Überlastete Infrastruktur

[Architektur]

In meinem Bericht über Iran erwähnte ich, dass Teheran ein massives Problem mit der Infrastruktur hat. Grund dafür ist weniger die eigentliche Planung als die Überbevölkerung der Wohnungen.

dubai traffic

Ein ähnliches Phänomen zeigt sich auch in Dubai. Wegen der Wohnungsnot und den enormen Mieten hausen in einem Zimmer oft mehr als zwei Personen, meist ganze Familien. Zudem werden gewisse Räume wie Fitnessraum oder Sicherheitsbüro zweckentfremdet und nach der Bauabnahme durch die Behörde zu Wohneinheiten umfunktioniert.

In der Planungsphase werden Wohneinheiten eine bestimmte Nutzerzahl zugeordnet, anhand deren dann die Strassen, das Elektrisch, die Abwasserdimensionierung und so weiter dimensioniert wird. Das gleiche gilt übrigens auch für Bürofläche. Verdoppelt oder verdreifacht sich nun die Anzahl der Benutzer, wird die Infrastruktur dreimal mehr belastet. Resultat: Die Strassen sind überlastet, Parkplätze fehlen an allen Ecken und Enden, das Stromnetz unterdimensioniert, die Abwasserkanalisation ebenfalls. Auch unser Haus wurde für weniger Bewohner geplant als nun hier unterkommen. Warum ich das weiss? Alle paar Tage steht wieder ein Tankwagen vor unserer Hütte und leert den Überlauftank vom liquiden Unrat, der über unserem Kontingent liegt.

waste water

Dubai Marina

[Architektur]

... und vor 4 1/2 Jahren sah das ganze so aus:

dubai marina 1 dubai marina 2
dubai marina 3 dubai marina 4

Dubai Marina

[Architektur]

Und das ganze bei Tag:

jbr 1jbr 2
jbr 3jbr 4

Dubai Marina

[Architektur]

Letzhin an einer Party... 32. Stock... Jumeirah Beach Residence... Blick auf Palme Jumeirah, Jumeirah Lake Towers und Dubai Marina.

jbr n 1jbr n 2
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Dubais Wirtschaft bald(?) gesättigt

[Architektur]
Dubais Wirtschaft wechselt langsam von einem Wachstumsmarkt zu einem gesättigten Markt. Anzeichen dazu häufen sich in letzter Zeit: So werden in einigen Läden die Plastiktüten nur gegen eine Gebühr ausgehändigt. Zuerst lief diese Aktion unter dem Deckmantel des Umweltschutzes (dafür habe ich enormes Verständnis). Als ich aber auch für mein extra Ketchup um einige Dirhams erleichtert wurde und das gleiche auch beim extra Zuckerguss für die Cinnabon geschah, dachte ich mir, dass generell die Unternehmen etwas enger kalkulieren müssen. Interessant dann die Information in der Zeitung: Bald muss man an der Tankstelle selber die Benzinsäule bedienen – unvorstellbar im Land der Bediensteten! Was wird als nächstes kommen?

Auch im meinem Beruf werden tüchtig Kosten reduziert. Gewisse Produktionszweige werden nach China und Indien ausgelagert. Von dort – genauer gesagt Mumbai und Pune – die folgenden Bilder.

Mumbai 1 mumbai 2mumbai 3 pune 1

Kunstausstellung in DIFC

[Kunst]

Es findet wieder einmal eine interessante Kunstausstellung im Foyer des Dubai International Financial Center statt, kurz DIFC. Sie ist nicht gross aber fein. Die Werke stammen von verschiedenen Künstlern und in verschiedenen Medien. Als ich dann so auf die Namen der Aussteller schaute, stutzte ich. Azza Al Qubaisi ist auch dabei! Die junge Emirati ist Künstlerin, Goldschmiedin und Geschäftsfrau. Sie half mir vor etwa einem halben Jahr einen meiner Wachsformen in Gold zu giessen. Es mag sein, dass Dubai und auch Abu Dhabi Millionenstädte sind, dennoch trifft man immer wieder auf dieselben Leute – mehr als ich es aus europäischen Metropolen kenne. Irgendwie scheint das Clanwesen auch in den modernen Emiraten weiterzuleben und zu behaupten. Eine schöne Sache – wo man sich freuen darf, wenn man dazu gehört.

Arbeit links ist von Azza Al Qubaisi

Azza Al Qubaisi DIFC Kunst

Und dies ist der Schmuck, den ich bei Azza gegossen habe.

design by Andre C. Meyerhans

Alkohol auf muslimischem Boden

[Kultur]
Alkohol ist in muslimischen Staaten verboten. Doch auch Muslime sind nur Menschen und verfallen bisweilen den alkoholischen Genüssen. Das Alkoholverbot wird somit auf findige Art umgangen – von Einzelpersonen wie auch vom Staat.

