|  2008-11-28
Von André Meyerhans @ 12:25 Dubai Smile soll die neue Brücke heissen, welche die schwimmende Brücke über den Creek ersetzen wird. Somit wird es bald sieben permanente Möglichkeiten geben, den Wasserarm Dubais zu überqueren. Der Entwurf stammt aus einem eingeladenen Wettbewerb. Der Smile erfüllte RTAs Wunsch, ein weltweit einmaliges Design zu haben. Die Form soll das enorme Wachstum Dubais veranschaulichen und für Einwohner wie Gäste eine Geste des Willkommens sein.
Interessant finde ich, dass die RTA sich durchgerungen hat, eine Hängebrücke zu bauen. Noch vor drei Jahren wollten die Entscheidungsträger nichts davon wissen. Sie fürchteten, dass das aggressive Klima einer solchen Strukture zu sehr zusetzen könnte.
Das Design selbst finde ich nicht schlecht aber auch nicht so umwerfend, wie einem die Herren weiss machen möchten. So ikonographisch finde ich die Brücke nicht. Anfangs dachte ich sogar, sie hätte einen Designfehler: Aus statischen Gründen wäre ein Zugseil zwischen den zwei Spitzen des Smiles von Vorteil. Ich bin noch immer überzeugt, dass dieses Zugseil von der Designidee her betrachtet logisch, respektive beinahe zwingend, wäre, kann aber gut darauf verzichten, sollte dies mir die Reisezeit nach Sharjah halbieren. Mit der Designbegründung kann ich – wie sehr oft – überhaupt nichts anfangen. Ich finde sie sogar arg schlecht und hoffe, dass gewisse Architekten und Ingenieure in Zukunft darauf verzichten werden, ihr solides Handwerk mit ungeistigem Gedusel zu verunstalten.

Und einige technische Daten:
Spannweite: 400m Breite: 61.6m (6 Spuren in jede Richtung) Höhe des Smile: 100m Lichte Höhe: 15m Fertigstellung: 2012 Bauherring: RTA (Road and Transport Authority) Projektierte Kosten: AED 810 Millionen (CHF 270 Millionen) 2008-11-25
Von André Meyerhans @ 19:41 Halawa ist eine süsse Spezialität des Nahen Ostens. Besonders lecker sollen die Halawa Omani und die Halawa Bahraini sein. Mein Exemplar hier stammt aus Bahrain.
Halawa wird zu Tee oder Kaffee genossen und ist zuckersüss. Safran und Kardamon gehören ebenfalls zum Rezept. Normalerweise ist Halawa zähflüssig und warm – meines ist kalt und stichfest … aber trotzdem lecker. Nüsse geben dem ganzen einen frischen und knackigen Beigeschmack.
Meine emiratischen Freunde schwelgen schon jetzt von den grossen Schüsseln voll Halawa, welche an Eid jeweils ab zehn Uhr morgens auf dem Tisch steht – respektive auf der Essensdecke am Boden. Tja, bald werden sie ihren „Gluscht“ stillen können: Eid wird in der zweiten Dezemberwoche gefeiert.

2008-11-20
Von André Meyerhans @ 19:27 Das Morgenland ist bekannt für Weihrauch – nicht nur zur Zeit der drei Weisen sondern auch heute noch. Für viele meiner emiratischen Freunde ist dieser wohlriechende Duft etwas selbstverständliches in ihrem Haus. Nicht schlecht staunte ich aber, als ich in einem Büro miterleben durfte, wie die Räumlichkeiten am Morgen einmal kurz eingeräuchert wurden. Zuerst etwas bissig, dann aber gefällig und immer süsslicher werdend breitete sich der Duft aus. Was für ein toller Start in den Arbeitstag!
