Hochhausbeleuchtung einmal anders

[Architektur]

Der Gedanke ist nicht neu und doch, man sieht’s so selten, dass es mir einen Blogeintrag wert ist. Wieso müssen Gebäude immer von aussen beleuchtet werden, wenn doch ein komplettes Beleuchtungssystem im Innern vorhanden ist? Schon einige Künstler und Aktivisten verfolgten diese Idee und gelangten zu erstaunlichen Ergebnissen. Einige schafften es sogar in etwas renommiertere online Publikationen als den Dubaiblog. Wir fokussieren uns aber auf Dubai und haben auch etwas zu berichten: Der Al Habtoor Büroturm in der Dubai Marina wird ebenfalls von innen heraus beleuchtet. Ein Zick-Zack Muster läuft über den ganzen Turm. Dass das Muster weder dynamisch noch interaktiv tut der Erscheinung wenig an – sie sticht deutlich heraus aus dem Getümmel an Betonriesen. Trotzdem gebe ich zu, dass man diese Idee noch etwas weiter hätte treiben können. Meine Freunde fanden die Sache weniger spektakulär und meinten, diese Beleuchtung sei nur möglich, weil der Trum noch nicht vermietet sei oder, wenn sie ein Buero dort hätten, wünschten sie nicht, dass während der Nacht das Licht brenne. – Tja, da blieb mir nu eins: Solange weiter Biers bestellen, bis auch ihnen die Beleuchtung gefiel.

al habtoor by night

UAW – unglaublich aber wahr

[Kultur]
So hiess eine Fernsehsendung in den 80ern, welche Kindern Dinge vorstellte, die jenseits des Vorstellbaren lagen. In Dubai erlebe ich bisweilen auch Dinge, die unglaublich aber wahr sind:

Schnee in den Vereinigten Arabischen Emiraten! Man soll’s nicht glauben, aber es ist wahr! Letztes Wochenende war in Ras Al Kheimah Frau Holle am Werke und überzog die höheren Lagen mit einem dünnen Zuckerguss. Es reichte aus zum Schneemänner bauen, wie die lokale Zeitung berichtete. Ich tummelte mich leider nicht im Schnee sondern büffelte in Dubai. Nun ist es zu spät, die weisse Pracht zu geniessen: Der Schnee ist geschmolzen – aber die Kälte ist geblieben (in Dubai: 22 Grad am Tag und etwa 15 Grad in der Nacht).

snow in uae


Chaotisches Warten für drei Stunden! Man soll’s nicht glauben, aber es ist wahr. Vorgestern musste ich meine Occupational Health Card erneuern, den Gesundheitsattest für Arbeitnehmer. Ich war nicht sonderlich erfreut darüber, denn im November durchlief ich das ganze Prozedere für mein Arbeitsvisum (ohne das Warten). Nun musste ich es wiederholen, für mein Hobby. (Ich unterrichte Kampfsport.) Und so lief das Theater ab: In eine Schreibstube gehen, Anmeldeformular ausfüllen lassen; zur Registration gehen, zurückgewiesen werden; zur Schreibstube gehen und Anmeldegebühr bezahlen (inklusive Aufpreis); an der Registration Schlange stehen, Nummer 1756 erhalten während derzeit 1335 bedient wurde. Die nächsten drei Stunden verliefen wie folgt: Alle Antragsteller warten draussen, ein Angestellter kam bisweilen raus mit einer Beige unserer Formularen, er schrie die Nummern und wir schrien zurück, falls es unsere Nummer war. Man könnte meinen, das wäre einfach – dem war weit gefehlt. Das ganze glich einem Bingo Spiel, denn die Nummern waren verstreut. Zudem drückte manchmal die Muttersprache des Ausrufers zu stark durch und ich verstand nichts. Und dann waren da noch die kulturellen Unterschiede im Verständnis um körperlicher Distanz… Nach drei Stunden erreichten wir die 1800er Zahlen, und ich war immer noch am ‘rumstehen. Meine Geduld war am Ende, und ich wendete mich an die Autoritätsperson, die mich zuvor so genüsslich zum Anstehen angewiesen hatte. Er dachte wohl, ich hätte nun genug gewartet und gab mir drei Minuten später mein Formular. Nun ging’s ruck zuck – Lunge wurde nicht abgehört, Röntgenbild durfte ich überspringen, nur den AIDS Test musste ich machen. Dann war ich ‘raus – vier Stunden später! Ich bin mir am überlegen, ob es weiterhin wert ist, Hapkido zu unterrichten. Mir fehlt die Gelassenheit, Stunden im Getümmel zu warten!