In Dubai kann jedes Hotel eine Alkohol Lizenz beantragen und dann in seinen Lokalitäten Alkohol ausschenken. Viele Leute jeglicher Religion nutzen dieses Angebot.

Will man im privaten Kreis ein Gläschen Wein trinken, kann man ebendiesen in speziell lizenzierten Läden besorgen. Einkaufen darf nur, wer eine Alkohollizenz hat und nur bis zu einem bestimmten Prozentsatz seines Lohnes. Gegen eine jährliche Gebühr kann jeder Ungläubige (also Nicht-Muslim) diese Lizenz beantragen.

Die Lizenz kann umgangen werden*, indem man im Duty-Free des Flughafens einkauft. Es ist allerdings zu bemerken, dass lediglich vier Flaschen pro Person gekauft werden dürfen und die feinen Wässerchen keinen Falls keinen Zoll frei sind. Ganz interessant finde ich dabei das Emirat Sharjah, welches der nördliche Nachbar von Dubai ist. Wegen seinen engen Verbindungen zu Saudi Arabien, gelten hier viel striktere religiöse Regeln. Alkohol ist absolut Tabu – auch in den Hotels. Nur schon das mitführen von Alkohol auf Sharjahs Boden ist strafbar! Im Duty-free des Sharjah Flughafens kann man jedoch Alkohol einkaufen. Als ich einmal dort einkaufte, liess ich mir vom dortigen Manager schriftlich bestätigen, dass es gesetzlich erlaubt sei, den hier erstandenen Alkohol straffrei nach Dubai zu bringen.

Ist man kein Vielflieger, ist die Shopperei am Flughafen keine Lösung. Hand bietet dann Ras Al Kheimah. Dort gibt es versteckt im Hinterhof die Alkohol Läden – zwei, um genau zu sein. Hier kann auch ohne Lizenz eingekauft werden – und günstiger als im Duty-Free. Bier und harte Wasser werden durch etliche kioskartige Fenster direkt auf den Hinterhof verkauft. Der Weinladen ist vielleicht gerade mal 25 m2. Laut dem Weinverkäufer liegt der tägliche Umsatz beim Traubensaft bei AED 10'000.-- (CHF 3000.--), bei den anderen Alkoholika bei AED 100'000.-- (CH 30'000.--). Ein gutes Geschäft mit wohl einem der höchsten Umsätze pro m2! Eingepackt wird der liquide Genuss übrigens ganz unauffällig in leuchtend blauen Plastiksäcken. Diskretion bei allfälligem umladen ist somit kaum möglich.

Meine Fotoaktivitäten wurden übrigens überhaupt nicht geschätzt!

*nur im Einkauf, denn auch zum Aufbewahren und Trinken in den privaten vier Wänden ist diese Lizenz von Nöten, will man sich nicht strafbar machen.

spirits über d Gass

Auf die Freundschaft trinken

[Kultur]

Trifft man sich im engeren Freundeskreis, kann es in Iran schon einmal passieren, dass aus irgend einer dunklen Ecke eine Flasche – oder viel erschreckender: ein Kanister – Alkohol hervorgezaubert wird. Alles ist Marke Eigendestillation und hochprozentig, wenn nicht gar selbst-entflammbar! Der Geist, welcher jenen Flaschen entweicht, zeichnet sich durch einen beissenden Geruch aus. Die im Destillat eingelegten Früchte helfen wenig, den Geruch oder Geschmack zu beeinflussen. Trotzdem, der Wille zählt. (Die ganz argen Wässerchen werden sowieso mit irgendwelchen Limonaden gemischt.) Abgefüllt wird das Konzentrat in alte Spirituosenflaschen – je bekannter der Name desto besser. Wie sich da das kecke Pin-up Girl auf der Whiskey-Klebeetikette über fünfzig Jahre retten konnte, bleibt mir ein Rätsel. Gereinigt werden die Flaschen wohl nur innen und wohl auch nur dank der desinfektionierenden Wirkung des Alkohols.

An ganz speziellen Anlässen wird dann das Schmuggelgut aufgetischt: Die Markenprodukte – sei’s nun Spirituosen oder Bier. Iran ist eben doch nicht so abgeschottet von der Welt, wie man meint.