Weihrauch ist nicht gleich Weihrauch. Der beste kommt, wie bereits einmal geschrieben, aus Salalah, Oman. Im oben genannten Büro wird entweder Oud oder Bukhoor verwendet. (Der Oud aus Salalah wird Dehn el Oud genannt.) Oud sind die Harzklumpen deren Duft im Prinzip als männlich erachtet wird. Bukhoor ist Pulver – wenn ich mich nicht irre aus Rinde gewonnen und zum Teil mit Ölen versetzt. Bukhoor schickt sich für die Frau. Mir wurde übrigens gesagt, dass Frauen sich – oder wohl eher ihre Kleider – bisweilen erst mit Bukhoor einräuchern und dann noch mit einem westlichen Parfüm besprühen.
Weihrauch kann nicht nur versengt werden. Man gewinnt auch ölige Essenzen daraus, welche als Parfüms verwendet werden. Die Flüssigkeiten sind so stark, dass ich sie eher als Duftkonzentrate ansehe. Die Einheimischen verwenden sie jedoch als Eau de Parfum. Für westliche Nasen mag der Duft am Anfang etwas penetrant erscheinen; er verfeinert sich aber … nach zweit Tagen (Erkenntnis aus einem Selbstexperiment).
Oud ist nicht nur ein Schönheitsprodukt, es soll auch antiseptische Wirkung haben. Das kann ich nachvollziehen. Dass es aber auch gegen schlechte Augen helfen soll, wage ich zu bezweifeln.

Von André Meyerhans @ 19:20 In Abu Dhabi findet die Art Paris statt.
Was: Moderne und zeitgenössische Kunstmesse
Wo: Emirates Palace
Wann: 18. bis 21. November
Hier einige interessante Links, welche mir aus der Schweiz zugesendet wurden - vielen Dank:
Finanzkriese - Dubai-Villen zum Schnäppchenpreis
Hotel-Eröffnung der Superlative: Dubai verspricht die Party des Jahrzehnts
Karriere am Golf: Ein Schwabe in Dubai 2008-11-16
Von André Meyerhans @ 18:53 Eigentlich wollte ich etwas zur wirtschaftlichen Situation schreiben, tu dies aber aus zwei Gründen nicht – a) es handelt sich dabei nur um Gerüchte und b) habe ich einen Kommentar zu meinem Bericht über die Sportler-Gebäude erhalten, den ich beantworten möchte.
Bekannte Namen halfen schon immer die Kassen klingeln zu lassen. Es ist auch nichts Neues, dass etwas Ruhm auf einem fällt, wenn man sich in die Nähe eines Stars stellt. Insofern nehme ich an, dass die Firma hinter den Sportler-Gebäuden marketingtechnisch einen Erfolg verzeichnen konnte (habe dies aber nicht überprüft).
Meine Bemerkung beruhte auf folgenden zwei Punkten:
1) eine Immobilie ist ein Investitionsgut. Ein Kaufentscheid für ein Investitionsgut wird normalerweise eher rational gefällt, also auf harten Fakten basierend, als emotional. Dies liegt zum einen daran, dass meist mehrere Personen über Diskussionen im Entscheidungsprozess involviert sind und zum anderen, dass die zu verwendende Geldmenge für die meisten Leute signifikant genug ist, über die Investition gründlich nachzudenken.
2) Ein Testimonial soll die Glaubwürdigkeit einer Werbebotschaft steigern. Dass dies ein Star auf einer emotionalen Ebene tun kann, davon bin ich überzeugt. Wenn es jedoch um Fakten geht, dann zweifle ich daran (es sei denn er ist eine Koryphäe auf dem Gebiet) – und es wundert mich, dass andere dies nicht tun.
Die Werbekampagne eines Schweizer Küchengerätherstellers mit einer noch bekannteren Schweizer Sportlerin war ein Erfolg. Ich bezweifle jedoch, dass dieser Erfolg darauf beruhte, dass die Sportlerin als Garant für die Qualität der Produkte angesehen wurde. Vielmehr lag es wohl an der denkbar komischen Kombination und der Hartnäckigkeit mit welcher der Hersteller an besagtem Star festhielt.