waiting

Galerien in Dubai

[Kunst]
Sehr geehrte Frau Giesselmann

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie wollten gerne mehr über die Galerien in Dubai wissen. Hier eine Ansammlung:

Galerien mit internationaler Ausrichtung:

http://www.b21gallery.com
http://www.focusartgallery.com
http://www.courtyardgallerydubai.com
http://www.artattackgallery.net
http://www.gagallery.com
http://www.cuadroart.com
http://www.majlisgallery.com
http://www.xvagallery.com

Galerien mit Schwerpunkt Naher Osten:

http://www.thethirdline.com
http://www.the-flyinghouse.com
http://www.basementdubai.com
http://www.artspace-dubai-com
http://www.meem.ae

Weitere Galerien:

http://www.ayyamgallery.com
http://www.artdubai.com
http://www.4walls-dubai.com
http://www.1x1artspace.com
http://www.arthousedubai.com
http://www.theemptyquarter.com
http://www.galleryelementa.com
http://www.tashkeel.org

Weitere, interessante und vielleicht hilfreiche Links:

http://www.carbon12dubai.com
http://www.cultureartsdubai.ae
http://www.viatraffic.org
http://www.aauae.org
http://www.uaeturath.com
http://www.almajidcenter.org
http://www.alowaisnet.org

Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit weiter helfen.

Dubai wurde erst etwa vor zwei Jahren mit obigen Reichtum an Galerien beschenkt. Der Kunstmarkt ist wohl ein guter Indikator für das Reifen eines Marktes; der Kunsthandel entwickelt sich normaler weise erst nachdem der Markt gefestigt ist. Ich denke, der Kunstmarkt in Dubai konnte sich in den letzten paar Jahren noch nicht etablieren und festigen – hoffe aber, dass ich eines besseren belehrt werde. Es wird spannend sein zu sehen, wie sich dieser Markt in der kommenden Zeit entwickeln wird.

Viel Erfolg und mit freundlichen Grüssen

André Meyerhans

Burj Dubai

Antwort aus Dubai

[Architektur]
Der Bericht um die Projekte eines bestimmten Developers haben enorme Wellen geschlagen. Ich möchte auch noch den letzten Kommentar beantworten, den ich Anfang Januar erhielt.

“das unterste der 3 bilder soll dem CCTV aehneln? welcher nicht-architekt tippt den das hier? hast du dir mal die kubaturen genau angesehen?”

Texd,

Es trifft zu, dass die Kubaturen des Projektes in Dubai nicht denjenigen des CCTV entsprechen. Was jedoch auffällt, ist die visuelle Ähnlichkeit (mindestens in der zwei dimensionalen Darstellung des Konzeptes, welche zu Werbezwecken verwendet wird). Das CCTV hat bereits enorme Publizität erfahren und ist somit vielen bekannt. Ich wage zu behaupten, dass das Dubai Projekt ganz bewusst Anlehnung sucht an eine etablierte Erscheinung und dies strategisch ausnutzt.

