reichtum zu brillieren. Dieser Eindruck trügt nicht. Die Strasse ist Schnur gerade. Links und rechts reihen sich in absolut regegelmässigen Abständen die urbanen Stalagmiten aneinander, immer begleitet von einem Würfel Autoparkgarage im Rücken. Schaut man von einem Ende auf der Achse der Hochhäuser, scheint es nur einen einzigen Turm zu geben, die anderen verschwinden dahinter.

Diese lineare Anordnung finde ich ziemlich einmalig. Es gibt wohl Strassendörfer, welche sich entlang eines Weges entwickelten. Aber diese Strukturen sind gewachsen und wurden nicht geplant, wie die Sheikh Zayed Road. Vergleiche mit Haussmanns Einfluss in Paris oder der Stadtstruktur in Barcelona hinken ebenfalls, da es sich in diesen Beispielen um flächige Stadtstrukturen handelt, und die Strassen sind lediglich eine negativ Erscheinung.

Es gibt da noch einen weiteren Aspekt, den ich charakteristisch für die Sheikh Zayed Road finde und sonst nirgends so klar sehen kann: Obwohl alle Türme erst in den letzten zwei Jahrzehnten gebaut wurden, kann man mit hoher Treffsicherheit das Baujahr nennen. Die Zuordnung geschieht weniger über zeitspezifische Designelemente – so wie man das üblicherweise macht – sondern über die Höhe der Türme. Abgesehen zwei Ausnahmen, dem World Trade Center und den Emirates Towers, nimmt die Höhe der Hochhäuser zu, je später sie geplant wurden. Ich finde dies bemerkenswert.

Warum dem so ist, könnte einen ähnlichen Grund haben, weshalb die Geschlechtertürme (z. B. in San Gimignano) mit den Baujahren immer höher wurden. Auch in Dubai ist die Bautätigkeit sehr stark an Individuen geknüpft.

sheikh zayed road 4 sheikh zayed road 1

Stimmungsphoto

[Architektur]

Wieder einmal ein Foto vom Crescent der Palme Jumeirah zurück zum Burj Al Arab.

Die Stimmung tügt: Nur die Möven hängen so lässig herum - alle andern arbeiten fleissig.

Dubai

(K)Ein Kompliment

[Kultur]

Letzthin erhielt ich folgende Textmessage von einer sehr weiblichen Kollegin von mir...

text message

... man sollte die hiesige Kultur nicht unterschätzen. Es könnte ins Auge gehen - oder sonst wo hin.

Etwas Typisches aus der Region

[Kultur]
Es kostete mich schon ein wenig Überwindung beim ersten Mal, als ich Kamelmilch trank. Aber das liegt nun auch schein einige Zeit zurück. Der weisse Drink schmeckt übrigens mehr oder weniger gleich, egal aus welchem Euter er kommt. Vielleicht ist die Kamelmilch etwas säuerlicher als die Kuhmilch. Aber dann hat’s sich auch schon. Wissenschaftler der hiesigen Gegend behaupten, die Milch der Wüstenschiffe sei nahrhafter. Ich selbst habe keine Ahnung ob dem so ist. Wenn ich jedoch an die steppenden und Fussball spielenden Kühe denke, müssen die Kamele noch etwas aufholen.

Im Hinterland von Dubai gibt’s übrigens die weltweit erste, kommerzielle Kamelmilchfarm. Von besonderem Interesse dürfte das Herzstück sein: Die Melkmaschine. Diese musste speziell für die Höckertiere entwickelt werden. Im Prinzip identisch mit der Kuhmelkmaschine, wurde der Melkbecher (das Teil, welches über die Zitzen gestülpt wird) der Anatomie eines Kamels angepasst. (Die Zitzen bei Kamelen sind viel kleiner.) Die Stimulation der Melkbewegung erforderte mehr Innovation, denn das eine Vieh braucht mehr eine Ziehbewegung, das andere eine Druckbewegung. Und dann war da noch etwas, dass Kamele Panik kriegen, würden sie in der Melkanlage wie Kühe eingepfercht, aber ich kann mich nicht mehr so genau erinnern. – Ist wohl nicht so weit her mit der Nahrhaftigkeit der Kamelmilch!