Interessant finde ich aber eine Studie, welche an der Universität St. Gallen durchgeführt wurde und aufzeigte, dass starke Marken – und ich nehme an auch bekannte Stars sind starke Marken – Emotionen wecken und bewirken, dass Käufer weniger auf den Preis des Produktes achten. Insofern finde ich den Gebrauch von Stars Zwecks Absatzsteigerung im Immobilienmarkt nicht ganz uninteressant.
Noch kurz zu einer Bemerkung im Kommentar zu meinem Blogbeitrag: Die Begründung für zwei Türme im Lauda-Projekt sollen seine zwei Söhne sein. Architektonisch ist dies ein absoluter Nonsens! Die Form ist garantiert aus der Maximierung des Grundstücks entstanden. Zudem bewundert man Herr Lauda für seine sportlichen Leistungen und nicht für seine Fortpflanzung. Somit wäre es angebrachter eine sportliche Leistung zu finden, welche die zwei Türme begründen könnte.
Da wir nun schon mal bei den Sport-Star-Gebäuden sind, hier noch ein Projekt derselben Firma: Hier finde ich allerdings, dass der Testimonial Boris Becker eine glückliche Wahl ist – die formale Architektur hingegen etwas weniger.
Der Tennisschmetterling
Für eine Milliarde Schweizer Franken soll auf einer künstlichen Insel vor Ras Al Khaimah eine Überbauung entstehen mit Ferienwohnungen, Resort, 5sterne Hotel, Spa und einer Tennisakademie mit sechs Tennisplätzen. Schmetterlinge im Bauch ob diesem Angebot? Falls nicht, dann sind Sie nicht Teil der Zielgruppe: Des obersten Segments der globalen Investorenschickaria für Urlaubsdestinationen. Hinter diesem Angebot steht zu 50% Herr Becker. Er möchte den Emiratis Tennis auf Weltniveau vermitteln – Auserlesenen sogar persönlich.
Soviel zum Hintergrund des Projektes – nun zur Architektur: Siebenstöckig, mit Solarzellen und formalistisch inspiriert von der Natur – mit dieser Kombination will sich der Bau gemäss Pressetext von der Masse abheben. Gottlob wurde das Konzept zur Formfindung erklärt, sonst wäre ich im Glauben gelassen worden, es handle sich um einen Schmetterling: „Aus der Vogelperspektive erzählt die massive Küstenüberbauung die Geschichte der Meeresschildkröte, in der Folklore mit Langlebigkeit und Ausdauer in Zusammenhang gebracht, und wie sie am Strand ein Nest macht.“ (aus dem Englischen von einem Laienübersetzer). Was dabei herausgekommen ist, ist etwas einfältig und wenig inspirierend – wenigstens für mich. Hier das Projekt.

Ich verstehe die Kombination Tennisakademie und Boris Becker. Ich verstehe die Kombination Strand und Meeresschildkröte mit folgenden zwei Einschränkungen: 1) Soweit ich weiss, nesten die Meeresechsen lediglich am Indischen Ozean und beinahe ausschliesslich in Oman. 2) Die formalistische Umsetzung der Idee ist zu direkt, um inspirierend zu sein. Beim Produktemix bin ich mir auch nicht so ganz sicher – er scheint etwas zusammengewürfelt zu sein.
Dennoch wünsche ich dem Projekt und allen Beteiligten – vor allem den Investoren – alles Gute und viel Glück.
Und der Person, welche mir den Kommentar geschrieben hat – vielen Dank für die Rückmeldung, meine Bemerkungen wie immer nur halb so heiss essen, wie ich sie serviere und ich freue mich auf den nächsten Kommentar. Mit freundlichen Grüssen, André 2008-11-13
Von André Meyerhans @ 18:26 War soeben auf dem Blog meiner Kollegin Thérèse Balduzzi in New York und möchte ihren aktuellen Beitrag aus dem „anderswo“ ergänzen.