Wer anhand der obigen Zeilen meint, ich hätte in Iran Alkohol getrunken oder auch nur gesehen, dass es solchen gibt, wurde in die Irre geführt. Iran ist ein muslimisches Land. Alkohol ist verboten und existiert nicht.

darband

Persische Architektur

[Architektur]
Iran bietet auch architektonisch einiges. Etwa 15 Millionen Menschen wohnen in Teheran allein. Dass dabei die Dimensionen etwas grösser geraten als in der Schweiz, dürfte selbstverständlich sein. Eines jener dominanteren Gebäude ist der Tehran International Tower, ein Hochhaus mit 3flügligem Grundriss. Prominent im Stadtbild ist auch der Milad Tower. Ähnlich dem CN Tower in Toronto – und nur wenig bei ihm überragt – wird der Turm für die Telekommunikation gebraucht und soll dereinst ein drehbares Restaurant beherbergen.

tehran international tower milad tower

Die Bauweise im Iran unterscheidet sich von Europa und Dubai. Die meisten Bauten werden als Stahlgerippe hochgezogen und dann mit Blockwerk ausgefüllt. Die Rohbaustrukturen haben dadurch eine ganz eigene Ästhetik.

rohbau teheran

Immer wieder begegnet man Gebäuden, bei welchen man das traditionsreiche Gespür für Geometrie der Perser zu erkennen glaubt. Ein solches Projekt entdeckte ich östlich von Damavand. Die Grundfigur wurde denkbar einfach gehalten. Die weitere Organisation ist aber ein interessantes Spiel von punktsymmetrischer Logik, ähnlich jener der traditionellen persischen Muster. Die Raumorientierung wie Raumauflösung sind ebenfalls Gestaltungsparameter mit denen der Iranische Architekt Saeed Saadati spielt. Dabei gefällt mir, dass der 33jährige mit klaren Linien arbeitet und so den Blick frei hält auf seine durchdachte Geometrie. Ein gutes Beispiel, wie ein kulturelles Erbe eine zeitgenössische Form findet.

saeed Saadati 1

Saeed Saadati 2 Saeed Saadati 3

Eng. Saeed Saadatis Kontakt: saeed_saadati@yahoo.com oder paymans@gmail.com – kenne ihn aber nicht!

 

And for my English-speaking friends:

Persian Architecture

Iran is also an interesting place when it comes to architecture. The population of the capital Tehran is about 15 millions. Hence, it does not surprise when dimensions are a bit bigger than in Switzerland, where the population of the whole country is about 7.5 million. One of the dominant buildings is the Tehran International Tower, a high-rise building with a three-winged floor plan. Another prominent structure in the skyline is the Milad Tower. Similar to the CN Tower in Toronto, Canada – and only overtopped by a few meters – the city needle will be used for telecommunication; a rotating restaurant will cater for tourists.

tehran international tower  milad tower

Construction varies quite a bit when comparing Iran with Europe or Dubai. Most of the buildings are erected as a steel structure – and not concrete. Openings will be filled in with block work later on. The bare skeletons unfold an aesthetic of their own.

rohbau teheran

Every once in a while, one sees a building which seems to hold the historic spirit of the Persian masterminds of geometry. I was introduced to one of these houses a little bit east of Damavand. Its basic shape kept simple, yet all subsequent organization is an interesting play with point-symmetrical logic – similar to the one of traditional patterns in Persia. Space orientation and dissolving of space defining elements are also part of the design vocabulary used by the Iranian architect Saeed Saadati. The 33-year-old captivates with his clear lines. As such, one’s view does not get distracted from the thought-through geometry. I would consider this a good sample where cultural legacy finds a contemporary form.

saeed Saadati 1

Saeed Saadati 2 Saeed Saadati 3

Eng. Saeed Saadati's contact: saeed_saadati@yahoo.com or paymans@gmail.com – Just for your information: I have never met him!

Typisch Dubai

[Kultur]

Das Time Out Magazine gibt’s auch in Dubai – jede Woche neu. Die Ausgabe dieser Woche ist überaus bezeichnend für den Lebensstil in der Wüstenmetropole. Der Titel heisst: Wie kann man eine Milliarde Dirham (ca. CHF 300'000.--) in einem Tag ausgeben? Die Ideen zeugen nicht unbedingt von Einfallsreichtum sondern eher von Darstellungsdrang eines Dubai-Normalverbrauchers. So werden goldene und diamantene Mobiles und Federhalter neben Bugattis, Inseln und Yachten gezeigt. Mieten von Ski Dubai, Flugzeugen, Clubs oder Burj Al Arabs Royal Suite wird ebenfalls angepriesen. Alles, wie gesagt, entlockt mir nur ein müdes Lächeln. Was ich dann aber doch ganz cool fand, ist die Ecke: Wie man sich auch gratis amüsieren kann. Dies weniger, weil ich ein knausriger Kerl bin, sondern weil es ein Weg aufzeigt, wie man das eigentliche System Dubais, die Kommerzialität, unterlaufen kann.

time out dubai

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