Proscht!

camel milk

Picasso Ausstellung in Abu Dhabi

[Kunst]
Während das Picasso Museum in Paris renoviert wird, macht eine exquisite Selektion des Inventars eine Weltturne. Noch bis am 4. September im Emirates Palace in Abu Dhabi zu Gast, zeigt diese Ausstellung eine kompakte und übersichtliche Retrospektive über das Lebenswerk des Künstlers.

In einem separaten Lernzentrum, wird einem auf spielerische und wissenschaftliche weise, Picasso näher gebracht. Es gibt eine Bibliothek, Wissensspiele, interaktive Informationsstationen und einen Tisch, an welchem man Pablosche Formen zu einem eigenen Kunstwerk komponieren kann (ähnlich dem Kunst Aufräumen von Urs Wehrli).

Sehr bemerkenswert finde ich, dass der Eintritt zur Picasso Ausstellung gratis ist. Während es bisweilen im Alltag von Dubai zu viel um Geschäft und Geld zu gehen scheint, zeigt sich Abu Dhabi bei erstklassigen Kulturveranstaltungen überaus grosszügig. Die Kultur-Institution der Hauptstadt organisiert und finanziert Konzerte, Kulturveranstaltungen und Kunstausstellungen – meistens jedoch unter der Woche und somit für mich ausser Reichweite. (Für die schlechteren Massenveranstaltungen zahlt man hingegen internationale Preise.)

Vielen Dank!

picasso abu dhabi 1

picasso abu dhabi 2

Khan Murjan

[Architektur]
Khan Murjan wurde der legendäre Markt in Bagdad des 13 Jahrhunderts genannt. In einer 14 Meter hohen Zentralhalle, Nebenräumen auf zwei Etagen und umgebenden Gärten trafen sich dereinst Händler aus allen Herrenländer. Das Gebäude zerfiel über die Jahre, wurde aber wieder aufgebaut und erst als Museum genutzt und dann als Restaurant.

In Dubai lebt diese Saga wieder auf. Im Untergrund des Wafi Komplexes fanden sich noch 5000 m2, welche zur Einkaufswalhalla à la Khan Murjam umfunktioniert wurden. Es liegt wohl daran, dass sich die wenigsten Kunden vorstellen können, in einem irakischen Bazaar einzukaufen, und so gibt’s denn auch thematisierte Zonen gemäss touristischem Gusto: Ägyptischer Strassenzug, türkische Ecke, marokkanische Landenreihe und syrisches Atrium. Wie im Original gruppieren sich die 150 Läden auf zwei Stockwerken um einen Zentralraum. Dieser ist hingegen zum Himmel hin offen und die Ausgänge führen nicht ins Freie, sondern in die moderne Wafi Mall.

Aus theoretischer Sicht kann ich den thematisierten Welten einiges abgewinnen, als Konsument und Architekt beinahe nichts. Trotzdem muss ich dem Khan Murjan ein Kränzchen winden. Der Detailierungsgrad ist verblüffend und authentisch, die Materialechtheit und die Verarbeitung erstaunlich hoch für ein kommerzielles Projekt. Des weiteren war die unterirdische Integration des Marktes ein genialer Schachzug: Die Ausnützungsziffer konnte hochgeschraubt werden, ohne der Gesamtanlage ein klaustrophobisches Gefühl aufzudrücken.

Auf jeden Fall einen Besuch wert – je nach Veranlagung mehr wegen den Läden oder wegen einem türkischen Kaffee in der Innenhof.

Khan Murjan 1 Khan Murjan Wafi
Khan Murjan Wafi 2 Khan Murjan Wafi 3

Sex on the Beach mit Nachwehen

[Kultur]

Obwohl in jedermanns Munde, wollte ich nicht darüber schreiben. Aber nachdem ich heute ein Email aus Hong Kong erhalten habe, kann ich’s doch nicht mehr ignorieren. Was war geschehen?

Freitags gibt’s in beinahe allen Hotels die Friday Brunches. Die dauern von etwa elf Uhr mittags bis drei oder vier Uhr nachmittags. Man zahlt einen gewissen Betrag und kann dafür soviel essen, wie man mag. Um die Kundschaft bei Stange zu halten, wird seit einiger Zeit auch ein Angebot gemacht, wo man so viel essen und (Alkohol) trinken kann, wie man möchte. Dies führt zu gewissen Exzessen – wobei manche Nationalitäten anfälliger dafür sind als andere.