Auch in Dubai steht’s um die Architekten nicht sehr gut. Zum ersten mal seit dem Aufschwung bangen die kreativen Ingenieure um ihre Stelle. Bei einigen hat das Bangen bereits ein Ende gefunden. Omniyat und Damac strichen bereits einige Hundert Stellen, so wird gemunkelt. (Hier ein Zeitungsartikel und hier ein anderer.) Auch Emaar und Nakheel werden wohl folgen.
Die Kreditwürdigkeit ist allgemein tief. Einige Banken sollen aber prinzipiell keine Gelder mehr an Leute in der Baubranche geben, da deren Einstellungssituation und somit die Zahlungsfähigkeit, als äusserst unsicher eingestuft wird.
Arbeitslosigkeit hat in Dubai übrigens eine andere Dimension als in anderen Ländern: Arbeitslosengelder gibt’s keine, ein soziales Auffangsnetz für Ausländer existiert nicht. Verliert man seinen Job, verliert man sein Arbeitsvisum und muss das Land innerhalb von zwei Monaten verlassen. Tja, das ist die Kehrseite dieser schillernden Stadt.
Von André Meyerhans @ 17:47 Was geht denn so ab an einem emiratischen Polterabend – das nimmt bestimmt nicht nur mich wunder sondern auch meine Leser. Leider kann ich nicht aus erster Hand berichten, denn es handelt sich um den Polterabend der Frauen – Männer nicht zugelassen!
Gestern traf ich ein Kollegin von mir. Ihre Hände waren überreich verziert mit Henna Mustern. Am Abend zuvor war sie an einem Polterabend von einer Freundin. So gegen sieben ging sie zum Haus - dicht mit Lichtergirlanden behangen - der zukünftigen Braut, wie alle anderen Freundinnen auch. Die Männer waren ausgeflogen, das Haus gehörte den Frauen! Drinnen war alles dekoriert in Grün und Gold – so will es die Tradition. Im Majlis sassen die Girls dann zusammen, die Braut wohl gebettet in weichen Kissen. Auch ihre Füsse lagen auf einem Kissen. Frauen aus einem Schönheitssalon zeichneten traditionelle oder moderne Muster auf Hände und Füsse. Alle Freundinnen liessen sich mit Henna verzieren – meine Kollegin wählte ein modernes Design. Dazwischen tat man sich an verschiedenen Leckereien gütlich. Zu plaudern gab es auch genug. Nach einer Stunde war die Hennapaste eingetrocknet. Die Frauen konnten die Kruste sorgfältig abnehmen. Abwaschen wäre nicht gut, dies würde die Zeichnungen verwischen.
Meine Kollegin berichtete, dass manchmal auch live Musik gespielt würde. Sie hätten mehr moderne Musik ab CD gespielt und dazu getanzt, wieder mal etwas gegessen und viel geplaudert. Der Abend habe bis in die frühen Morgenstunden gedauert.
Abayas und Hijab wurden übrigens an der Garderobe abgelegt, Frau war ja unter sich.
Zwei Tage später, also heute, findet die Hochzeit statt. Werde also nach dem Wochenende mehr erfahren, wie es auf einer emiratischen Hochzeit zu und her geht, wenn man eine Frau ist. Was man als Mann erlebt, habe ich ja selbst erlebt und beschrieben.
Henna ist übrigens nicht ausschliesslich Frauensache. Die Tradition will es, dass sich der Bräutigam, seltener andere Hochzeitsgäste, die Fingerkuppen oder –Nägel mit Henna einfärben. Dies geschieht flächig und nicht in Mustern. Ich habe das erst einmal gesehen und zwar in Katar. Hierzulande gibt es auch den Brauch, Henna auf die Fusssohlen des Bräutigams aufzutragen. Dies ist weniger zur Zierde als eine Art Kur – wie eine Gesichtsmaske. Es soll kühlende Wirkung haben.