Dubais Faszination in den letzten Jahren lag im rasanten Wachstum und dem einmaligen Marketing. Dubai hat es allerdings versäumt, wirklich Eigenes hervorzubringen, eine moderne, Emiratische Architektursprache zu schaffen. Vielmehr hat es wenig inspirierende Architektur mit Testimonials schmackhaft gemacht (und war so erfolgreich mit diesem Konzept wie niemand zuvor), oder es identifizierte und kopierte ikonographische Strukturen aus der ganzen Welt. In diesem Fall wurde der Wiedererkennungseffekt ausgenutzt, wobei es nur eine untergeordnete Rolle spielt, ob die Kubaturen oder andere Elemente identisch sind oder nicht. Wichtig ist lediglich, dass die prinzipielle Erscheinung eine generelle Assoziation mit dem Original ermöglicht.

Damit mein Standpunkt etwas klarer wird, hier zwei andere Beispiele, welche in die gleiche Richtung gehen:

Original: La Grande Arche, Paris - Kopie: DIFC, Dubai (übrigens ene Fotomontage)

la grande archedifc

Paris ist bekannt für seinen Triumphbogen auf der Place d’Étoile, welcher von Napoleon Auftrag gegeben wurde und im Stil antiken, römischen Architektur gehalten. Wie der kleine Triumphbogen (ebenfalls von Napoleon initiiert) liegt auch La Grand Arche auf jener historischen Achse, Teil derer die Champs-Élysees ist. La Grande Arche wurde unter François Mitterrand in 1982 im aufkommenden Geschäftsbezirk La Défense begonnen – als Triumphbogen der Wirtschaft.


Original: Mikimoto Tower, Tokyo - Kopie: O-14, Dubai

mikimoto0-14

Toyo Ito entwarf den Tower für Mikimoto und auch jenen für Tod’s in Tokyo. Das Prinzip dahinter ist, eine tragende, skulpturale Fassade zu haben. Dies ermöglicht, die Bodenplatten stützenfrei zwischen Fassade und Kern zu spannen. Ich müsste mich schwer irren, aber die Lochfassade beim O-14 fungiert lediglich als vorgehängte Fassade (was sicherlich auch seine Berechtigung hat unter Dubais harscher Sonne).

Was bei Kopien oft auffällt ist, dass ein charakterstarkes Element extrahiert und weiterverwendet wird, ohne zu verstehen auf welcher Basis besagtes Element entstanden ist. Ein so seiner Herkunft entledigtes Element wird nie die Stärke entwickeln, welches dem Original innewohnt.

Eine interessante Frage ist nun, weshalb es Dubai in den letzten Jahren nicht geschafft hat, eine eigene Architektursprache zu entwickeln. Ohne diese Frage tief ergründet zu haben, tippe ich auf folgende Gründe:

a) Die Emiratische Kultur ist mehrheitlich eine nomadische Kultur, und also solche etablierte sie sich mehr entlang nicht-haptischen Kulturformen. Architektur ist letztlich jedoch eine haptische Angelegenheit, und eine Transformation vom Nicht-haptischen zum Haptischen ist unumgänglich, will man in der Emiratischen Kultur verwurzelt sein. Eine solche Übersetzung ist aber nicht nur hier sondern generell enorm schwierig.

b) Die Arabische Kultur erlaubt nur bedingt Dinge zu hinterfragen und diskutieren, welche von einer Respektsperson beschlossen wurden. Es mag an meinem kulturellen Hintergrund liegen, aber ich denke eine offene Diskussionsmentalität ist nötig, um Neues zu schaffen.


Noch ein kleiner Nachtrag: Es stimmt, dass ich zurzeit nicht als Architekt arbeite. Dennoch habe ich meine Spuren in Dubai hinterlassen: Der Entwurf der neuen Garhoud Brücke stammt von mir. (Leider wurde die Beleuchtung nicht gemäss dem ursprünglichen Entwurf verwirklicht.)

Und noch eine Anekdote dazu: Die Firma, welche die Schalung für die Brücke fertigte, fabrizierte vorher ein viel kleineres aber räumlich sehr komplexes Projekt für mich. Als wir uns zwischen den Projekten einmal trafen, meinte der Direktor zu mir, sie hätten einen Auftrag, der mir bestimmt gefallen würde wegen der doppeltgekrümmten Flächen. Als ich die Schalungen sah, musste ich lachen, denn ich hatte sie entworfen.

