|  2009-02-26
Von André Meyerhans @ 16:03 Es hat mich nicht so erstaunt, als letzte Woche die Regierung den Beschluss gefasst hat, dass Einheimischen nicht gekündigt werden kann, es sei denn, sie hätten gegen das Gesetz oder den Arbeitsvertrag verstossen. Sprich, Emiratis können nicht entlassen werden.
Ob jemand gut oder schlecht ist, hängt aber meines Wissens nicht von der Nationalität ab. Insofern werden nun private Organisationen gezwungen, in wirtschaftlich schlechten Zeiten nicht den schlechtesten oder den überzähligen zu kündigen, sondern den Ausländern. Und die Einheimischen erhalten soziale Unterstützung von privater Hand. Welche Auswirkungen dies haben wird, wird sich bestimmt bald zeigen…
Das Gesundheitssystem im Lande wird von der Regierung hoch gepriesen. Und ich muss sagen, dass die wenigen male als ich davon Gebrauch machen musste, ist mir nichts Negatives aufgefallen. Nicht alle denken aber so wie ich. Viele Leute gehen ins Heimatland zu Behandlungen. Erstaunlicher finde ich hingegen, dass viele Einheimische – vor allem besser gebildete – ebenfalls das Weite suchen, wenn es um ihre Gesundheit geht. Eine Kollegin reiste, weil ihr das Vertrauen in den lokalen Spitälern fehlt, nach Bangkok, um sich einen Nierenstein operieren zu lassen. Da frage ich mich, wie andere an etwas glauben sollen, wenn man selbst nicht daran glaubt…
 2009-02-06
Von André Meyerhans @ 10:32 Am 3. Februar 2008 fand unter der Schirmherrschaft von HH Sheikh Hamdan Bin Mohammed Bin Rashid Al Maktoum die alljährliche Zusammenkunft Arabischer Dichter statt. Es war die achte, und sie fiel zusammen mit der einjährigen Ernennung Sheikh Hamdans zum Kronprinz von Dubai. Wäre ich nicht persönlich vom Privatbüro des angehenden Herrschers von Dubai eingeladen worden, ich hätte nichts von diesem Anlass erfahren.

Ich war einer der wenigen, westlich gekleideten Personen. Und so setzte ich mich nahe an den für Frauen reservierten Teil, um visuell mit dem Schwarz der Abayas zu verschmelzen. Dies hätte ich gar nicht machen müssen, denn aller Augen waren auf die Dichter und die Mitglieder der Herrscherhäuser gerichtet.
Der Anlass begann mit der Nationalhymne. Sechs Dichter aus dem arabischen Raum trugen ihre Werke vor. Meine Kenntnisse der Sprache reichten bei weitem nicht aus, um die Feinheiten der Worte zu verstehen. Was allerdings für Westler interessant ist, sind folgende Punkte:
Jedes Gedicht wurde mit einer kurzen Einleitung begonnen, die fliessend in die Poesie überging. Beinahe ohne Schnaufpause wechselte der alltägliche Gesprächston in eine volle, dramaturgische Stimme. Die Gestik und die Mimik wurden überhöht ohne den Grad jener des Theaters zu erreichen. Die Gedichte selbst reiben nicht – wenigstens für meine Ohren. Bisweilen kommen Lautwiederholungen in vor. Die Sprache folgt einem Rhythmus, der allerdings nicht so strickt befolgt wird wie in der klassischen Dichtung. Zum Inhalt der Dichtung kann ich nicht allzu viel sagen. Vielfach handelte es sich jedoch um Lobhymnen auf die königliche Familie. Aktuelle Begebenheiten wurden aufgegriffen und die Komik der Situation angeschnitten – sehr zur Freude der anwesenden Zuschauerschar, welche in solchen Momenten den Vortragenden mit Applaus, begeisterten Ausrufen und Gelächter unterbrachen. Absolut faszinierend fand ich, dass viele der Gedichte auswendig vorgetragen wurden – und dies obwohl sie bis, so schätze ich, zehn Minuten dauerten.
Am Schluss trug Sheikh Hamdan eines seiner Gedichte vor – gleich wie sein Vater, Sheikh Mohammed, soll auch er ein begnadeter Dichter sein. Wie gesagt, meine limitierten Arabischkenntnisse lassen mich leider nicht ein eigenes Urteil bilden.
Ein sehr interessanter Abend, den ich nicht missen möchte.
 2009-01-26
Von André Meyerhans @ 15:30 So hiess eine Fernsehsendung in den 80ern, welche Kindern Dinge vorstellte, die jenseits des Vorstellbaren lagen. In Dubai erlebe ich bisweilen auch Dinge, die unglaublich aber wahr sind:
Schnee in den Vereinigten Arabischen Emiraten! Man soll’s nicht glauben, aber es ist wahr! Letztes Wochenende war in Ras Al Kheimah Frau Holle am Werke und überzog die höheren Lagen mit einem dünnen Zuckerguss. Es reichte aus zum Schneemänner bauen, wie die lokale Zeitung berichtete. Ich tummelte mich leider nicht im Schnee sondern büffelte in Dubai. Nun ist es zu spät, die weisse Pracht zu geniessen: Der Schnee ist geschmolzen – aber die Kälte ist geblieben (in Dubai: 22 Grad am Tag und etwa 15 Grad in der Nacht).