2008-11-11
Von André Meyerhans @ 21:28 Was weiss Niki Lauda über Gebäude? Wie vertrauenswürdig ist Boris Becker in bezug auf Bürohäuser? Michael Schumacher ist definitiv eine Koryphäe im Bereich Real Estate – oder nicht? Ich würde wohl eher dem Pelzebub meine Seele anvertrauen, als Sportlern in Sachen Immobilieninvestitionen ein Ohr zu leihen. Vor allem bei manchen der in Rente gegangener Sportlern hört man, dass deren Händchen in geschäftlichen Dingen gar nicht mehr so goldig sind wie im Sport.
Ich verstehe auch die Logik der Unternehmer nicht, welche irgend einen Zusammenhang zwischen einem Ex-Sportler und einem Gebäude am anderen Ende der Welt herstellen. Der Gedanke eine prominente Person, welche auf dem Gebiet des Produktes unqualifiziert ist, als Beeinflusser in der Werbung zu verwenden, mag ja bei Konsumgütern funktionieren – aber bei einem Investitionsgut, wo Informationen massgeblich zur Kaufentscheidung beitragen, ist mir das etwas schleierhaft.
Lassen wir die inkompetente Immobilienprominenz beiseite und betrachten die Architektur. Nicht schlecht, könnte man meinen. Vor allem der eine Entwurf, der anscheinend nur aus Fragmenten von Würfelkanten besteht. Interessant – nicht? Aber schon einmal gesehen? In China vielleicht? Wie wär’s mit dem CCTV Gebäude von Rem Koohlhaas? Schon eine traurige Sache, wenn ein Architekt lediglich kopieren kann – und noch deprimierender, wenn sich ein ehemals erfolgreicher Athlet, eine Nummer eins, als Aushängeschild für eine Kopie hergibt, eine Nummer zwei.
Anbei ein kleines Memory Spiel: unten stehende Bilder sind den entsprechenden Paten (Niki Lauda, Boris Becker, Michael Schumacher) zuzuordnen. Auflösung werde ich keine bieten, da die Zuordnung sowieso rein willkürlich passiert ist – so scheint’s. Für all jene, welche es doch wissen möchten, empfehle ich eine Recherche im Internet.
 
Und das CCTV Gebäude von Rem Koolhaas : 2008-11-07
Von André Meyerhans @ 06:50 Man kann ja nicht nur darüber lästern, sondern man sollte sich schon selbst ein Bild davon machen. Somit ging’s gestern in die Dubai Mall.
Die Anlage ist gewaltig. Auf vier Ebenen schlendert man an über 1000 Läden vorbei. Immer wieder gibt’s Verbindungen zu den anderen Etagen und Knotenpunkte, welche dank ihren Attraktionen als Orientierungshilfe dienen. Die Wegführung ist denkbar simpel – eine abstrahierte Acht – mit den Attraktionen logisch verteilt. Dass man sich doch nicht so ganz zurecht findet, schreibe ich weniger der gewaltigen Ausdehnung zu, sondern dem Fakt dass es keine Möglichkeit einer Referenz in einem übergeordneten System gibt. Was ich damit sagen möchte, ist folgendes: In einer normalen Stadt gibt es zum Beispiel einen Kirchturm, nach dem man sich richten kann und gemäss welchem man immer weiss, wo im Verhältnis zur Gesamtheit man sich befindet. In der Dubai Mall – wie auch in anderen nach Innen gerichteten Anlagen wie Casinos – fehlt dieser Bezug und zwar ganz bewusst. Die Orientierung ist lediglich selbstbezogen.
Die Dubai Mall hat enormes Potenzial, ein städtischer Ort zu werden. Dank den breiten Wegen, den verschiedenartigen Plätzen mit etlichen Sitzgelegenheiten und den vielen Sehenswürdigkeiten, welche nichts mit Konsum zu tun haben, wird dieser halböffentliche Raum hoffentlich bald wie ein öffentlicher Raum eingenommen. Hoffentlich auch mit den nicht-autorisierten Aktivitäten, was ich aber bezweifle.