Grüsse

André

Immobilienkauf

[Architektur]
Sehr geehrte Frau Feichtinger

Vielen Dank für Ihren Kommentar zu meinem letzten Blogbeitrag. Die Frage, ob ich Ihnen empfehlen kann, in eine Wohnung zu investieren und diese dann zu vermieten, kann ich nur bedingt beantworten. Hier aber einige Überlegungen:

Die Kaufpreise für Immobilien sind in gewissen Orten in Dubai 20 bis 30% gefallen. Es darf angenommen werden, dass die Preise noch mehr nachgeben werden. Eine Gegend, welche keinen oder geringe Werteinbussen erfahren wird, dürfte DIFC sein.

In Dubai konnten vor der globalen Kriese Immobilien mit bis zu 90% (und mehr) fremdfinanziert werden. Viele machten nur eine erste Anzahlung – und konnten sich auch nur diese leisten – und wollten dann die Immobilie mit Gewinn weiterverkaufen, bevor die nächste Rate fällig war. Es ist wohl nicht erstaunlich, wenn einige Einheiten wieder auf den Markt kommen, weil der gegenwärtige Besitzer ausser Stande ist, die nächste Zahlung zu machen.

Letzte Woche wurde bestätigt, dass mit dem Kauf einer Immobilie nicht automatisch eine Aufenthaltsgenehmigung ausgestellt wird. Es ist zu vermuten, dass viele Wohnungen auch deshalb gekauft wurden, um ein Residence Visa zu erlangen. Sollte dies nun nicht mehr möglich sein, werden sich viele dieser Eigentümer nochmals überlegen, wie sinnvoll ihre Investition ist.

Die meisten Gebäude in Dubai haben eine wohl halb so lange Lebensdauer wie Bauten in der Schweiz. Die Bauqualität litt oft unter der enorm verkürzten Errichtungszeit.

Die Bauprojekte in Dubais Freihaltezonen wurden grössten Teils von Developern entwickelt. Um effizient zu bauen, wurden die Einheiten hunderte male kopiert. Das Resultat ist, dass sich die Projekte, die nun zum Kauf angeboten stehen, nicht voneinander unterscheiden – ausser im Preis!

In bezug auf den Standort Dubai ist anzumerken, dass es bestimmt in niemanden Interesse ist, wenn die Stadt an ihrer Magnetkraft verliert. Allerdings muss man auch wissen, dass das Geld wohl eher in Abu Dhabi zu finden ist, und der Wirtschaftsmotor der VAE ebenfalls sich dorthin verlagert.

Die Mieten werden in Zukunft nicht mehr so wachsen, sondern wohl eher sinken. Grund dürften die vielen Wohnungen, welche vermietet werden müssen, um die ausstehenden Hypotheken abzahlen zu können.

Des weiteren werden etliche Einheiten auf den Markt kommen, von jenen Leuten, welche ihren Job und somit ihre Aufenthaltsberechtigung verloren haben und die Mietpreise weiter unter Druck setzen.

Ob ich Ihnen nun raten soll, in eine Wohnung in Dubai zu investieren, so bin ich etwas überfragt. Auf jeden Fall sollte die Liegenschaft in einer guten Gegend sein und mit Eigenschaften, die sie von anderen unterscheidet.

Viel Glück
André

Abu Dhabi

Antwort aus Dubai

[Sonstiges]

Hallo Phil

Vielen Dank für Deine Nachricht und den interessanten Link über Dubai.

