Potemkinsches Dubai
Möchte man über den geschichtlichen Hintergrund mehr erfahren, gibt der zweite Paragraph einen guten Überblick.
George Katodrytis, ein Architekturprofessor und –Theoretiker in Dubai, verglich bereits vor einiger Zeit Dubai mit der Potemkinschen Stadt als er die kulissenartigen Werbetafeln des Dubailands beschrieb. Mitten in der Wüste stehen diese imposanten Fassaden und suggerieren in lebendiger Weise, was da einmal entstehen soll. (Kleiner Vermerk an der Seite: alle Projekte in der Planungsphase von Dubailand sind momentan auf Unbestimmt verschoben, jene in der Ausführungsphase tüchtig abgespeckt worden. So soll Falconcity of Wonders zwar gebaut werden, aber ohne die kommerziell verarbeitete Nachbildung der Sieben Weltwunder, welche dieses Projekt auszeichnen sollten. Viele finden dies Tragisch – meines Erachtens ist dies eine Qualitätssteigerung.)
Ich fand Georges Ansatz immer recht interessant aber etwas zu direkt. Nun denke ich aber, dass Dubai seine ganz eigene Form der Potemkinschen Inszenierung gefunden hat. Es hängt aber nicht damit zusammen, dass Dubai wieder einmal höher hinaus möchte als das Original und die Kulissen noch eindrucksvoller geplant und gebaut werden, sondern dass die angefangenen Gebäude als Kulissen fertig gebaut werden. Oberflächlich wirken die Bauten ausgearbeitet und beeindruckend – die Fassade steht. Innen bleiben sie jedoch eine Baustelle. Prominentestes Potemkinsch-Dubaisches Objekt soll der Burj Dubai sein. Die gesamte Fassade soll funkeln, drinnen sollen lediglich die öffentlichen Räume der Eingangsgeschosse ausgebaut werden sowie ein paar Hotelstockwerke in der Mitte des Turmes und die Aussichtsplattform. Ähnliches beim Rotana Tower an der Sheikh Zayed Road oder dem Gate Building bei der Ibn Battuta Mall, wo lediglich das Hotel ausgebaut wird, die serviced apartments aber Innen im Rohbau verbleiben. Weitere Beispiele könnten angefügt werden. (Alle Angaben wie immer ohne Gewähr.)
Während das Potemkinsche Prinzip eine mehr oder weniger zweidimensionale Erscheinung ist und sich jeglicher Taktilität entzieht, kreiert Dubai seine Illusion in drei Dimensionen. Sie ist erlebbar von allen Seiten und taktil dazu! Was für eine Wunderwelt!
Ist das Potemkinsch-Dubaische Phänomen kulturell bedingt? Geht es darum den Schein zu bewahren und das Gesicht nicht zu verlieren? Was geschieht mit Baustellen, die wirtschaftlich keinen Sinn (mehr) machen? Oder machen sie (immer noch) Sinn und lediglich das Kapital zur Fertigstellung fehlt? Die Gründe mögen vielfältig sein. Ich glaube aber, dass es um einiges schöner ist, in einer glitzernden Welt aus leeren Bauhülsen zu leben als zwischen zerfallenden Bauruinen.