Ich bin immer wieder erstaunt, wie Dubai es schafft, Grosses zu schaffen. Mit der Dubai Mall ist es wieder einmal gelungen. Schaut man etwas genauer ins Detail, mag etwas Ernüchterung aufkommen, sollte aber dem Gesamteindruck nichts anhaben. Was mich auch immer wieder erstaunt, dass Dubai es nie schafft, den Verkehr in den Griff zu kriegen. Um zehn Uhr abends stand ich für etwas zu lange im Stau, nur um in der Parkanlage das absolute Blechchaos zu erleben. Das Verlassen des Konsumtempels gegen Mitternacht war noch eindrucksvoller: geschlagene 20 Minuten irrte ich in der Anlage herum, fuhr die Rampe hoch, drehte nach links, Etagen runter, gerade aus, dann rechts… Endlich spuckte mich das Teil aus – an einer ganz anderen Ecke als ich wollte. Empfehlung: Anreise per Taxe und viel Glück wieder eine zu kriegen beim Verlassen!
Und noch ein kleiner Nachtrag zum Aquarium: Es ist wirklich eindrucksvoll!
Fotos sind enorm schlecht, da mit dem Mobiltelefon aufgenommen – sorry.
 
2008-11-05
Von André Meyerhans @ 17:03 Eigentlich hätte folgender Text in der Hochparterre Printausgabe vor ein paar Monaten erscheinen sollen. Doch die Reihe „Barkante“ wurde aus dem Sortiment gestrichen, noch bevor ich es auf die letzte Seite schaffte. Tja, so ist das Leben!
Da ich jedoch mein eigenes (online) Hochparterre-Heft herausgebe, verschaffe ich nun meiner Barkante einen Platz auf der Titelseite – wenigstens für ein paar Tage.

Mit André Meyerhans in der «Roof Top» Bar in Dubai, März 2008
Dubai ist noch nicht gebaut
Manchmal entscheidet der Preis eines Flugtickets, wie es im Leben weiter geht. So war es bei André Meyerhans, der nun seit fünf Jahren in Dubai lebt, arbeitet und Autor des Hochparterre Dubai Blogs ist. «Das Ticket nach Dubai war günstiger als nach Shanghai. Deshalb bin ich hier» fährt der diplomierte Architekt lachend fort, während wir uns einen Platz in der angesagten «Roof Top» Bar des Fünfsternehotels «The One&Only Royal Mirage» aussuchen. Es ist früh am Abend und wir haben das Lokal noch fast für uns alleine. An diesem erholsamen Ort im maurischen Stil und mit wunderbarer Aussicht aufs Meer, den Burj Al Arab und die Hochhäuserkulisse, bestellen wir uns etwas zu trinken. André Meyerhans wählt einen «Big Blue» Drink, ich der heissen Temperaturen noch nicht gewohnt, bleibe beim Wasser. Die Bar hat der Schweizer ausgesucht, weil man von hier die künstlich im Meer aufgeschüttete Insel «Palme Jumeirah» in der Ferne erspäht. Auf diesem neu gewonnen Land betreut der Architekt eine Baustelle für seinen Arbeitgeber Asteco Development Management. Seine Aufgabe ist es Immobilien für private Investmentfunds zu entwickeln. Dazu gehören Kosten-Nutzenanalysen, Marktabschätzungen, Portfoliostrategien, die Auswahl von Architekten, Ingenieuren und Baufirmen sowie überwachen des gesamten Planungs- und Bauprozesses. Gefragt ist, was hohe Renditen abwirft und womit sich die Bauherrschaft profilieren kann.