Und damit die anderen Leser wissen, wovon wir reden, hier ein Auszug aus Deinem Mail:

„Hallo André vielen Dank für den spannenden Blog-Artikel gestern. Die Gerüchte über die Befindlichkeit der wichtigsten Person in Dubai... hörst Du die im Geschäft und auf der Strasse, oder in Netz? Auf jeden Fall schätze ich es sehr, einen "Informanten" in Dubai zu haben :) Allerdings -- wenn ich Dich richtig verstehe, gehst Du von Dubai weg? Beste Grüsse –Phil“


Meine Informationen stammen nie aus meinen Geschäftskreisen. Privatleben, dazu gehören auch Blogveröffentlichungen, und Beruf sind bei mir stickt getrennt. Mein Arbeitsumfeld ist etwas sensibel und schreibt diese Segregation vor. Somit kennst Du auch den Grund, weshalb ich über einige der imposanteren Projekte in Dubai nur bedingt schreiben kann.

Mein letzter Beitrag sollte keine Aussage machen über Dinge, welche geschehen sind aber nicht veröffentlicht wurden. Auch hatte ich nicht die Absicht, Gerüchte in die Welt zu setzen. Vielmehr wollte ich aufzeigen, wie sich die Medien verhalten und wie ich die Medien wahrnehme.

Ich habe nicht vor, Dubai in der nächsten Zeit zu verlassen. Die Gründe sind vielfältig:

Ich mache zurzeit ein Executive MBA an der London Business School. Mein Programm hat eine internationale Ausrichtung mit Fokus auf Dubai und den Nahen Osten. Solange die Ausbildung dauert, werde ich keine grössere Neuorientierung vornehmen – wenn, dann geschieht dies danach.

Mein derzeitiger Job ist in Dubai, sehr interessant und nur bedingt betroffen von der Kriese: Ich arbeite für einen Investment Fund und bin für die Real Estate Projekte verantwortlich. Mein Aufgabenbereich spannt von Analysen über strategische Planung, Team und JV Zusammensetzungen bis zur Ausführungsüberwachung.

Zudem gibt es noch einige private Projekte, die ich in Dubai realisieren möchte: Da ist einmal ein Restaurant, das bereits aufgegleist ist, ein Galerieprojekt, das noch in den Kinderschuhen ist und ein Kunstprojekt, das es langsam vom Papier in die Realität schafft. Dann gibt’s noch ein paar kleinere Dinge, die irgendwie auch noch in der Luft schweben aber nicht Ort bezogen sind.

Auch soziale Gründe spielen eine Rolle, dass ich mich nicht von Dubai lösen möchte. Kommt noch dazu, dass es relativ viel Energie kostet, sich an einem neuen Ort einzuleben und ein funktionierendes, soziales Netzwerk aufzubauen. (Ein Netzwerk erweitern ist weniger anstrengend.) Ich weiss nicht, ob ich diese Energie im Moment aufbringen möchte. Diese Frage stellt sich bei mir deshalb, weil ich, wenn ich von Dubai wegziehe, dies in Richtung Osten machen werde. (Sydney könnte dabei der überübernächste Halt sein.)

Alles Gute und bis zum nächsten Mal

André

PS: Für alle Mitleser – Phil und ich haben uns noch nie getroffen aber hatten schon einige Diskussionen auf dem Blog und über Email. Er gehört eben zu jenen Leuten, welche ich dank meiner Schreiberei kennengelernt habe.


Ich möchte mich auch noch bedanken für den Beitrag von Philippe zu meinem letzten Blogbeitrag und die Frage beantworten, weshalb der Blog eingestellt wird.

Der Dubaiblog ist Teil von Hochparterre, und wir sind somit angestellt bei besagter Zeitschrift. Es wurde uns mitgeteilt, dass die wirtschaftliche Situation es nicht mehr erlauben würde, die Blogs weiterzuführen. Das Honorar war für mich nie Anreiz, den Blog zu schreiben, aber es war die nötige Verpflichtung, regelmässig aus Dubai zu berichten. Diese Verpflichtung wird nun aufgelöst, und ich widme mich Dingen, die ich oben erwähnt habe.