Letzten Freitag tranken zwei etwas über den Durst und fanden Gefallen aneinander. Dies gipfelte in einer Runde „Sex on the Beach.“ Nicht wirklich angebracht in Europa, ist dieses Verhalten absolut unverzeihlich an einem öffentlichen Strand eines muslimischen Landes – egal wie liberal es sich gibt. Die Polizei soll die beiden auf Ihre unerlaubten Aktivitäten aufmerksam gemacht haben, worauf die beiden die Ordnungshüter beschimpften. Ein Schritt zu weit – die Unzüchtigen wurden fest genommen. Ihnen droht eine Anklage wegen unsittlichem Verhalten, Alkohol Konsum und ausserehelichem Sex, wofür sie bis zu sechs Jahren hinter Gitter kommen können. Nach dem Verbüssen der Strafe werden sie deportiert.

Tja, das war dann wohl ein Quickie mit einem langen Nachspiel!

Interessanter als die Geschichte selbst finde ich, wie mit der Privatsphäre gewisser Individuen umgegangen wird. So kommt es oft vor, dass Übeltäter (noch vor deren Verurteilung) mit Namen und Bild publiziert werden. Vor etlichen Jahren publizierten einige Firmen auch Namen, Passnummer und Fotos von Leuten, die nicht mehr bei ihnen eingestellt waren. Etwas was mir etwas zu weit geht. Ob dies kulturell bedingt ist, weiss ich nicht. Ich fand aber folgenden Gedanken interessant, den ich irgendwo einmal aufgeschnappt habe: Bestrafung kann entweder dazu verwendet werden, dem Verurteilten helfen, wieder auf die richtige Bahn zu kommen oder dazu, ihn büssen zu lassen und für andere als abschreckendes Beispiel zu dienen. Ob die westliche und die nah-östliche Kulturen zwei verschiedene Prinzipien verfolgen, kann ich nicht wirklich beurteilen.


sex on the beach

Geteilte Freude

[Kultur]

Die Überraschung ist wieder einmal perfekt: Der Bürogehilfe kommt und stellt mir ein leckeres Stück Schokoladenkuchen auf den Tisch. Er komme gleich wieder, meint er weiter. Und siehe da, es vergehen keine fünf Minuten und schon kreuzt er wieder auf mit einer Tüte voll mit Limos. Was ist der Anlas, frage ich. Die Antwort: Einer der Ingenieure hat seine Autoprüfung bestanden. Ich gratuliere der betreffenden Person umgehend und bedanke mich für die willkommenen Zuckergrüsse.

Süssigkeiten gibt es immer mal wieder – mal, weil jemand Vater wurde, mal, weil man ein neues Auto gekauft hat, mal, weil … Gründe gibt’s genügend.

Ein schöner Brauch, Freude zu verdoppeln indem man sie teilt. Sollte ich mir auch angewöhnen.


Die Bilder passen nicht ganz zum Text, sind aber auch typisch für Dubai – einmal aufgenommen in Bur Dubai und einmal in Deira.


in Bur dubai   in Deira Dubai

Dubai in aller Munde

[Kultur]

Ein Leser machte mich auf das aktuelle NZZ Folio aufmerksam, welches sich dem Thema Dubai annimmt. Ich habe mich bereits durch die online Ausgabe durchgelesen. Einige Aussagen finde ich so treffend, dass ich sie hier zitieren möchte:

"So viele Einheimische sehen in ihrem Land eher ein Geschäft als eine Heimat.“ – aus Scheich Mo hat einen Traum

„Das Rückgrat der emiratischen Gesellschaft ist das Clanwesen, eine Kultur allerdings, die sich touristisch-folkloristisch schwer vermitteln lässt.“ – aus Cinderella trifft Ali Baba

„Wer um die reichsten der ­Reichen buhlen will, muss Schauplätze und Ereignisse anbieten können, die den flüchtigen Geschmack dieser anspruchsvollen Klientel befriedigen.; – aus Dubai sein ist alles

Dubai creek

dubai from Burj al arab

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