Zurzeit betreut der Architekt eine Doppelparzelle auf dem äussersten Ring der «Palme Jumeirah», dem «Crescent». Dort entstehen unter anderem auf 60’000m2: ein Hotel aus Villen mit 300 Betten, 450 Wohneinheiten, ein Unterwasser-Spa, ein Unterwasser-Restaurant, etliche „normale“ Restaurants und drei grosse Pools in Form natürlicher Lagunen. «In Dubai faszinieren mich weniger die gestalterischen Elemente der Architektur, als die Grösse und das Tempo in welchem gebaut wird», erklärt Meyerhans. Ein Beispiel: Eine ähnliche Doppelparzelle wie sie der Schweizer zurzeit betreut, hat sein Auftraggeber in etwas weniger als zwei Jahren geplant und realisiert. Oder: Der Stadtteil Dubai Marina wurde gar in nur fünf Jahren erbaut. Wo heute 150 Wohntürme stehen, gab es vor kurzem nur Sand. «Für Schweizer sind die hiesigen Dimensionen am Anfang unfassbar», stellt Meyerhans fest und ergänzt: «Doch heute sind erst 20 Prozent der geplanten Stadt realisiert.»
Um planen und bauen zu können, müsse man jemanden aus der Herrscherfamilie oder einer anderen einflussreichen Familien kennen oder von ihnen beauftragt werden. Als Ausländer müsse man dafür entweder berühmt sein oder mit lokalen Partnern zusammen spannen. «Öffentliche Wettbewerbe? Nein das gibt’s hier nicht», stellt er klar.
In der Zwischenzeit hat sich die Bar gefüllt. Es dunkelt und die Temperaturen bleiben warm. In der «Roof Top» Bar gehen die vielen Westler, die in Dubai arbeiten aber auch die Jeunesse dorée der Emiraten aus. André Meyerhans bestellt noch ein Bier.
Auf die vielen Arbeiter aus Asien angesprochen, die die Bauträume realisieren, meint Meyerhans: «Schwarz malen, mag ich nicht. Klar arbeiten sie hart, aber sie verdienen etwas. In ihren Ländern tun sie dies nicht. Meistens kommt eine ganze Gruppe aus einer Region gemeinsam nach Dubai. Sie können hier eingeschränkt, aber dennoch in ihrem kulturellen Umfeld leben.» Es sei auch nicht so, dass alle Asiaten nur auf Baustellen arbeiten würden, wirft der Architekt ein. Inder zum Beispiel besässen den grössten Anteil an Wohneigentum in Dubai, der von Ausländern erworben werden kann und sie gehören zu den erfolgreichsten Geschäftsleuten der Stadt. Der Schweizer findet, Dubai biete vielen Ausländer gute Arbeitsmöglichkeiten, auch wenn man die Mentalität der Emiratis nicht immer verstehe oder man gewisse Aufgaben im Westen anders lösen würde. Als Beispiel aus der Baubranche führt er eine kleine Fischersiedlung nicht unweit der «Roof Top» Bar an. Diese steht wie ein Relikt vergangener Zeiten von einer Mauer umfriedet, zwischen neuen Villen und Strassen am Strand. Laut Meyerhans steht die Siedlung noch an diesem attraktiven Bauort, weil ein Cousin von Dubais Herrscher Scheich Maktoum seine schützende Hand darüber hält. Den Fischern gegenüber, draussen im Meer, befindet sich das neue, künstliche Inselkonglomerat «The World», welches einen Hafen braucht, um seine baldigen Bewohner mit Booten hin und her zu transportieren. Da dies angesichts des Protektorats am Ufer nicht geht, wird draussen im Meer ein künstlicher Hafen mit Anschluss ans Festland angelegt. «Für westliche Ohren tönt dies absurd, für Dubai ist dies normal», meint Meyerhans und nimmt einen abschliessenden Schluck von seinem Bier.
Zur Autorin:
Ariana Pradal studierte Industrial Design. Sie arbeitet als Journalistin und Kuratorin im Bereich Design und Architektur für Schweizer wie ausländische Zeitschriften und Museen. Kürzlich hat sie mit dem Schweizer Designer Frédéric Dedelley im Verlag Lars Müller das Buch Design Detective herausgegeben. Ihre letzte Ausstellung, Korrektes Wasser im Gelben Haus, hat grosse Anerkennung gewonnen.
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