Chaotisches Warten für drei Stunden! Man soll’s nicht glauben, aber es ist wahr. Vorgestern musste ich meine Occupational Health Card erneuern, den Gesundheitsattest für Arbeitnehmer. Ich war nicht sonderlich erfreut darüber, denn im November durchlief ich das ganze Prozedere für mein Arbeitsvisum (ohne das Warten). Nun musste ich es wiederholen, für mein Hobby. (Ich unterrichte Kampfsport.) Und so lief das Theater ab: In eine Schreibstube gehen, Anmeldeformular ausfüllen lassen; zur Registration gehen, zurückgewiesen werden; zur Schreibstube gehen und Anmeldegebühr bezahlen (inklusive Aufpreis); an der Registration Schlange stehen, Nummer 1756 erhalten während derzeit 1335 bedient wurde. Die nächsten drei Stunden verliefen wie folgt: Alle Antragsteller warten draussen, ein Angestellter kam bisweilen raus mit einer Beige unserer Formularen, er schrie die Nummern und wir schrien zurück, falls es unsere Nummer war. Man könnte meinen, das wäre einfach – dem war weit gefehlt. Das ganze glich einem Bingo Spiel, denn die Nummern waren verstreut. Zudem drückte manchmal die Muttersprache des Ausrufers zu stark durch und ich verstand nichts. Und dann waren da noch die kulturellen Unterschiede im Verständnis um körperlicher Distanz… Nach drei Stunden erreichten wir die 1800er Zahlen, und ich war immer noch am ‘rumstehen. Meine Geduld war am Ende, und ich wendete mich an die Autoritätsperson, die mich zuvor so genüsslich zum Anstehen angewiesen hatte. Er dachte wohl, ich hätte nun genug gewartet und gab mir drei Minuten später mein Formular. Nun ging’s ruck zuck – Lunge wurde nicht abgehört, Röntgenbild durfte ich überspringen, nur den AIDS Test musste ich machen. Dann war ich ‘raus – vier Stunden später! Ich bin mir am überlegen, ob es weiterhin wert ist, Hapkido zu unterrichten. Mir fehlt die Gelassenheit, Stunden im Getümmel zu warten!

2009-01-08
Von André Meyerhans @ 16:36 In all den Jahren, in denen ich nun in Dubai lebe, habe ich äusserst selten die örtlichen Tageszeitungen gekauft. Die Texte scheinen mir etwas zu gleich geschaltet, als dass ich grosses Vergnügen fände, durch den hiesigen Blätterwald zu schmökern. Vielen scheint es ähnlich zu gehen. Die Gerüchteküche floriert umso mehr. In Zeiten wie der jetzigen führt dies zu amüsanten Auswüchsen:
Es wird gemunkelt, dass es der wichtigsten Persönlichkeit in Dubai nicht so gut gehen soll ... und plötzlich sind die Zeitungen übervoll mit Fotos, welche besagte Person in Aktion zeigt.
Die Bauwirtschaft leidet hinter den Kulissen – mit leeren Baustellen, Entlassungswellen im Bau- und Bauservicesektor und mit geplatzten Immobilienfinanzierungen – so gemäss dem, was einem erzählt wird. In den Zeitungen werden jeden Tag mehrere „Wirtschaftsführer“ interviewed, welche von ihren florierenden Projekten und ungetrübten Aktivitäten erzählen. Gleiches gilt auch für andere Sektoren.
Ob Emaar, Nakheel, Emirates, Dubai Metro, ... an Abu Dhabi abgetreten werden mussten, um die Finanzen in Ordnung zu bringen, wird gemunkelt aber nicht veröffentlicht. Manchmal lassen Pressemitteilungen hingegen vermuten, dass das Ruder nun in anderen Händen liegt. So zum Beispiel als Emaar in Abu Dhabi bekannt gibt: Unter der Leitung von HH Sheikh Khalifa Bin Zayed Bin Nahyan, UAE Präsident, soll die Sheikh Khalifa Bin Zayed Residential City in Kairo gebaut werden.
Nicht viel unterscheidet uns von den Auguren; wir beide versuchen aus dem Flugverhalten der Vögel die Wirtschaftsgeschicke vorherzusagen... nur waren‘s im römischen Reich Tauben und Möwen während es hier Enten sind – Zeitungsenten.

2009-01-04
Von André Meyerhans @ 07:39 Dort wo man es am wenigsten erwartet, entdeckt man oft ganz Besonderes. Die Fahrerkabinen der Lastwagen können eine solche Fundgrube sein. Einige dieser Hochsitze sind wie Tempel ausgeschmückt. Teppiche, Girlanden und Blumen dekorieren die Kamine in üppig-süsser Manier. Dass da `mal der Blick durch die Windschutzscheibe beeinträchtigt sein könnte, wird locker übersehen. Allen Sicherheitsbedenken und geschmacklichen Differenzen zum Trotz, liebe ich diese Lastwagenfahrerkultur. Sie ist irgendwie authentisch.
Was mir in Dubai besonders gefällt, ist der Umstand, dass die Brummies selbst modern sind und aussen auch nicht bunt bemalt sind wie ihre Kollegen in den ländlicheren Gegenden. Jedoch überall, wo der Fahrer Hand anlegen kann, wird dekoriert. Diese Gegensätze finde ich so typisch und so bezeichnend für Dubai.
Am letzen Nationalfeiertag, dem 2. Dezember, trieben es wohl einige Einheimischen zu weit mit ihrer Autodekoration. Die Polizei gab bekannt, dass die Sicherheit auf den Strassen nicht durch verdeckte Scheiben beeinträchtigt werden darf (ob der nächste Nationalfeiertag weniger bunt sein wird, wage ich zu bezweifeln). Wie lange es keine Regulierung bei Lastwagen und deren Inneneinrichtung vor der Windschutzscheibe gibt, wird sich zeigen.

 2008-12-23
Von André Meyerhans @ 01:07 2008-12-19
Von André Meyerhans @ 04:58 2008-12-15
Von André Meyerhans @ 04:05 2008-12-14
Von André Meyerhans @ 03:56 2008-12-13
Von André Meyerhans @ 09:13 |