Meine Kollegin Anneke Bokern hat versprochen, den Amsterdamblog auf privater Basis weiterzuführen. Die neue Adresse wird sie auf dem Hochparterreblog bekannt geben.

Viele Grüsse in die Schweiz

André

the address

The Address, Downtown Dubai (neben dem Burj Dubai)

Gerüchteküche

[Kultur]
In all den Jahren, in denen ich nun in Dubai lebe, habe ich äusserst selten die örtlichen Tageszeitungen gekauft. Die Texte scheinen mir etwas zu gleich geschaltet, als dass ich grosses Vergnügen fände, durch den hiesigen Blätterwald zu schmökern. Vielen scheint es ähnlich zu gehen. Die Gerüchteküche floriert umso mehr. In Zeiten wie der jetzigen führt dies zu amüsanten Auswüchsen:

Es wird gemunkelt, dass es der wichtigsten Persönlichkeit in Dubai nicht so gut gehen soll ... und plötzlich sind die Zeitungen übervoll mit Fotos, welche besagte Person in Aktion zeigt.

Die Bauwirtschaft leidet hinter den Kulissen – mit leeren Baustellen, Entlassungswellen im Bau- und Bauservicesektor und mit geplatzten Immobilienfinanzierungen – so gemäss dem, was einem erzählt wird. In den Zeitungen werden jeden Tag mehrere „Wirtschaftsführer“ interviewed, welche von ihren florierenden Projekten und ungetrübten Aktivitäten erzählen. Gleiches gilt auch für andere Sektoren.

Ob Emaar, Nakheel, Emirates, Dubai Metro, ... an Abu Dhabi abgetreten werden mussten, um die Finanzen in Ordnung zu bringen, wird gemunkelt aber nicht veröffentlicht. Manchmal lassen Pressemitteilungen hingegen vermuten, dass das Ruder nun in anderen Händen liegt. So zum Beispiel als Emaar in Abu Dhabi bekannt gibt: Unter der Leitung von HH Sheikh Khalifa Bin Zayed Bin Nahyan, UAE Präsident, soll die Sheikh Khalifa Bin Zayed Residential City in Kairo gebaut werden.

Nicht viel unterscheidet uns von den Auguren; wir beide versuchen aus dem Flugverhalten der Vögel die Wirtschaftsgeschicke vorherzusagen... nur waren‘s im römischen Reich Tauben und Möwen während es hier Enten sind – Zeitungsenten.

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Der fahrende Altar

[Kultur]

Dort wo man es am wenigsten erwartet, entdeckt man oft ganz Besonderes. Die Fahrerkabinen der Lastwagen können eine solche Fundgrube sein. Einige dieser Hochsitze sind wie Tempel ausgeschmückt. Teppiche, Girlanden und Blumen dekorieren die Kamine in üppig-süsser Manier. Dass da `mal der Blick durch die Windschutzscheibe beeinträchtigt sein könnte, wird locker übersehen. Allen Sicherheitsbedenken und geschmacklichen Differenzen zum Trotz, liebe ich diese Lastwagenfahrerkultur. Sie ist irgendwie authentisch.

Was mir in Dubai besonders gefällt, ist der Umstand, dass die Brummies selbst modern sind und aussen auch nicht bunt bemalt sind wie ihre Kollegen in den ländlicheren Gegenden. Jedoch überall, wo der Fahrer Hand anlegen kann, wird dekoriert. Diese Gegensätze finde ich so typisch und so bezeichnend für Dubai.

Am letzen Nationalfeiertag, dem 2. Dezember, trieben es wohl einige Einheimischen zu weit mit ihrer Autodekoration. Die Polizei gab bekannt, dass die Sicherheit auf den Strassen nicht durch verdeckte Scheiben beeinträchtigt werden darf (ob der nächste Nationalfeiertag weniger bunt sein wird, wage ich zu bezweifeln). Wie lange es keine Regulierung bei Lastwagen und deren Inneneinrichtung vor der Windschutzscheibe gibt, wird sich zeigen.

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